GRAFENRHEINFELD

Der Fall der Kühltürme weckt wenig Emotionen

Sehr pragmatisch betrachtet es die Grafenrheinfelder Bürgermeisterin Sabine Lutz, dass die Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks (AKW) Grafenrheinfeld schon bald gesprengt werden könnten. Die Idee von Bernd Kaiser, der den Abbau der Anlage leitet, findet sie schlicht und ergreifend „gut“. Aber das habe nichts mit dem Kraftwerk selbst zu tun: „Sind sie einmal weg, können sie nicht mehr als Landmarke für militärische Übungsflüge genutzt werden“, so die Bürgermeisterin. „So werden wir wohl dann hoffentlich von solchen oft nächtlichen Übungsflügen, die die Bevölkerung in Aufruhr versetzen, verschont.“

Kaiser geht es allerdings um die Symbolik der 143 Meter hohen Türme. Eigentlich sollten sie erst zum Ende des Abbaus fallen. Doch weil sie Sinnbild des AKW und weithin sichtbar sind, möchte er sie möglichst schon 2019 weg haben. Dann wäre wieder die Pfarrkirche das höchste Gebäude der Gemeinde.

Mit Symbolik aufgeladen sind die massigen Bauten für Sabine Lutz nicht. „Natürlich konnte man sie von Weitem sehen und man wusste dann, ,da bin ich daheim‘“, sagt sie. Aber für sie waren sie in der Hinsicht eher Landmarke denn Wahrzeichen. Weder freue sie sich über ihren vorzeitigen Abriss noch werde sie die Türme vermissen.

Die Mahnandachten gibt es weiter

Sollte die Unternehmensleitung demnächst die frühe Sprengung der AKW-Türme beschließen, wird die markante Silhouette des Atomkraftwerks bald nicht mehr zu sehen sein. Die Probleme, die der radioaktive Schutt von anderen Teilen der AKW-Anlage bereiten wird, sind damit aber nicht aus der Welt. Hubert Lutz von der Bürgeraktion Umwelt- und Lebensschutz, Bürgerinitiative gegen Atomanlagen, kurz BA-BI, prognostizierte in einem früheren Gespräch mit der Redaktion großen Handlungsbedarf für die BA-BI. Man müsse aufpassen, dass beim nicht ungefährlichen Rückbau „kein Schmu getrieben wird“, und etwa radioaktive Teile beim Straßenbau verwendet werden.

Schließlich sieht das Deutsche Atomforum, der Lobbyverband für die Nutzung der Kernenergie, es als besonders wichtig beim Rückbau an, die Abfälle für das atomare Endlager möglichst klein zu halten. Nur ein kleiner Teil des Baus sei mit radioaktiven Stoffen in Berührung gekommen, und davon könne das meiste so weit gereinigt werden, dass es wiederverwendet oder als Bauschutt deponiert werden könne. Für Besorgte wird also der Fall der Kühltürme von Grafenrheinfeld kein Symbol zur Entspannung sein. Die monatlichen Andachten nahe dem Atomkraftwerk finden jedenfalls auch im dritten Jahr nach der Abschaltung statt.

„Nicht die erfreulichste Landmarke“

Konsequent im Zuge des Atomausstiegs findet der Schweinfurter Landrat Florian Töpper die frühe Entfernung der Türme. „Es freut mich, dass ihr Rückbau nicht erst am Ende des Gesamtprozesses stehen wird.“ Die Türme werde er nicht vermissen, auch wenn der Anblick der Landschaft ohne sie zunächst ein ungewohnter sein werde. Schließlich seien sie über Jahrzehnte eine Landmarke gewesen. „Gewiss aber nicht die erfreulichste in der Landschaft“, so Töpper.

Sorgen, dass die Sprengung der Türme womöglich beim abgeschalteten Kraftwerk zu einem Störfall führt, weil sensible Teile noch stehen, beunruhigen weder Töpper noch Sabine Lutz. „Der Sprengungsprozess muss natürlich unter maximalen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen“, mahnt der Landrat. Vielleicht seien Ängste nicht unberechtigt, meint die Bürgermeisterin. Aber sie gehe davon aus, dass die Sprengung verantwortungsvoll erledigt wird. „Auch Herr Kaiser und seine Mitarbeiter wollen weiter glücklich und gesund leben“, so Sabine Lutz.

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