Gerolzhofen

Demo vor Steigerwalddom: Es ist Zeit, um auf die Straße zu gehen

"Wir verändern nur etwas, wenn wir lautstark unsere Meinung sagen!" Über 80 Personen bildeten für die Aktion "Maria schweige nicht" eine Kette um den Steigerwalddom.
Gut 80 Teilnehmer demonstrierten am Samstag in Gerolzhofen für Veränderungen in der katholischen Kirche. Foto: Klaus Vogt

Über 80 Personen folgten am Samstagvormittag in Gerolzhofen dem Aufruf der Initiative "Maria schweige nicht", eine Fortführung von "Maria 2.0" des Deutschen Katholischen Frauenbunds. "Es ist Zeit, um auf die Straße zu gehen, draußen ein Zeichen zu setzen, damit wir gesehen werden", sagte Monika Sahlender vom Organisationsteam, als sich die Teilnehmer vor dem Hauptportal der Stadtpfarrkirche versammelten.

Viele von ihnen hatten ein helles oder weißes Kleidungsstück angezogen. Für nicht wenige der Teilnehmer dürfte es das erste Mal gewesen sein, dass sie für ein Anliegen sprichwörtlich auf die Straßen gehen und sich für alle deutlich sichtbar für eine Meinung positionieren. Und wie bei einer politischen Demonstration hatten mehrere Frauen große Transparente und Plakate dabei.  "Katholisch, Weiblich, Wütend" war da beispielsweise zu lesen. Oder: "Ohne uns geht gar nichts" beziehungsweise "Schweigen war gestern, Schwestern!" 

Am Hauptportal der Stadtpfarrkirche versammelten sich die Unterstützer der Aktion "Maria schweige nicht" mit Plakaten. Foto: Klaus Vogt

Auch Frauen als Priester

"Wir fordern Veränderungen in unserer Kirche", sagte Monika Sahlender über Lautsprecher. "Wir Frauen wünschen uns eine geschwisterliche Kirche, in der sowohl Frauen als auch Männer Zugang zu den Weiheämtern haben." Denn Gott habe beiden Geschlechtern die gleiche Würde verliehen. Gefordert wurde auch die Aufhebung des Pflichtzölibats. Und: "Wir Frauen wünschen uns eine Kirche, in der Vergebung und Versöhnung gelebt wird." Eine Änderung der bisherigen Machtstrukturen sei überfällig, auch um die Fälle von Missbrauch aufzudecken und den Opfern Hilfe zukommen zu lassen. "Wir verändern nur etwas, wenn wir lautstark unsere Meinung sagen", so Sahlender.

Sängerin Silvia Kirchhof stimmte die Ballade "Was keiner wagt" an

Sängerin Silvia Kirchhof stimmte dann die Ballade "Was keiner wagt" des Liedermachers Konstantin Wecker nach dem Gedicht des Theologen Lothar Zenetti an. Gemeinsam sangen die Jugendlichen, Frauen und Männer mit und sorgten damit im hektischen Trubel des zweiten Adventssamstags für einiges Aufsehen in der Marktstraße.

In der Kirche wurde dann Fürbitte gehalten, musikalisch umrahmt von Kaharina Müller (Querflöte) und  Edith Kimmel (Gitarre). In einem gemeinsamen Gebet, das ausdrücklich mit "Gott Vater und Mutter" begann, baten die Teilnehmer um die "heilige Geistkraft", um mit ihrer Hilfe "voller Kraft und Mut, Fantasie und Kreativität den Prozess der Veränderung zu wagen".

Am Samstagvormittag bildeten Unterstützer der Aktion "Maria schweige nicht" eine Menschenkette rund um die Gerolzhöfer Stadtpfarrkirche. Foto: Klaus Vogt

Zum Abschluss bildete die Teilnehmer draußen eine Menschenkette rund um den Steigerwalddom. Während sie das Lied "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind" sangen, fassten sich die Jugendlichen, Frauen und Männer an den Händen, um einen großen Kreis zu bilden. "Dies soll ein Zeichen sein, dass wir die Kirche umarmen", sagte Organisatorin Monika Sahlender. Es solle aber auch symbolisieren, dass es jetzt an der Zeit sei, gegen die Missstände aufzustehen. Der Aufbruch für eine lebendige Kirche sei unverzichtbar.  Denn: "Die Kirche braucht ein menschliches Gesicht - unser Gesicht."

Menschenkette mit Schals verlängert

Der Versuch, eine Menschenkette zu bilden, hatte aber auch noch eine andere, ungewollte Symbolik. Obwohl für einen Samstagvormittag überraschend viele Menschen gekommen waren, reichten die Personen trotzdem nicht aus, um Hand in Hand die Kette rund um das große Gotteshaus zu schließen. Man behalf sich, indem man die Kette zwischen den einzelnen Personen mit Schals und Tüchern verlängerte.

Der Versuch zeigte aber: Es sind nur noch wenige Menschen übrig, die für ein Überleben ihrer Kirche kämpfen und sich mit den jetzigen Verhältnissen nicht mehr abfinden wollen. Die allermeisten haben sich schon längst von der Kirche abgewandt. Und sie kehren auch nicht mehr zurück – selbst dann nicht, wenn es um den gemeinsamen Einsatz für einen Umbruch, für Verbesserungen und für einen Neuanfang geht.  

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