SCHWEINFURT

Der Touri-Toni, die aktuelle Wettervorhersage und die Suche nach Zimmern

Da müssen Sie hin: Tagblatt-Reporter Oliver Schikora berät in der Touristinformation 360° einen Touristen aus dem Erzgebirge, der für seinen Hund einen Tierarzt braucht. Foto: Vladimir Budin

Das Telefon klingelt in der Touristinformation 360°. Désirée Krauß hebt ab, hört kurz zu und sagt dann: „Ich gebe Sie mal weiter an unseren Herrn Schikora.“ Unser Herr Schikora zuckt zusammen. Keine fünf Stunden in der Touristinfo für Stadt und Landkreis Schweinfurt und schon ist man Teil des Teams. Was im übrigen für die Betreuung von Désirée Krauß, Bettina Beuerlein und Geschäftsleiter Christoph Schmitz spricht, die mich herzlich und offen empfangen und einen unglaublich vielfältigen Tag lang in ihre Arbeit Einblick nehmen lassen.

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Reporter in Betrieb

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Unser Herr Schikora nimmt den Telefonhörer ab. Am anderen Ende der Leitung ist eine Vermieterin einer Ferienwohnung in einer Landkreisgemeinde. Ich hatte bei ihr angerufen, da ich eine Anfrage einer Firma bearbeite, die für einen längeren Zeitraum während der Unterfrankenmesse ufra Ende September und Anfang Oktober noch zwei große Ferienwohnungen für ihre Mitarbeiter suchte, die auf der ufra arbeiten. Das erst im August anzufragen, ist ein klein wenig gewagt – ufra-Zeit bedeutet in Schweinfurt und Umgebung, dass nicht nur die Hotels, sondern auch die Pensionen und Ferienwohnungen sehr gut gebucht sind. Die Vermieterin muss absagen, sie sind schon voll. Ich muss weiter suchen und am Abend meine gesammelten Recherchen übergeben, da ich leider zunächst keinen Erfolg hatte.

Von Tassen über Wein bis zu Prospekten

Vor acht Jahren wurde die Touristinformation Schweinfurt 360° gegründet. Sie hat heute sieben Mitarbeiter, sechs Frauen und Chef Christoph Schmitz, der seit Anfang des Jahres die Geschäfte führt. Das helle, einladende Büro mit dem großen Counter und den vielen Regalen voll mit Broschüren, Flyern, aber auch Souvenirs wie Tassen und Pins, Frankenwein und Bier ist im alten Rathaus direkt an der Ecke Marktplatz/Brückenstraße.

Verantwortungsvolle Aufgabe: Jeden Morgen muss der Touri-Toni, das Erkennungszeichen der Touristinformation Schweinfurt 360°, vor die Tür am Rathaus gefahren werden. Foto: Vladimir Budin

Leicht zu erkennen, ob offen ist oder nicht, ist durch den Touri-Toni. Das bunte Schwein auf Rädern, 30 Kilo schwer, um 360° drehbar, mit riesigen weißem i macht schon von weitem auf die Touristinfo aufmerksam. Gestaltet hat es der Schwebheimer Künstler Mirek Bednarsky, es ist Teil der von Peter Galm ins Leben gerufenen Marketingkampagne „Schweinfurt hat Schwein“.

Eine Umarmung für den Toni

Eine der ersten Amtshandlungen am Morgen bevor geöffnet wird, ist es den Touri-Toni vor die Tür zu fahren, daneben einen der Liegestühle zu stellen, dazu einen kleinen Tisch und darauf Infomaterial. Touri-Toni ist übrigens der Renner – Touristen, wohlgemerkt nicht nur die amerikanischen, machen ständig Selfies mit ihm. Fast schon anrührend anzusehen war die innige Umarmung inklusive Bussi auf die Nase für das mannshohe Schwein durch einen asiatischen Jungen, dessen Eltern drinnen nach dem Weg zu einem Museum fragten.

Die Touristinformation ist für die touristische Vermarktung von Stadt und Landkreis Schweinfurt zuständig – im Zweckverband sind beide Gebietskörperschaften zu gleichen Teilen vertreten. Oberbürgermeister Sebastian Remelé und Landrat Florian Töpper arbeiten Hand in Hand. Das Konzept zeigt Erfolge, die man auch an guten Zahlen ablesen kann. Seit Jahren steigen zum Beispiel die Übernachtungszahlen in Stadt und Land – von 267 826 im Jahr 2007 auf heute 332 347. Während die Übernachtungen im Landkreis sich auf etwas über 100 000 eingependelt haben, sind sie in der Stadt um 70 000 gestiegen, was auch an neuen Hotelangeboten in dem Zeitraum liegt. Die Kundenfrequenz in der Touristinformation ist mit über 25 000 Gästen pro Jahr hoch.

Professionell und kundenorientiert

Gästen freundlich zuhören, ihre wenn auch noch so banalen Anliegen ernst nehmen und ihnen helfen, gehört zum kleinen Einmaleins des erfolgreichen Tourismus-Marketings. Die Schweinfurter Touristinfo ist in dieser Hinsicht ein echtes Vorbild, denkt man an Erfahrungen aus dem eigenen Urlaub in der einen oder anderen Touristinformation, die das nicht nötig zu haben scheint.

Das A und O sind durchdachte Prozesse und Abläufe. Jeden Morgen werden die Regale angeschaut – was muss nachgefüllt werden, welche Flyer können weg, weil die Veranstaltung vorbei ist? Geworben wird natürlich nur für Stadt und Landkreisgemeinden, das Angebot ist unglaublich vielfältig.

Die Bote kommt: Im Archiv wurden die benötigten Flyer und Broschüren geholt. Foto: Vladimir Budin

Wenn ein Gast eine Mail schreibt und um Infomaterial bittet, geht das ratz-fatz – ein Herr aus Bad Hersfeld schreibt, er mache auf seinem Weg entlang des Mainradwegs auch in Schweinfurt Station und hätte gerne Material. Also bekommt er sofort den Katalog „Entdeckungsreich“, den „Genuss-Orte“-Flyer und einen Stadtplan. Ab ins DIN-A4-Kuvert, ein freundliches, vorformuliertes Anschreiben ausgedruckt und noch eine E-Mail, dass die Sachen unterwegs sind. „Herzliche Grüße aus Schweinfurt Stadt und Land“ – so nimmt man Kunden ernst.

Vielfältige Herausforderungen

Tagsüber kommen gerade im Sommer viele Radler auf dem Mainradweg. Schweinfurt ist der ideale Etappenort, wenn man in Bamberg beginnt und flussabwärts fährt. Um kurz vor 18 Uhr stehen auf einmal sechs Personen im Raum, fragen nach Übernachtungen. Zum Glück gibt es das neue Online-Buchungssystem, in dem Désirée Krauß und Christoph Schmitz geschwind die Anfragen eingeben, während Bettina Beuerlein im Back-Office an der Präsentation der Touristinfo bei der ufra arbeitet. Allen Gästen kann geholfen werden, sie sind für den Abend versorgt.

Kataloge und Flyer in den Auslagen der Touristinformation Schweinfurt 360° werden täglich kontrolliert und bei Bedarf nachgefüllt, wie im Bild durch Désirée Krauß und Oliver Schikora Foto: Vladimir Budin

Flexibel muss man als Mitarbeiter sein, das lerne ich schnell. Ein Herr will wissen, wie das Wetter heute ist, wenn er weiter nach Volkach radelt. Er könnte auch gen Himmel schauen, aber wir schauen im Internet auf wetter.de: Sonnenschein, Regenrisiko null Prozent. „Das wollte ich hören“. Na also. Oder die amerikanische Touristin, die auf Englisch erklärt, dass sie „eye drops“ suche und wissen will, wie man das in der an die Touristinformation angrenzenden Apotheke auf Deutsch bestellen kann. „Augentropfen“. Wir schreiben's lieber auf.

E-Bikes werden in der Touristinformation Schweinfurt 360° mittlerweile auch an die Gäste vermietet. Foto: Vladimir Budin

Richtig gut fühle ich mich am Morgen. Ein älterer Herr aus dem Erzgebirge ist mit seiner Frau und dem Hund auf Wohnmobil-Reise durch Bayern. Der Hund hat etwas am Auge, ein Tierarztbesuch ist nötig. Also sucht Bettina Beuerlein im Internet die Adressen raus, ich zeige sie dem Herrn auf der Karte, Telefonnummern und Öffnungszeiten gibt's dazu. Hoffentlich ging's dem Wautzi bald wieder besser.

Positives Feedback der Gäste

Die Gäste, so die Erfahrung von Christoph Schmitz, sind „meist positiv überrascht, wie toll sich Schweinfurt entwickelt hat und welche Vielfalt es hier an Angeboten gibt.“ Zum Beispiel die Gästeführungen, bei denen das 360°-Team im vergangenen Jahr neue Führer suchte, professionelle Schulungen anbot und auch gleich neue Themenführungen entwickelte. 539 Gästeführungen gab es 2017, 9345 Gäste nahmen teil und erlebten von der Magd Minna über den Nachtwächter bis zum Biermichel Schweinfurt auf eine ganz neue Art und Weise. Auch unser Herr Schikora war da schon dabei.

Tagblatt-Serie: Reporter in Betrieb

Denken Sie nicht auch manchmal, wie schön es wäre, einfach mal einen freien Tag zu haben. Kein Problem: Mit unserer Serie „Reporter in Betrieb“ wollen wir Zeitungsleute über den Tellerrand schauen – nicht immer nur Stadtratssitzung und Jahreshauptversammlung, das Leben ruft. Wir wollen wissen, wie geht es in anderen Berufsfeldern tatsächlich zu? Sie haben einen interessanten Job, den Sie uns zutrauen, dann melden Sie sich. Schreiben Sie Ihren Vorschlag, wen wir wo ersetzen oder wo wir mitarbeiten sollen, an das Schweinfurter Tagblatt. Entweder per Post an Schweinfurter Tagblatt, z. Hd. Oliver Schikora, Schultesstraße 19a, 97 421 Schweinfurt, oder per Mail an redaktion.schweinfurt@mainpost.de Die Redakteure Josef Schäfer, Oliver Schikora, Irene Spiegel und Susanne Wiedemann wählen die Angebote aus und wir krempeln dann die Ärmel hoch. Wie es uns ergangen ist, lesen Sie nach den Arbeitseinsätzen in unseren Samstagsausgaben.

Rückblick

  1. Reporter in Betrieb: Glühweinausschank für Anfänger
  2. Mit dem Weihnachtsmann durch die Nacht
  3. Fränkische Landwirtschaft: Wo Mensch und Tier gemeinsam leben
  4. Mensa: Wo es günstig, schnell und trotzdem lecker sein soll
  5. Vesperkirche: Wo Gemeinschaft durch den Magen geht
  6. Auf Tour mit der mobilen Tierärztin
  7. Mit dem 20-Liter-Fass in den Gewölbekeller
  8. Nachschub für Heizöltank und Tankstellen
  9. Die Tafel. Oder: Essen wo es hingehört
  10. Hebammenalltag: Schmerzen, Flüche und ein lauter Schrei
  11. Ein Knochenjob
  12. Herr über sechs Millionen Liter Wasser
  13. Der Touri-Toni, die aktuelle Wettervorhersage und die Suche nach Zimmern
  14. Zwischen Friedhof und Elektroauto
  15. Zwischen Stall und Teller
  16. Brotzeit mit Herz
  17. Vom „Beckenbauer“ zur Doppelzunge
  18. Ein guter Whisky braucht Geduld, Erfahrung und Leidenschaft
  19. Adlerauge für den Datenhighway
  20. Mitarbeit bei der Weinlese: Zum Naschen keine Zeit
  21. Reporter in Betrieb: Anpacken in der Bücherei
  22. Wenn's die Pause richtig in sich hat
  23. Reporter in Betrieb: Jede Bohne erzählt ihre Geschichte
  24. Reporter in Betrieb: Abdrückschaufel und Felgenspanner
  25. Eine Schicht in der Großküche: Cordon Bleu am Fließband
  26. Zwischen Leben und Tod: Unterwegs mit Bestattern
  27. Im Kreislauf des Lebens: Ein Tag im Altenheim
  28. Serie „Reporter in Betrieb“: Die Arbeit mit der Kunst
  29. Naschen erlaubt: Einsatz auf dem Erdbeerfeld
  30. Ein Tag als Tierpflegerin: Frauen, die für Ziegen scharren
  31. Neue Serie: Reporter in Betrieb

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