SCHWEINFURT

Der Wald stirbt weiter

Blattverlust: „Wenn man unter dem Baum den Himmel sieht, dann stimmt etwas nicht“, sagt Hans Ulrich Swoboda vom Schweinfurter Forstamt. Im Sommer 2011 konnten die Gutachter bei drei von vier Bäumen im Stadtwald neben dem Grün viel Blau ausmachen.
Blattverlust: „Wenn man unter dem Baum den Himmel sieht, dann stimmt etwas nicht“, sagt Hans Ulrich Swoboda vom Schweinfurter Forstamt. Im Sommer 2011 konnten die Gutachter bei drei von vier Bäumen im Stadtwald neben dem Grün viel Blau ausmachen. Foto: Laszlo Ruppert

Im Amtsdeutsch gibt es das Waldsterben nicht mehr. Aus dem früheren Waldschadensbericht ist ein Waldbericht geworden. Hans-Ulrich Swoboda, Leiter des Städtischen Forstamts, sieht das Ergebnis der letzten Waldinventur aus dem Jahr 2011 kritisch und sagt: „Wenn zwanzig Prozent der bayerischen Eichen und Buchen gesund sind, dann heißt das eben auch, dass 80 Prozent krank sind.“

Bei der Untersuchung im vergangenen Jahr wurden im Auftrag der Staatlichen Forstverwaltung die Kronen von 8904 bayerischen Bäumen in Augenschein genommen und in vier Kategorien eingestuft: ohne Schäden, Warnstufe, geschädigt (26 bis 60 Prozent Blattverlust) und stark geschädigt. Laut Swoboda ist das bayernweite Ergebnis auf Schweinfurt, das zum Wuchsgebiet Fränkische Platte gehört, mit kleinen Einschränkungen zu übertragen. Zu berücksichtigen sei die überdurchschnittlich hohe Trockenheit am Main, die den Wald im Landesvergleich eher schlechter als besser dastehen lasse.

Gegenüber 2010 hat sich der Wald erholt, besser gesagt weiterhin erholt, denn der Wald hatte nach dem Trockenjahr 2003 einen Tiefpunkt erreicht. Über alle Baumarten hinweg galt damals nur noch jeder fünfte Baum als gesund. Nun sind es wieder fast 40 Prozent aller Bäume. Im Schweinfurter Stadtwald (knapp 2000 Hektar) mit dem hohen Bestand an Eichen und Buchen schätzt Swoboda den Anteil der ungeschädigten Bäume aber nur auf gut 20 Prozent. 1984 waren es fast noch doppelt so viele Bäume, die in einem vollen Blattkleid standen.

Hoffnungsvoll stimmt die Entwicklung der Fichte. Im Stadtwald, der sich auf die Bereiche rund um Zell, Weipolts- und Madenhausen konzentriert, ist der Fichtenbestand von einst 15 auf zwölf Prozent geschwunden. Allerdings ging das Forstamt noch in den 80-ern davon aus, dass die Fichte auf der trockenen Fränkischen Platte den Saueren Regen überhaupt nicht überleben wird. Reduktion der Luftschadstoffe und die Anpassungsfähigkeit der Fichte werden jetzt für die positive Entwicklung verantwortlich gemacht. Und so hat auch das Schweinfurter Forstamt seine Planung umgeschrieben und der Fichte wieder Platz eingeräumt, zumindest auf den feuchten Standorten. Als noch anpassungsfähiger hat sich die Tanne erwiesen. Sie, die vor drei Jahrzehnten besonders unter dem Schwefel in der Luft zu leiden hatte, gilt heute als vital und stabil, ist neben der Eiche der Baum für schwierige Standorte.

Swoboda sieht so einen alten Grundsatz in der Forstwirtschaft bestätigt, wonach nur ein gemischter Wald ein stabiler Forst ist. „Den Baum für alle Fälle“, Swoboda weiter, „gibt es nicht“. Auch sei so der Stadtwald für Tücken, die durch den Klimawandel drohten, gut aufgestellt. In den städtischen Waldungen stehen: 31 Prozent Eiche, 23 Prozent Buche, neun Prozent Ahorn, zwei Prozent Esche sowie ein Prozent Hainbuche und Edellaub wie Kirsche, Elsbeere oder Speierling.

Aus der Erfahrung und anhand der neuesten Statistik für Bayern schätzt Swoboda, dass im Stadtwald fast jede zweite Fichte gesund ist. Schlechter sieht es bei der Kiefer aus, die zu zwei Drittel geschädigt sei. Bei Buche und Eiche liegen die starken Schäden, also ein Blattverlust von über 60 Prozent, bei etwa der Hälfte.

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