Schweinfurt

Den Kulturschaffenden fehlt eine Lobby

Victoria Semel sieht nicht nur Gefahren in, sondern auch Chancen nach der Krise.
Victoria Semel bei Ihrer Lieblingsbeschäftigung – Rocken auf der Bühne.
Victoria Semel bei Ihrer Lieblingsbeschäftigung – Rocken auf der Bühne. Foto: Jail Job Eve, radicaleyefotography

Ein Odem von Glanz und Glorie umwabert den Berufsstand des Musikers. Ein Mal auf der Bühne stehen, das Publikum begeistern und eine große Show abziehen, ist der Traum von vielen. Übersehen wird allerdings oft, dass das Leben vieler Kulturschaffender schwer und das Brot hart verdient ist. Nicht nur deshalb trifft diese die momentane Krise besonders hart, da sie ihren eigentlichen Job nicht ausüben dürfen. Die als Sängerin arbeitende Schweinfurterin Victoria Semel erfährt dies aktuell am eigenen Leib, sieht allerdings bei allen gegebenen Problematiken auch Chancen für die Zukunft der im Kleinen schaffenden Künstler.

Es ging schrittweise los und dann doch ganz schnell beschreibt Semel: "Zu Beginn wurden einzelne Veranstaltungen abgesagt oder die Zuschauerzahl begrenzt. Als dann die Nachricht kam, dass sogar die Schulen schließen, war klar, dass das auch bei uns tiefere Spuren hinterlassen würde." Die Sängerin selbst benennt mit Konzerten, Studioarbeit und Unterricht ihre drei beruflichen Standbeine. "Ich sagte mir, wenn das eine gerade nicht geht, kann ich immerhin noch das andere mache. Das brach dann aber auch weg", so Semel.

Gagen für angesetzte Konzerte gehen den Selbstständigen durch das generelle Verbot verloren. Auf Ausfallhonorare können Künstler nur zählen, wenn ihnen ein Auftritt durch Veranstalterabsage wegfällt. Zwar laufe der Lehrbetrieb über das Internet noch weiter, doch weiß auch da niemand, wie lange noch. Darauf vertrauen, dass Eltern oder Studierende, die selbst in Einkommensnöte geraten, weiterhin Unterrichtsangebote nutzen, könne man laut Semel nicht. "Durch den Unterricht am PC fällt auch das gemeinsame Erleben weg, um das es letztendlich geht", fügt sie hinzu.

Studioarbeit und Internetunterricht

Alleingelassen fühlt sich die 24-Jährige im Moment nicht, da es mit Studioarbeit und Internetunterricht durchaus noch Möglichkeiten gebe, an Geld zu kommen. Etwas anderes fällt ihr hingegen auf: "Warum müssen denn so viele Kulturschaffende aktuell aufgefangen werden? Weil sie sowieso schon schauen müssen, wo sie bleiben und die kulturelle Vielfalt in Deutschland nicht so gefördert wird, wie es möglich wäre."

Zudem fehle eine zentrale Anlaufstelle wie eine Gewerkschaft, die schnell mit notwendigen Informationen aufwarten kann oder Lobbyarbeit betreibe, fährt Semel fort. Trotz dessen, sieht sie im musikalischen Bereich gerade eine große Solidarität: "Es herrscht normal schon ein gewisses Konkurrenzdenken in der Branche. Davon ist aktuell aber nichts zu spüren, im Gegenteil: Informationen, Erfahrungen und beispielsweise Unterrichtsmaterial werden bereitwillig geteilt."

So bieten sich in schweren Zeiten durchaus Zukunftschancen. "Viele haben einfach Angst vor Neuem", beschreibt Semel. Oft würden mangelndes Interesse an Konzerten oder das Umsteigen auf Streamingdienste genannt. Die Sängerin jedenfalls findet lobende Worte: "Ich finde es toll, wie sich viele Kollegen in alternative Möglichkeiten werfen wie Online-Unterricht, Streaming-Konzerte oder Crowdfunding Kampagnen. Das tut der ganzen Kulturszene erst einmal gut, wir wollen ja auch arbeiten."

Was dennoch bleibt, ist die Unsicherheit. Eigentlich wollte Semel beispielsweise mit ihrer Blues Rock Band Jail Job Eve im Sommer ein neues Album aufnehmen: "Der Studiotermin ist gebucht, wir können aktuell nicht proben und die Frage ist auch, wie kriegen wir das finanziell gelöst, wenn wir sowieso knapper planen müssen." Auch hier könnte eine Crowdfunding Kampagne für Abhilfe sorgen, im Prinzip bleibt aber nur eins: "Wir müssen einfach abwarten und zusehen, dass die Kulturszene irgendwie überlebt."

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