Schweinfurt

Den Durst und Hunger nach Gerechtigkeit stillen

Die Vesperkirche öffnet zum fünften Mal ihre Tore. Dabei geht es um mehr als ein günstiges Mittagessen. Welche werden sonst noch dort mit einfließen.
Gäste und Gastgeber. Zum fünften Mal ist St. Johannis Gastgeber der Vesperkirche.
Gäste und Gastgeber. Zum fünften Mal ist St. Johannis Gastgeber der Vesperkirche. Foto: Anand Anders

Erst Tagessuppe, dann Fränkischer Sauerbraten mit Kartoffelklößen und Apfelrotkohl oder - vegetarisch -überbackener Blumenkohl mit Kartoffeln und Salat, und am Ende Kaffee und gespendete Kuchen, standen auf der Speisekarte, als die Vesperkirche am Sonntag mit einem Gottesdienst, gehalten von den Pfarrern Dekan Oliver Bruckmann und Jochen Keßler-Rosa, eröffnet wurde. Auch in ihrer fünften Auflage versteht sie sich als Gemeinschaft stiftende Veranstaltung über Generationen, Religionszugehörigkeit oder sozialen Status hinweg. "Gemeinsam statt einsam" lautet heuer das Motto. In der Vesperkirche, die von St. Johannis und der Diakonie gemeinsam getragen wird, gehe es darum, das zu teilen, was die Menschen zum Leben brauchen, an Körper und Seele, sagte Bruckmann zur Begrüßung.

Gerechtigkeit spielt eine zentrale Rolle

In seiner Predigt beschäftigte sich Keßler-Rosa aus dem Blickwinkel der Bergpredigt - "Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit: denn sie sollen satt werden" - mit dem Thema Gerechtigkeit, das bei einer Befragung zum Start der Vesperkirche vor sechs Jahren eine zentrale Rolle gespielt hat, verbunden mit der Forderung, die Kirche solle sich verstärkt dafür einsetzen.

Doch, was ist gerecht? Wenn einer eine Million Euro verdient und der andere gerade mal Mindestlohn? Ist es gerecht, wenn im Sudan Menschen verhungern und wir uns Sorgen um Übergewicht und Cholesterinwerte machen?

Muss man sich Hilfe verdienen?

Ausgehend von diesen und ähnlichen Fragen, kam der Prediger zu dem Schluss, dass diese Welt nicht gerecht sei. Es gebe immer einen, dem es besser geht und einen, dem es schlechter geht in unserer Welt. Richtig erschrocken sei er jedoch, als er gelesen habe, dass der österreichische Bundeskanzler nur noch denen helfen wolle, "die es verdienen".

Sieht lecker aus. Zum Auftakt gab es Sauerbraten mit Klößen und Rotkohl.
Sieht lecker aus. Zum Auftakt gab es Sauerbraten mit Klößen und Rotkohl. Foto: Anand Anders

Da stelle sich die Frage nach den Kriterien - Leistung? Hautfarbe? Nationalität? Wenn man dies weiterdenke, "könnten wird die Hälfte aller Diakonieeinrichtungen schließen und am Eingang der Vesperkirche müsste jeder erstmal eine Gewissensprüfung durchlaufen".

Der Anfang lohnt

Für Keßler-Rosa ist die Antwort klar. Die Dimension von Glaube, Liebe und Hoffnung sage, dass es sich lohnt, schon heute damit anzufangen, dem Hunger und Durst nach Gerechtigkeit zu folgen. Die Vesperkirche probiere es wieder aus: Völlig außerhalb jeder Regel kostet das Essen nur 1,50 Euro, alle essen das Gleiche, jeder redet mit jedem, alle sind freundlich. "Gerechtigkeit ist erreicht, wenn alle das bekommen, was sie brauchen, niemand Not leidet, niemand es nötig hat, einen anderen zu bekämpfen, zu beneiden, zu bestehlen."

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von den "Jungen Stimmen Schweinfurt" unter der Leitung Andrea Balzers.

250 Gastgeber

Bis zum 10. Februar kümmern sich 250 ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich als Gastgeberinnen und Gastgeber verstehen, um die Besucher. Während der letzten Vesperkirche wurden rund 9000 Essen ausgegeben. An jedem der 22 Vespertage gibt es soziale Beratung und Informationsangebote, ebenso werden konkrete Hilfen wie Blutdruckmessen, Fußpflege und anderes mehr im Wechsel für Bedürftige angeboten.

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Vesperkirche

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Während der Vesperkirchenzeit wird es wieder jeden Donnerstagabend um 19 Uhr ein besonderes Programm in der St. Johannis Kirche geben. Für den 24. Januar wurde der Gospelchor "Voice of Glory" aus Stadtlauringen für ein Gospelkonzert gewonnen und am 31. Januar findet ein Themenabend "Zusammenleben im Alter - geht das?" statt. Der musikalische "Ohrenschmaus" mit Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Dekanat erfreute sich in den letzten Jahren stets großer Beliebtheit, dieses Mal ist er am 7. Februar.

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