ÜCHTELHAUSEN

Der Brönnhof: für Fauna, Flora und den Menschen

Versiegelte Flächen wie das Camp Robertson stehen für den Bau von Solaranlagen zur Verfügung. Foto: Anand Anders

Weil die „Erfolgsgesichte“ „uns glücklich macht“ und wir auf „sehr guten Wegen“ im „Eldorado der Forschung“ und in dem „tollen Beispiel für den Naturschutz“ von „einmaliger Qualität“ unterwegs sind, – übertrafen sich die Teilnehmer am Pressegespräch nach der Erkundung auf dem ehemaligen US-Truppenübungsplatz Brönnhof mit Superlativen.

Eingeladen zur Pressekonferenz in der Waldgaststätte Schießhaus hatte am Donnerstag der Landesvorstand des BUND Naturschutz, für den sich das Nationale Naturerbe Brönnhof im Norden der Stadt Schweinfurt durch wertvolle Wald- und Offenlandlebensraumtypen und eine große Artenvielfalt auszeichnet. Mit seinem Besuch würdigte der BN-Landesvorstand die ab 2015 erfolgte Überführung von 1257 Hektar des ehemaligen Truppenübungsplatzes in das Nationale Naturerbe und das „vorbildliche Engagement der Bundesforsten“.

Am Vormittag hatten die aus ganz Bayern angereisten Vorstandsmitglieder mit dem Vorsitzenden der BN-Kreisgruppe Schweinfurt, Edo Günther, und Verantwortlichen aus Naturschutzverwaltung und Bundesforsten das „Naturjuwel“ (Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter) des Landkreises besichtigt.

Vorgeschichte

Der Standortübungsplatz war bis zum Herbst 2014 mit 2275 Hektar das drittgrößte militärische Übungsgelände der US Army in Europa. Nach dem Abzug der Soldaten gingen rund 1000 Hektar gepachtete Waldflächen zurück an die privaten und kommunalen Eigentümer. Die verbliebenen 1257 Hektar gelten heute als großflächiges und von öffentlichen Straßen nicht durchschnittenes Gebiet, wobei vor allem die etwa 300 Hektar große Offenlandfläche als bedeutsam für den Naturschutz eingestuft ist.

Die der Natur überlassenen oder naturnah bewirtschafteten Wälder (Waldmeister-Buchenwälder, Eichen-Hainbuchenwälder und Alteichenbestände) sind in Verbindung mit dem Offenland Lebensraum für seltene Arten wie Hirschkäfer, Spanische Flagge (ein Schmetterling), Bechsteinfledermaus, Kammmolch und Zauneidechse. Nachgewiesen sind auf der größten Naturerbefläche Bayerns (alle ehemals militärisch genutzt) über 1500 Tier- und Pflanzenarten, darunter seit November 2017 die Wildkatze.

Pflege und Entwicklung

Die Freifläche wird durch Beweidung mit Wildpferden (Koniks), Rindern (Angus) und Schafen sowie mit der Mahd erhalten. Für den Wald sind Laubmischbestände ohne weitere Nutzung anvisiert. Nutzungsformen wie der Mittelwald werden fortgeführt. Für die Pflege und Entwicklung des gesamten Gebiets zeichnet der Bundesforst Hammelburg verantwortlich. An Betretungsverbote ist nicht gedacht. Wanderer und Radler sind willkommen – sofern diese auf den Wegen bleiben.

Hubert Weiger: „Ein schöner Tag“

BUND Vorsitzender Hubert Weiger freute sich, dass und wie die von seiner Organisation erstmals vor 15 Jahren geforderte Entwicklung für eine wegen des ehemaligen militärischen Sperrgebiet „unbekannte Ecke“ umgesetzt wird. Lob gab es von dem Bundes- und Landesvorsitzenden insbesondere für die Zusammenarbeit zwischen der Kreisgruppe, der Waldschutzgemeinschaft und dem Bundesforst, wodurch ein „Kleinod für ganz Süddeutschland“ entstanden sei, eines von „einmaliger Qualität“ und ein „Eldorado für die Forschung“.

Erfreulich an der „Erfolgsgeschichte“ und dem „tollen Beispiel“ sei auch, dass der Bund sich nicht zurückgezogen habe, sondern mit seinen Bundesforsten Verantwortung für den Umbau der früheren „Kraterlandschaft“ trage.

Große Zuversicht

Godfried Schwartz, Leiter des zuständigen Bundesforstbetriebs Reußenberg (Hammelburg), verwies auf jahrzehntelanges Engagement auch schon während der militärischen Nutzung, das in der Öffentlichkeit jedoch kaum bekannt geworden sei. Auch Schwartz lobte die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen, die mit ihrem Wissen dazu beitrügen, „dass wir das alles leisten können“ und auf „sehr guten Wegen“ vorankommen. Dies bestätigte anschließend Jörg Steinhoff, Leiter des Sachgebiets Naturschutz bei der Regierung von Unterfranken.

Kreisvorsitzender Edo Günther setzte den Schwerpunkt ebenfalls ganz klar beim Naturschutz. Erfreulich für den Umweltschutz sei, dass der Bundesforst einer Nutzung versiegelter Flächen für die Energiegewinnung – wie etwa im Camp Robertson durch Photovoltaik – positiv gegenüberstehe. Höhepunkt im vergangenen Jahr war für Günther der Nachweis der Wildkatze auf dem Brönnhof, der auch durch das Engagement von Förster Mattias Enslein gelungen sei.

Offene Wünsche

Der Landesvorstand und die Kreisgruppe forderten am Schluss des Pressegespräch den Bundesforst auf, ein Besucherkonzept für den sanften Tourismus alsbald zu erstellen. Auch sei man auf die Umsetzung von Bildungsprojekten, darunter Lehrpfade mit Themenschwerpunkten, gespannt. Angeregt ist auch eine naturnahe Bewirtschaftung der angrenzenden Wälder.

Im Zentrum des Nationalen Naturerbes liegt das 300 Hektar große Offenland. Foto: Anand Anders
Wildpferde und Rinder sind das ganze Jahr auf dem Freigelände. Foto: Gerd Landgraf
Schäfer Roman Henry bei der Klauenpflege auf dem Brönnhof. Foto: Vladimir Budin
Noch fehlt ein Besucherkonzept, das den sanften Tourismus lenkt. Foto: Gerd Landgraf
Bäche und Wasserlöcher sorgen auf dem Brönnhof für Artenvielfalt. Foto: Foto:Gerd Landgraf

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