Schweinfurt

Der Poetry Slam als kreative Sprachschule

Der poetische Umgang mit der Sprache gibt den jungen Menschen klare Strukturen und macht dabei noch Spaß. Warum das Ganze auch noch aufregend ist.
Beim Poetry-Slam siegte (v.l.) Jule in der Gruppe U14, Georg und Lucain den Gruppen U20 Foto: Charlotte Wahler

Pauline Füg aus Fürth und Lokalmatador Manfred Manger moderierten beim Poetry Slam U14 und U20, bei dem sich schon die jüngsten Literatinnen und Literaten präsentieren konnten. Vorher gab es zwei Tage lang einen Workshop und intensive Auseinandersetzung mit der Sprache. Der Lohn der Mühe: ein Auftritt vor Publikum. Viele der jungen Teilnehmer standen zum ersten Mal auf der Bühne.

Und es gab viele Texte, heitere, schwermütige, faszinierende, traurige, atemberaubende, zarte und leichte – eine vielfältige Kost. Eigentlich waren es mehrere Wettbewerbe, die unter 14-jährigen bildeten die erste Gruppe und beeindruckend war bei allen, wie souverän und gekonnt sie ihre selbst geschriebenen Texte vortrugen, da zitterte kaum die Stimme, die Hand, die das Blatt hielt, nur ab und zu. Diesmal gab es nur die Vor- oder Künstlernamen der Bühnenstars.

Das Leid der Erde aus Perspektive eines Baumes

Josefine K. erzählte, wie die Natur immer mehr verschwindet, wie die Hitze riesige Risse in die Erde treibt. Sie erzählte dies aus der Perspektive eines Baumes und berührte die Herzen des Publikums. Kathi sprach über Freundschaft, die purer Stress werden kann, Maja stellte einen Planeten vor: Buschole gesprochen wie der berühmte Wein, und dort fließen Milch und Honig, oder besser: Butter, Schokolade und Lebkuchen. Bäume, die Lollis sind, welch eine hübsche Vorstellung! Jule, die Siegerin dieser Runde, befasste sich damit, wie es gehen kann, authentisch zu werden, "lernen, ich selbst zu sein".

Beim Poetry-Slam siegte Justus in der Kategorie Stadtmeisterschaften Foto: Charlotte Wahler

Praise, die Jüngste, war klar und prägnant: "Ich habe immer gedacht als Kind, erwachsen zu sein macht Spaß …" Sinans Text war witzig und überraschend, er schrieb über die Faulheit und es war deutlich sichtbar, dass er, so jung noch, schon seinen eigenen Beat gefunden hat. Lena behandelte ein schweres Thema hervorragend und eindrücklich, es ging darum, wie das Leben verletzen kann, es ging um Mädchenmord in Indien und darum, was Fairness bedeutet.

Bei den 15-bis 20-Jährigen gab es unter anderem einen eindrücklich verstörenden Text um das Aufsprengen von Konventionen, darum, auf "feuerfarbenen Herzens-heels … in die Null das eigene Kreuz zu setzen". Gedichte in englischer Sprache waren ebenso dabei wie Texte über Optimismus und Pessimismus als grundlegende Lebenshaltung. Hier siegten Georg und Luca.

Und es gab noch einen Wettbewerb: Bei den Stadtmeisterschaften traten Anna Lena, Aurelia, Justus und Isa an, die meisten Punkte trug Justus mit nach Hause und damit auch den Startplatz zu den Fränkischen Meisterschaften im Herbst. Der Slam-DJ Benni Warmuth untermalte die Veranstaltung gekonnt mit Musik.

Gefühl und Rhythmus der Sprache üben

Zum ersten Mal fand auch der Workshop im Kom,ma statt, dem Jugendzentrum in der Schultestraße, "ideale Bedingungen", so Manger. Der Bezirk Unterfranken und die Kulturstiftung Schweinfurt unterstützt die Workshops, in denen die jungen Menschen diesen beeindruckenden Umgang mit der Sprache lernen. So können sie kostenlos mitmachen und es war allen anzusehen, dass sie mit Freude und Ehrgeiz dabei waren. Sprache und Rhythmus, Gefühl und logischer Aufbau, all dies zu üben, schult nicht zuletzt das Denken und macht junge, kluge Menschen, die ihr Leben, unter welchen Bedingungen auch immer, gut meistern können.

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