THEILHEIM/SCHONUNGEN

„Der Antisemitismus ist nicht tot“

Namen im rostigen Stahl.
Namen im rostigen Stahl.

Bei zwei Gedenkfeiern mit insgesamt etwa 200 Teilnehmern ist am Sonntag im Landkreis derjenigen Juden gedacht worden, die vor 70 Jahren in der Nazi-Diktatur deportiert und später ermordet worden sind. In Theilheim fand die beeindruckende Feierstunde in der ehemaligen Synagoge statt. In Schonungen übergab Bürgermeister Kilian Hartmann das neue Denkmal an der Gemeindebibliothek seiner Bestimmung.

31 Theilheimer jüdischen Glaubens sind am 22. April 1942 verschleppt worden. Der jüngste war ein einjähriges Kind. In der ehemaligen Synagoge sind ihre Namen verlesen worden. Einwohner haben dabei teils bebilderte Tafeln für jeden Getöteten auf Tische gestellt; sie waren zuvor in einem Gedenkmarsch durch die Straßen des Dorfes getragen worden. Insgesamt seien 97 Juden mit Geburtsort Theilheim im Holocaust ermordet worden, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (Würzburg).

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Gedenken an Juden-Deportationen

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Die Nachbarn haben sie nicht schützen können oder wollen, obwohl sie über 200 Jahre lang Tür an Tür gelebt hätten, sagte Schuster. Die jüdische Gemeinde, die im 19. Jahrhundert die Hälfte der Dorfbevölkerung ausmachte, lasse sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen, erläuterte Konrad Roth in einem geschichtlichen Abriss. „Der Antisemitismus ist nicht tot“, sagte Schuster und kritisierte vehement das umstrittene Anti-Israel-Gedicht von Günter Grass als antisemitisch. Ähnliche Worte fand Schuster auch in Schonungen.

Von dort wurden 1942 acht Juden deportiert, die später in Vernichtungslagern getötet wurden. Auf einer von Klaus Reimann als Leporello (Ziehharmonikaform) konzipierten Stahlinstallation finden sich ihre Namen. Das Denkmal an der Außenwand der Gemeindebibliothek ist verwirklicht worden, nachdem die Idee, so genannte Stolpersteine vor den letzten Wohnhäusern der Getöteten zu verlegen, gescheitert war. Auch darauf ging Bürgermeister Hartmann in seiner Rede ein. Bei aller Kritik am Gemeinderat, das Gremium habe stets an die Personen erinnern wollen. Mit dem Kunstwerk würden ihre Namen aus dem Vergessen zurückgeholt.

Klaus Reimann erläuterte Materialauswahl und Standort des Mahnmals. Es befinde sich an einer zentralen Stelle im Ort: „So steht dieses Gedenkmal mitten im heutigen Leben von Schonungen.“ Die senkrechte Anordnung der Buchstaben erschwere die Lesbarkeit. Damit erhalte jeder Name seine Zeit und seine Bedeutung. Das rostige Eisen soll die Vergänglichkeit symbolisieren. Auch Schuster würdigte das Mahnmal positiv. Damit sei es gelungen, den Getöteten einen Teil ihrer Würde wiederzugeben.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden rief dazu auf, dem Hass, dem die Theilheimer und Schonunger Juden zum Opfergefallen sind, vehement entgegenzutreten. Auch die Bürgermeister Hartmann und Peter Pfister (Waigolshausen) mahnten in ihren Reden, die Erinnerung wachzuhalten, damit solche Gräuel nicht mehr geschehen können. In Schonungen ließ Hartmann seine Ausführungen von einem Mitschnitt untermalen, wie im April 1942 die Namen der Verschleppten auf dem Verladebahnhof in Würzburg aufgerufen worden sein könnten. Erschaudernd.

Wider das Vergessen: In Theilheim erinnerten Namenstafeln in der ehemaligen Synagoge an die 1942 deportierten 31 Juden. Der jüngste war ein Jahr alt.
Wider das Vergessen: In Theilheim erinnerten Namenstafeln in der ehemaligen Synagoge an die 1942 deportierten 31 Juden. Der jüngste war ein Jahr alt. Foto: Josef Schäfer
Interesse: Ein Schonunger betrachtet das neue Mahnmal im Ortszentrum.
Interesse: Ein Schonunger betrachtet das neue Mahnmal im Ortszentrum.
Kinder gedenken in Theilheim.
Kinder gedenken in Theilheim.

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