GEROLZHOFEN

Denzler: Nutzen größer als Schaden

Alleinstellungsmerkmal nutzen: Der Bamberger Landrat Denzler will mit dem geplanten Schutzgebiet für wertvolle Buchenbes... Foto: David Ebener (DPA)

Zum Neujahrsempfang der offenen Liste Geo-net, des „Netzwerks für Gerolzhofen“, hatte man einen in der Region namhaften Gast eingeladen. Der Bamberger Landrat Günther Denzler, Befürworter der Idee eines Nationalparks im Steigerwald, sprach in der Gaststätte des FC-Stadions über die geplante Ausweisung eines Schutzgebietes im nördlichen Steigerwald.

Man habe ihn eingeladen wegen seiner Position und Meinung zum nördlichen Steigerwald und dessen Potenzial. Hierbei spielte er auf seine Parteizugehörigkeit an: „Ich bin gerne CSUler, auch wenn es manchmal schwerfällt.“

Entscheidend für das Potenzial des Steigerwalds sei dessen Lage im Raum, so Denzler. Er liege weit weg von den großen Zentren. Es gebe Herausforderungen beim öffentlichen Nahverkehr oder der Breitbandversorgung. Wenn man Arbeitsplätze schaffen möchte, müsse man das Positive der Region herausstellen. Deren Alleinstellungsmerkmal sei ihre reichhaltige Kultur.

Dazu gehören auch die Buchenbestände im nördlichen Steigerwald, die von der Unesco als sehr hochwertig eingestuft worden seien. Denzler möchte mit dem 750 Hektar großen Schutzgebiet „Der hohe Buchene Wald“ die Grundlage für eine Ausweisung als Weltnaturerbe erreichen. Auch ein Schutzgebiet könne neben einem Nationalpark oder einem Biosphärenreservat die Voraussetzungen für dieses Prädikat erfüllen.

Denzler hatte mit weniger Gegenwehr gerechnet. Trotz des großen Widerstandes hält er sein Ziel aber für wichtig, auch weil es dem Klimaschutz dient. Der Landkreis Bamberg arbeite als einer der ersten Landkreise in Bayern seit vielen Jahren an Maßnahmen gegen den Klimawandel, an der Klimabilanz und an der Potenzialanalyse, so der CSU-Politiker.

Hinzu komme, dass er die Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung umsetze. Denzler verwies auf die Vorgabe, zehn Prozent der bayerischen Staatswälder aus der Nutzung zu nehmen. Dies habe man im Kabinett Merkel auch mit der Unterschrift Seehofers beschlossen und es stehe im jetzigen Koalitionsvertrag. Denzler meinte: „So wie ich Politik verstehe, nehmen wir das ernst und bitten darum, dass man uns bei der Realisierung dieser Ziele nicht im Weg steht.“

Allerdings bedauert er die Härte der Diskussion. Diese sei auch im Zuge der Kommunalwahl 2008 entstanden: „Wenn ich dazu beigetragen habe, möchte ich mich entschuldigen.“ Er erwähnte, dass er seinen Wahlkampf 2008 nur unter Polizeischutz durchführen konnte. Es habe eine Stimmung geherrscht, in der er „beschimpft und bespuckt“ worden sei.

„Wir müssen emotionslos darüber reden und die Vor- und Nachteile abwägen“, meinte der Landrat. Politik verstehe er so, dass man nicht nur dem Zeitgeist hinterhergehe. Er ergänzte: „Der Weg des geringsten Widerstandes ist nur am Anfang asphaltiert.“

Er wünsche sich, dass sich die Lösung durchsetzt, die für alle am besten ist. Zudem solle man offen bleiben für die Argumente der jeweils anderen Seite. Seine Position ist klar: „Wenn man alle Argumente für und gegen einen Nationalpark im nördlichen Steigerwald abwägt, dient dieser mit dem Status als Weltnaturerbe den Menschen, der Region und dem Gemeinwohl mehr, als er schadet.“

Auch Stadtrat Thomas Vizl hatte bemängelt: „Eine inhaltliche, offene Diskussion über die Zukunft der Region des nördlichen Steigerwaldes wird nicht geführt.“ Alle Fraktionen des Stadtrats würden sich auf eine Abwehrhaltung zurückziehen, anstatt das Thema „ergebnisoffen“ anzugehen und Vor- und Nachteile abzuwägen.

„Man verweigert auf allen politischen Ebenen in Unterfranken und Bayern nach wie vor eine fachliche Prüfung im Rahmen einer Studie“, kritisierte er. Geo-net sei die einzige politische Gruppierung in Gerolzhofen, die sich offen mit dem Thema auseinandersetze, es diskutiere und die erforderlichen Fragen stelle.

Birgid Röder, die Fraktionssprecherin der Grünen im Kreistag, plädierte unter Verweis auf den gesellschaftlichen Wandel für mehr „neues und kreatives Denken“ neben der „Bewahrung und dem Schutz des Lebensraums“.

Geo-net-Sprecher Toni Niedermeier, der den Neujahrsempfang moderierte, hatte unter den Gästen nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner der Nationalparkidee begrüßt. Vertreter von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, den Grünen, von anderen politischen Parteien sowie von der Stadt Gerolzhofen und von Gemeinden aus dem Umland waren zugegen.

(huGO-ID: 23793851) Befürworter einer umstrittenen Idee: Der Bamberger Landrat Dr. Günther Denzler besuchte den Neujahrs...

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