GRAFENRHEINFELD

Der Tod geht alle an

Sie stellten sich den Fragen von Christina Gold (links) zur Hospizarbeit bei den Maltesern. Von links: Norbert Wahler, MdL Kathi Petersen, Martina Mirus, Emma Ritter, Dekan Werner Kirchner, Birgit Kirby und Dr. Ulrike Schmier. Foto: Ursula Lux

„Ich träume davon, dass Hospizhelfer überflüssig werden.“ Die Diözesanoberin der Malteser, Martina Mirus, fand deutliche Worte: „Die Hospizbewegung ist als Defizitausgleich in einer Gesellschaft entstanden, die sich der Sterblichkeit nicht mehr stellen wollte.“ Im Hospiz seien nicht Spezialisten gefragt, sondern Menschen, betonte sie. Der Tod gehe schließlich alle an. Mirus weiß aber auch, dass dies wohl noch länger ein Traum bleiben wird. Und so stand die Wertschätzung ehrenamtlicher Hospizhelfer im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der Malteser Hospizarbeit.

Der Stadt- und Kreisbeauftrage der Malteser, Martin Mandewirth, hob den Wert des ehrenamtlichen Engagements hervor, „gerade heute, wo der Egoismus Vorfahrt hat.“ Die 55 aktiven Hospizhelfer würden bis zu 3800 Stunden Dienst jährlich leisten.

Start in 1993

Christina Gold moderierte eine Interviewrunde, in der das Thema Hospizarbeit aus unterschiedlichen Sichtweisen beleuchtet wurde. Martina Mirus blickte auf die Anfänge 1993 zurück. Damals habe man eine große Zahl von Schwesternhelferinnen gehabt, die offen waren für das Thema. Die Zeit für die Umsetzung der Ideen von Cicely Saunders, der Pionierin der Hospiz- und Palliativarbeit, sei eben reif gewesen.

Emma Ritter war eine dieser Schwesternhelferinnen von damals, die den ersten Hospizhelferkurs in Schweinfurt besuchte. Der Tod gehöre zum Leben, sagte sie. Ihre Hauptaufgabe sei es meist, einfach zuzuhören. Ritter plauderte aus der Praxis. „Einmal war ich bei einem Mann, der hat nach seiner schlimmen Situation nur noch geweint. Das einzige was ich tun konnte, war ihm Taschentücher zu geben.“

Keine Missionsarbeit

Norbert Wahler, Malteser-Hospizreferent und ebenfalls von Anfang an dabei, erzählte von den Startschwierigkeiten, dem „Fremdeln“ des Personals von Alten- und Pflegeheimen und Aufwand beim Koordinieren des Dienstes, der ehrenamtlich geleistet wurde. Obwohl die meisten Hospizhelfer auf christlichem Fundament stünden und ihre Erfahrungen nicht selten im Gebet vor Gott tragen, gehe es nie ums Missionieren, sagte Dekan Kirchner. Wichtig sei eine Begegnung von Herz zu Herz.

Dr. Ulrike Schmier, Ärztin in der Palliativstation in Schweinfurt, bestätigte die Erfahrungen Ritters. Manchmal sei es gut, wenn sich einfach einmal jemand ans Bett setzt. Seit Bestehen der Palliativstation sei der Hospizdienst vor Ort und man habe „einen gutem Weg des Miteinanders“ gefunden.

Politik ist gefordert

Die Landtagsabgeordnete Kathi Petersen machte klar, dass das, was hier ehrenamtlich geleistet wird, von keinem Staat finanziert werden könne. Dennoch sei auch die Politik gefordert. Sie müsse für die nötigen Rahmenbedingungen sorgen. So brauche man in der Region dringend ein Hospiz.

Birgit Kirby, Leiterin der sozialen Dienste im Kreisaltenheim Werneck, betonte den wertschätzenden Umgang mit den ehrenamtlichen Hospizhelfern. Man solle diese nur dann rufen, wenn ihr Dienst auch wirklich nötig sei. Sie plädierte dafür, auch die Angehörigen wieder mehr einzubeziehen.

Arbeit ist nicht mit Geld zu bezahlen

Staatssekretär Gerhard Eck sagte, dass die menschliche Stärke, die eingebracht werde, nicht mit Geld zu bezahlen sei. Wenn man Menschen frage, wie sie sterben wollen, dann sei die Antwort oft „zuhause und nicht allein“. All dies ermögliche der Hospizdienst, lobte die stellvertretende Landrätin Christine Bender. die Schweinfurter Bürgermeisterin Sorya Lippert wies auf die gute Vernetzung der Hospizarbeit mit anderen Hilfsdiensten vor Ort hin und die christlichen Wurzeln, auf denen der Einsatz der Malteser ruhe.

Mit einem festlichen Gottesdienst hatten Dekan Werner Kirchner und Diakon Georg Kirchner das Jubiläum eröffnet. Die Band „Himmelwärts“ sorgte für den nötigen Schwung.

Die Diözesanoberin der Malteser, Martina Mirus (links), überreichte Norbert Wahler den Verdienstorden Pro Merito Melitensi in Bronze für seine besonderen Verdienste um die Hospizarbeit bei den Maltesern. Foto: Ursula Lux

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