SCHWEINFURT

Der Lockruf des Ohrenschmauses

Das DuDett mit Claudia Dettmar und Pfarrer Andreas Duft servierte das Couplet „Die gute Tasse Kaffee“. Foto: Siegfried Bergler

80 Minuten – so lang wie Beethovens Neunte oder Bruckners Achte! Ein solch umfangreiches musikalisches Programm kurzfristig und neben einem recht vollen Terminkalender auf die Beine zu stellen – allein dafür gebühre den beteiligten Geistlichen des evangelischen Dekanats Schweinfurt alle Achtung, heißt es in einer Pressemitteilung. Im vierten Jahr Vesperkirche gab es zum vierten Mal den „Ohrenschmaus“ – und erneut keine freien Plätze bei diesem abendlichen Benefizkonzert in der St. Johanniskirche.

Nur ein „kleiner Chor“ war im Programm angekündigt. „Es fehlen uns welche“, bedauerte auch Pfarrerin Gisela Bruckmann in ihrer Begrüßung, wünschte aber trotzdem allen – auf das Vesperkirchenmotto „Miteinander für Leib und Seele“ anspielend – „einen guten Appetit“ und ein „Wohl bekomm‘s.“ Doch der neunköpfige Chor, stimmlich und per Flügel begleitet von Kirchenmusikdirektorin Andrea Balzer, präsentierte sich laut Mitteilung ausgesprochen souverän. Sein für eine Kirche passendes Eingangsstück, das Glaubensbekenntnis des zeitgenössischen Jazz- und Kirchenmusikers Micha Keding „I believe in you. You are my God“, markierte bereits einen Höhepunkt.

Aus der reichen musikalischen Palette, die geradezu ein Wechselbad der Gefühle auslöste, können hier nur Streiflichter erwähnt werden. Da war zum Beispiel das vom DuDett (Pfarrer Andreas Duft und Claudia Dettmar) vorgetragene, im Herzen ansprechende Chanson „Allein“ zum Thema Einsamkeit: „Bin so verdammt allein . . . geh einsam meinen Weg . . . weiß nicht, wie lang‘s noch geht“, doch mit tröstlichem Ausgang: „Gott steh‘ uns bei . . . Verloren geben wir uns nicht.“ Ebenfalls eine Duftsche Eigenkomposition, extra für die Vesperkirche geschrieben, war das humorige Couplet „Die gute Tasse Kaffee“, die man sich bei morgendlichem Kater gönnen solle: „Sie stellt dich wieder auf.“

Die in Andantino serioso gehaltene Ballade „Die Uhr“ von Johann Gabriel Seidl, 1852 vertont von Carl Loewe, frei von Pfarrerin Bruckmann mit kräftiger Altstimme gesungen, war eine exzeptionelle, tief berührende Darbietung: „Ich trage, wo ich gehe, stets eine Uhr bei mir.“ Und bekanntlich wohnt der Meister der Lebensuhr „jenseits der Erde, dort in der Ewigkeit.“

Zwei Raritäten für Querflöte und Orgel präsentierte Citypfarrer Heiko Kuschel. Als Jugendlicher hatte er engen, persönlichen Kontakt zu Emanuel Vogt (gestorben 2007). Der Dekanatskantor von Windsbach war eine „charismatische Persönlichkeit“, der für ihn 1986 diese meditativen Flötenstücke zur Christnacht und zu Ostern schrieb. Kuschel brachte sie von der Kirchenempore wieder neu zu Gehör. Im zweiten Teil ließ sich geradezu sehnsuchtsvoll die österliche Auferstehungshoffnung heraushören.

Natürlich kam man an diesem Abend nicht an Johann Sebastian Bach vorbei: Pfarrer Martin Bauer (Euerbach) sang die Tenor-Arie „Was unser Gott geschaffen hat“ aus der Kantate „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ (BWV 117) – und zwar in schwungvollem, heiterem Tanzstil und „schmeichelnden Terzen und Sexten“ (laut Werkbeschreibung).

Aber auch gefällige, eingängige, zum Mitsummen animierende Stücke durften nicht fehlen, vorgetragen vom Pfarrer-Trio Grit Plößel (Flöte), Gisela Bruckmann (Flügel) und Wolfgang Weich (Violine), darunter der peruanische Ohrwurm „El condor pasa“ und der Marsch „Scotland the Brave“. Und gar lustig wurde es bei Variationen des Franz-Schubert-Kunstliedes „Die Forelle“ („In einem Bächlein helle. . . .“) von Franz Schöggl, der es unter anderem mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ oder dem Walzer „An der Blauen Donau“ melodisch kompatibel machte.

Am Ende bedankte sich St.-Johannis-Pfarrer Andreas Grell „für das Menü, das Ihr kredenzt habt“ und das sogar „mehr Gänge als auf der Speisekarte stehend“ enthalten habe, kurzum: „Ein geballtes Talent.“ Besonderen Dank zollte er der musikalischen Leitung von Andrea Balzer und der organisatorischen Vorbereitung seitens Pfarrerin Bruckmann.

Aber da gab‘s ja noch den „Nachtisch“, sprich eine chorische Zugabe, bei der der Funke des Publikums vollends übersprang: „Heaven is a wonderful place” veranlasste zu rhythmischem Mitklatschen und lud – endlich auch – zum Mitsingen ein.

Übrigens: In den Körbchen am Ausgang kamen 1500 Euro zugunsten der Vesperkirche zusammen.

Ein beeindruckender Liedvortrag war „Die Uhr“, vorgetragen von Pfarrerin Gisela Bruckmann, am Flügel begleitet von Kirch... Foto: Siegfried Bergler

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