SENNFELD

Den Dreher mit dem Besenstiel geübt

Jubiläumspaare: Vor 50 Jahren stellten sich als Planpaare zur Verfügung (sitzend von links) Christa Vogel und Alfred Spiegel, Christa Scholz und Ernst Rieß, (stehend von links) Inge Machleid und Hans Böhm, Karin Wenzel und Heinz Ramming, Kathi Kschisch und Roland Wenzel sowie Elma Hutzelmann und Rudolf Bandorf.
Jubiläumspaare: Vor 50 Jahren stellten sich als Planpaare zur Verfügung (sitzend von links) Christa Vogel und Alfred Spiegel, Christa Scholz und Ernst Rieß, (stehend von links) Inge Machleid und Hans Böhm, Karin Wenzel und Heinz Ramming, Kathi Kschisch und Roland Wenzel sowie Elma Hutzelmann und Rudolf Bandorf. Foto: Klemens Vogel

„Am ersten Septembersonntag 1962 habe ich zusammen mit meiner späteren Frau Christa zum ersten Mal als Planpaar auf der Kirm getanzt“, erinnert sich Alfred Spiegel. Im Juli war er von Willi Bernhardt vom Volkstrachtenerhaltungsverein „Die Semflder“ am Stammtisch im Gasthaus „Zur Krone“ angesprochen worden, ob er sich nicht als Planbursche bei der Kirm beteiligen wolle.

Er ließ sich überreden und nun hing es von Christa Vogel ab, die er an Fasching beim Feuerwehrball im Gasthaus „Zur Traube“ näher kennengelernt hatte. Bisher hatten Alfred und Christa kaum Berührungspunkte mit dem Trachtenverein – mit Ausnahme der Busfahrt 1961 zum Trachtenfest nach Mainz. Christa gab das Jawort und noch im Juli begannen die Tanzproben mit Tanzleiter Erich Limbach. In sieben Tanzproben galt es die vier Kirchweih-Tänze zu erlernen. „Für mich war es kein Problem, weil ich schon als Kind die Tänze um den Kinderplanbaum getanzt habe“, blickt Christa zurück. Unter großen Anstrengungen und mit Hilfe von Christa gelang es auch Alfred den Tanz-Anforderungen bis auf den „Dreher“ zu genügen. „Darum habe ich einen wohlmeinenden Rat befolgt und den Dreher mit dem Besenstiel zu Hause einstudiert“, gesteht Alfred. Hilfestellung leistete ihm Hans Geyer, sodass auch der „Dreher“ ihm keine Probleme mehr bereitete.

„Wir mussten die Tracht von Mitgliedern leihen, da der Trachtenverein den Planpaaren keine zur Verfügung stellen konnte“, erzählt Christa.

„Nach Beendigung der Tänze auf dem Plan an den Kirchweihtagen feierten wir bis morgens in der Kegelbahn weiter“, erinnert sich Christa. Dies war für Alfred als Bäcker nicht immer möglich, da er schon frühmorgens an seinem Arbeitsplatz in der „Rathaus-Bäckerei“ erscheinen musste. Am Dienstag nach Kirchweih gab es das traditionelle Eierschmalzessen. „Die Eier sammelten zwei als 'Feldböbel' (Vogelscheuchen) verkleidete Männer, die die Planpaare bei ihren 'Ständeli' (Musik und Tänze) begleiteten“, erläutert Christa.

„Ständeli“ erhielten 1962 erstmalig nur noch Pfarrer, Bürgermeister und die Eltern der Planmädchen. Den Verzicht bei den Geschäftsleuten begründete der Vorsitzende der „Semflder“ Helmut Büschel damit, dass zukünftig der Eindruck des „Bettelns“ vermieden werden sollte.

Während die „Feldböbel“ die Eier in ihre mit Stroh ausgelegten Huckelkörbe legten, mussten sie damit rechnen, von der Dorfjugend mit faulen Gurken, Tomaten oder sonstigem Feldgemüse beworfen zu werden.

„Da die anfangs recht harmlosen Wurfgeschosse zunehmend gefährlicher wurden – immer häufiger warfen die Jugendlichen Steine –, musste diese alte Sitte 1962 abgeschafft werden“, bedauert Büschel.

Begeistert von ihrem Mitwirken als Planpaar stellten sich Alfred und Christa auch 1963 noch einmal zur Verfügung und wurden Mitglieder im Trachtenverein. Christa fühlt sich mit der Kirm noch heute besonders verbunden, weil sie die Dreispitze und Zylinder der Planburschen schmückt. Als „Vereinsdiener“ überbringt Christa, unterstützt von Alfred, Informationen an die Vereinsmitglieder oder nimmt beispielsweise Anmeldungen zu Fahrten entgegen.

Von den sechs Planpaaren im Jahr 1962 haben vier später den Bund fürs Leben geschlossen. Inzwischen haben schon Kinder der Goldenen Planjubilare Brauchtum und Tradition in Sennfeld weitergeführt.

Am Kirchweihmontag 2012 werden die Planpaare Christa Vogel/Alfred Spiegel, Kathi Kschisch/Roland Wenzel, Elma Hutzelmann/Rudolf Bandorf, Ernst Rieß/Christa Scholz und Inge Machleid/Hans Böhm geehrt, wie auch das Planmädchen Karin Wenzel.

Kirchweih 1962: Vor 50 Jahren auf dem Marsch zum Plan (von rechts)Hans Böhm und Inge Machleid, Christa Vogel und Alfred Spiegel, Christa Scholz und Kathi Kschisch.
Kirchweih 1962: Vor 50 Jahren auf dem Marsch zum Plan (von rechts)Hans Böhm und Inge Machleid, Christa Vogel und Alfred Spiegel, Christa Scholz und Kathi Kschisch.
(huGO-ID: 20071032)  ng-Vor 50 Jahren das Planpaar Christa Vogel und Alfred Spiegel im “Outfit“ vom Kirchweihmontag.  FOTO Klemens Vogel
(huGO-ID: 20071032) ng-Vor 50 Jahren das Planpaar Christa Vogel und Alfred Spiegel im “Outfit“ vom Kirchweihmontag. FOTO Klemens Vogel

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