EBRACH

Der Titel Nationalpark und seine große Bedeutung für die Region

Breite Allianz für einen Nationalpark Steigerwald: An der von Heiner Gremer (rechts) moderierten Podiumsdiskussion im Rahmen der Tagung „Naturerbe Buchenwälder“ des Bund Naturschutz in Ebrach nahmen (von links) Max-Dieter Schneider (Bürgermeister Ebrach, Kreisrat Bamberg), Heidru... Foto: Ulla Reck

Die Tagung „Naturerbe Buchenwälder“ des Bund Naturschutz in Bayern (BN) in Ebrach stand beim 10. Mal unter dem Motto „Nationalparke – gut für die Entwicklung der Regionen“.

Dazu hatte man Bürgermeister, Gastronomen und Touristiker aus den Nationalparkregionen Bayerischer Wald und Hainich (Thüringen) eingeladen, um ein authentisches Bild vermittelt zu bekommen, wie die Nationalparks von den Betroffenen selbst gesehen werden. Das Urteil fiel der Pressemitteilung des Freundeskreises Nationalpark Steigerwald zufolge eindeutig und zwar eindeutig positiv aus.

Die Referenten betonten übereinstimmend die große wirtschaftliche Bedeutung des Titels „Nationalpark“ für ihre Regionen. Hohe Attraktivität und mehr Fördermittel setzen viel Positives in Bewegung, wie den Ausbau und die Sicherung des öffentlichen Personennahverkehrs, mehr Dorfläden, die Steigerung der Wirtschaftskraft sowie viele neue Arbeitsplätze und Zusatzeinkommen.

Podiumsdiskussion

Bei der Podiumsdiskussion war das Credo von BN-Chef Hubert Weiger und von Vertretern der Allianz „Faire Chance für den Steigerwald“ ebenso klar: „Wir kämpfen weiter für einen Nationalpark Steigerwald und fordern, dass zumindest die Option fair geprüft wird.“

BN-Vorsitzender Weiger dankte den Stadtratsgremien von Gerolzhofen, Haßfurt und Würzburg, die 2017 entsprechende Beschlüsse in diese Richtung gefasst haben. Er sagte: „Wir wünschen uns noch mehr Gemeinden, die sich bei der Staatsregierung für das gesamtfränkische Projekt einsetzen.“

Daniel Eder und Robert Kürzinger von der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald, einem Zusammenschluss aus 13 Gemeinden, sehen riesige Vorteile: „Wir profitieren immens vom Nationalpark.“ 58 Prozent der Besucher kommen allein wegen des Nationalparks. Die Wertschöpfung der Besucher beträgt 21 Millionen Euro im Jahr, rund 1100 Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Bürgermeister Karlheinz Roth aus Spiegelau nutzt die gute Zusammenarbeit mit dem Nationalpark zur Verbesserung der Attraktivität seiner Gemeinde. Im Kommunalen Nationalparkausschuss aus Landräten und Bürgermeistern habe man bisher in allen Punkten Lösungen gefunden.

Öffentlicher Personennahverkehr

Die langjährige Projektleiterin des Nationalpark-Verkehrskonzepts im Bayerischen Wald, Christina Wibmer, lobte die Unterstützung von Nationalparkverwaltung und Umweltministerium beim Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, der meist im Stundentakt fährt. In der dünn besiedelten Region könnte man sich so ein gutes ÖPNV-Netz ohne Nationalpark nicht leisten.

Die Bahnstrecke Zwiesel-Grafenau konnte nur wegen des Nationalparks erhalten werden, so Wibmer.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es in den ländlichen Gemeinden im Steigerwald große Defizite beim ÖPNV gibt. Ein Nationalpark könnte hier helfen und käme den betroffenen Einwohnern zugute.

Bürgermeister Bernhard Bischof aus Hörselberg-Hainich (Thüringen) ist Vorsitzender des Vereins „Welterberegion Wartburg-Hainich“, die seit 2013 für das Weltnaturerbe Hainich und das Weltkulturerbe Wartburg wirbt. „Der Nationalpark hat eine hohe Akzeptanz im Hainich, er bietet einen Standortvorteil im Wettbewerb der Regionen“, so Bischof.

Weiter sagt er: „Wir haben mehr Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze, das hält junge Familien in der Region. Es gibt keinen Bürgermeister oder Landrat in der Region, der den Nationalpark ablehnt.“ Erika Mielke vom Landferienhaus Pension Erika, zertifizierte Nationalpark-Partnerin, bestätigt den Zugewinn: „Durch den Nationalpark kamen mehr Gäste, wir konnten unsere Pension ausbauen.“

BN-Vorsitzender Hubert Weiger sieht in dem Projekt „Dritter Nationalpark in Bayern“ einen riesigen Schritt für den Naturschutz nach vorne. Den kategorischen Ausschluss des Steigerwalds durch die Staatsregierung bezeichnete er als falsch und fachlich nicht zu begründen.

Die Waldexkursion ins Naturwaldreservat Waldhaus unter der Leitung des ehemaligen Forstamtsleiters Georg Sperber und der Abendvortrag zum Hohen Buchenen Wald von BN-Waldreferent Ralf Straußberger machten deutlich, dass der Steigerwald das Potential für ein Weltnaturerbe hat.

Der BN hat im mittlerweile aufgehobenen Schutzgebiet über 7600 Starkbäume, zumeist Buchen, punktgenau erfasst, um sie vor der Fällung zu bewahren. Der BN klagt bekanntlich gegen die Aufhebung des Schutzgebietes vor dem Bundesverwaltungsgericht. Unter den über 200 Unterstützern der Allianz „Faire Chance für den Steigerwald“ engagiert sich auch Wolfgang Heyder, langjähriger Manager von Brose Baskets Bamberg, für einen Nationalpark Steigerwald. Der Bamberger Kreisrat kritisierte bei der Podiumsdiskussion, dass ein Staatssekretär gegen den klaren Mehrheitswillen der Bevölkerung hier einen Nationalpark bislang verhindert.

Parteiübergreifend fordern die Kommunalpolitiker Max-Dieter Schneider (Kreisrat Bamberg und Ebrachs Bürgermeister, SPD), Dr. Liebhard Löffler (Kreisrat Bamberg, FDP) und Thomas Vizl (Stadtrat Gerolzhofen und Kreisrat Schweinfurt, Grüne, geo-net) einen fairen Umgang und eine faire Prüfung der Nationalparkoption für den Steigerwald.

Diesen Wunsch nach einer fairen Chance unterstützen auch Geschäftsinhaber, Handwerker, Gastwirte und lokale Unternehmen aus der holzverarbeitenden Branche, wie „silenta“, Bio Kindermöbel–Manufaktur aus Ebrach.

Inhaberin Heidrun Schindler-Schaller beklagt die irreführenden Aussagen des Forstbetriebs zur Holzwirtschaft. Es würden künstlich Ängste über die Holzversorgung geschürt und die Zahl der Sägewerke würde stark übertrieben. „Wir erwarten uns hier mehr Transparenz und Wahrheit von den Bayerischen Staatsforsten“, so Schindler-Schaller.

In der Diskussion wurden die Landräte im Steigerwald massiv kritisiert, weil sie durchsetzten, dass im Regionalen Dialogprozess die Nationalpark-Option entgegen bestehender Vereinbarungen nicht mehr diskutiert werden darf.

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