REGION GEROLZHOFEN

Der lange Weg vom Feld in die Zuckerdose

Es läuft: Die Zuckerrübenernte 2012 in der Region Gerolzhofen ist bereits zu 85 Prozent erledigt. Darüber freuen sich Roland Kukoll (links), Geschäftsführer beim Maschinenring Gerolzhofen, und Gottfried Fick, Fahrer eines Zuckerrüben-Roders auf einem Feld bei Alitzheim.
Es läuft: Die Zuckerrübenernte 2012 in der Region Gerolzhofen ist bereits zu 85 Prozent erledigt. Darüber freuen sich Roland Kukoll (links), Geschäftsführer beim Maschinenring Gerolzhofen, und Gottfried Fick, Fahrer eines Zuckerrüben-Roders auf einem Feld bei Alitzheim. Foto: Norbert Finster

Passt das Wetter? Hoffentlich wird es nicht zu nass, um mit schwerem Gerät aufs Feld zu fahren? Und hoffentlich begünstigt nicht zu trockener Boden den Wurzelbruch bei der Rodung? Die Zuckerrübenkampagne bringt sowohl für die Landwirte als auch für die Leute vom Maschinenring Gerolzhofen jedes Jahr viele Unsicherheitsfaktoren und einen immensen logistischen Aufwand mit sich.

Heuer ist allerdings zumindest bis Ende Oktober alles ziemlich günstig verlaufen bei der Ernte des weißen Goldes auf den Feldern der Region. Das sagt Roland Kukoll, Geschäftsführer des Maschinenrings Gerolzhofen. Zu Beginn der Kampagne Mitte September kam der nötige Regen, um den viel zu trockenen Boden zu durchfeuchten. Angang November herrschte dann wegen zu viel Nässe auf den Feldern allerdings Stillstand. Das ist aber normal. Immerhin dauert die Kampagne noch bis Ende Dezember und 85 Prozent der Rüben sind bereits aus dem Boden, schätzt Kukoll.

22 Lkw und 200 Fahrer

350 000 Tonnen werden in der Kampagne 2012 mithilfe des Maschinenrings und der Genossenschaft Landwirtschaftliche Maschinengemeinschaft für Zuckerrübenbauer Zeil-Ost (LMZ) zur Weiterverwertung transportiert, 30 000 davon aus dem oberfränkischen Raum zur Zuckerfabrik nach Zeitz in Sachsen-Anhalt, der weitaus größere Anteil nach Ochsenfurt. Die LMZ stellt den Landwirten dafür 22 Lkw zur Verfügung. Die rund 200 Fahrer vermitteln die Maschinenringe Gerolzhofen und Haßgau. Bei den Fahrern handelt es sich um Landwirte oder in der Landwirtschaft Beschäftigte, die das als Zusatzjob machen.

Die LMZ Zeil-Ost ging aus der Ladegemeinschaft Gerolzhofen-Haßgau GbR hervor, die bereits 1992 gegründet wurde, um die Verladung der Zuckerrüben mithilfe eines selbstfahrenden Zuckerrübenladegerätes (Lademaus) gemeinschaftlich im Gebiet der Maschinenringe Haßgau und Gerolzhofen abzuwickeln. Die beiden Lademäuse fahren heute viel weitere Schleifen über Dimbach, Schweinfurt, Hofheim, Coburg, Hof, Bayreuth, Nürnberg, Wiesentheid, Dimbach, berichtet Michael Mikus, Mitarbeiter beim Maschinenring.

Bevor jedoch die Rüben auf die Lkw geladen werden, tritt die 1989 gegründete Rodegemeinschaft auf den Plan. Der Einsatzbereich der zwei sechsreihigen Zuckerrübenroder erstreckt sich allerdings nur auf das Gebiet des Maschinenrings Gerolzhofen, sprich auf den Altlandkreis. Diese Gemeinschaft hat 850 Mitglieder, Tendenz wieder steigend.

68 Tonnen aus Gerolzhofen

Von der Qualität her war die Ernte im Gerolzhöfer Raum durchschnittlich, verglichen mit dem sonst immer besser liegenden Ochsenfurter Gau oder anderen Anbau-Schwerpunkten sogar relativ gut. So lag der Ertrag in den Haßbergen heuer nur bei 63 Tonnen pro Hektar, im Raum Gerolzhofen aber bei 68 Tonnen. Nicht erreicht wurde allerdings in beiden Fällen die Ertragserwartung von 71 Tonnen. Auch der Zuckergehalt ist im Gerolzhöfer Land höher als anderswo und liegt bei 19 bis 19,1 Prozent.

Was aber geschieht mit den restlichen gut 80 Prozent einer Rübe? Sie werden zu Trockenschnitzel und Melasse verarbeitet, beides gute Futtermittel. „Eine Zuckerrübe kann man zu 100 Prozent nutzen“, sagt Kukoll. Auch die Herstellung des Zuckers in Ochsenfurt verläuft auf ganz natürlichem Weg. Mit Kalk werden die Nicht-Zuckerstoffe aus der Rübe gebunden, übrig bleibt der Zucker. Auch der Kalk mit den gebundenen Rübenanteilen lässt sich gut nutzen und wird als Carbo-Kalk verkauft, der als Düngemittel dient. Das sind die weiß-gelblichen Haufen, die man auf den Feldern liegen sieht. Der Kalk braucht Schutz vor Frost und sollte deshalb abgedeckt werden, empfiehlt der Maschinenring.

EU-Zucker bleibt in der EU

Trotz dieser optimalen Nutzung ist der Anbau der Zuckerrübe nicht mehr so lukrativ wie früher. Nach der Regulierung des Zuckermarkts darf Zucker aus der EU nicht über die Grenzen der EU hinaus exportiert werden. „Das sorgt ein Stück weit dafür, dass in Südamerika noch mehr Tropenwald abgeholzt wird, um mehr Fläche für den Rohrzuckeranbau zu bekommen“, erklärt Kukoll globale Zusammenhänge. In Europa dagegen sei es unmöglich, Anbauflächen in großem Stil zu erweitern.

Nun wird es langsam ruhig auf den Rübenfeldern. Den Bauern bleibt nur noch, die draußen liegenden Zuckerrübenmieten bis Anfang Dezember, bei angekündigtem Frost schon früher, frostsicher mit Planen abzudecken. Wer Frostschäden in seinen Rüben hat, riskiert den Zuschuss für die Mietenpflege.

Im Grunde dreht sich beim Maschinenring das ganze Jahr um die Rübe. Jetzt wird die zu Ende gehende Kampagne abgerechnet und dann werden schon wieder Routenpläne für die Lademäuse im nächsten Jahr gemacht. Dazu müssen die Leute vom Maschinenring erst einmal wissen, wer wo und wieviel Zuckerrüben anbaut. Nach der Kampagne ist vor der Kampagne.

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