Gerolzhofen

Die Äcker lechzen nach Wasser

Der jüngste Regen war für die Landwirtschaft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es fehlt vielerorts an Wasser. Und jetzt steht schon die nächste Hitzewelle bevor.
Die Zuckerrüben "schlafen": Weil der Regen ausbleibt, liegen die Blätter in brütender Hitze schlaff am Boden. Die Aufnahme entstand am Bischwinder Weg im Osten Gerolzhofens.  Foto: Klaus Vogt

"Die Hitze hat dem Getreide geschadet. Es wird weh tun in Sachen Ertrag", sagt Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt zur aktuellen Situation. Warum Landwirte besonders beim Weizen Ertragseinbußen verschmerzen werden müssen: Durch die hohen Temperaturen ging auf den Äckern alles viel zu schnell. Auf vielen Weizenfeldern sind die Körner deshalb nicht so gut ausgebildet wie in "normalen" Jahren. 

Drei Komponenten gehören dazu, soll es eine gute Getreideernte werden: Wie viele Pflanzen sind aufgegangen? Wie viele Körner sind in der Ähre angelegt? Und drittens: Wie sind die Körner ausgebildet? Letzteres wird dargestellt im sogenannten Tausendkorngewicht. Nachdem in den vergangenen Wochen nicht nur das Wasser fehlte, sondern die Pflanzen auch mit extremer Hitze zu kämpfen hatten und besonders das Getreide auf schwächeren Standorten stark gelitten hat, werde sich dies auch im Tausendkorngewicht niederschlagen, sagt Hofmann.

Staubwüste: Die Trockenheit und Wärme hat auf den Äckern ihre Spuren hinterlassen. Im Boden ist kaum noch Feuchte.  Foto: Alois Wohlfahrt

Notreife wegen Hitze

Die vergangene Hitzeperiode Ende Juni mit fast 40 Grad hat dazu geführt, dass es zu einer verfrühten Reife beim Winterweizen kam. Auf manchen Beständen ist dies nichts anderes als eine Notreife, weil eben alles viel zu schnell ging, so Heinz-Dieter Hofmann. Es werde sich wohl zeigen, dass die Erträge, auch in diesem Jahr wieder, je nach Güte des Bodens, weit auseinander liegen: zwischen 40 und 80 Dezitonnen pro Hektar. Es fehlt einfach das nötige Wasser. Im extremen Trockenjahr 2018 fielen vielerorts bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter weniger als im langjährigen Durchschnitt. Der Winter 2018/19 war dann auch viel zu trocken. Den Regen, der dann etwa im Mai kam, haben die Pflanzen gleich weggesaugt. Ein Wasservorrat in tieferen Schichten stand so für das Getreide nicht zur Verfügung, als es in Sachen Temperatur richtig zur Sache ging.

Situation beim Raps

Von Beginn an wieder mit Kummer behaftet: der Raps. Mancher Landwirt verzichtete im vergangenen Herbst angesichts der Trockenheit gleich ganz darauf, Raps anzubauen. Manche haben dann doch gesät, mussten ihn dann wieder umbrechen, nachdem er sehr schlecht aufgegangen war. Dementsprechend hat sich die Anbaufläche von Raps im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. Und auch hier wird die Ernte eine große Spannbreite beim Ertrag zeigen, so Hofmann. Allerdings haben die Niederschläge im Mai beim Raps noch einiges "reparieren" können.

Je nach Standort müssen Landwirte aufgrund ausbleibender Niederschläge mit teils deutlichen Ernteeinbussen beim Getreide rechnen. Foto: Alois Wohlfahrt

Dringend auf Wasser warten auch Zuckerrüben und Mais, berichtet der Experte vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt weiter. Auf schlechteren Standorten haben die Rüben bereits begonnen zu "schlafen": am Nachmittag liegen die Blätter bei Hitze schlaff auf dem Boden. Aber sie können sich noch erholen, falls Niederschläge kommen, denn "sie machen ihren Hauptertrag erst im August", sagt Heinz-Dieter Hofmann.

Ernste Lage beim Mais

Anders sieht es beim Mais aus. Der braucht dringend Wasser. Jetzt. Derzeit beginnen die Pflanzen, die "Fahnen" zu schieben. Falls diese durch Trockenheit stecken blieben, käme es auch nicht zur Körnerbildung in den Kolben. Denn die Pollen der "Fahnen" fallen auf die Fäden an den Kolben und befruchten den Kolben. Auch jetzt sei schon zu sehen, dass auf schwächeren Böden der Mais Schaden genommen hat, so Hofmann.

Erneut ein Trockenjahr - überlegen da Landwirte, auch auf andere Pflanzen umzusteigen, die mit Trockenheit besser zurecht kommen? Die Züchtungen beim Getreide laufen in diese Richtung. Auch hat in diesem Jahr eine Frucht auf den Feldern zugenommen, die vor Jahren nur sehr wenig in der Region angebaut wurde: Sojabohnen Mehr als verdoppelt hat sich im Landkreis Schweinfurt die Fläche: von 111 Hektar auf rund 300 Hektar.

Ein Grund dafür: Die neuen Sorten werden früher reif - nicht mehr erst im Oktober - und bieten den landwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit, eigenes Eiweißfutter zu erzeugen. Aber: Auch diese Pflanzen wachsen nur dort gut, wo auch der Körnermais gut wächst. Soll heißen: Auch sie brauchen Wasser. Jetzt.

Schlagworte

  • Gerolzhofen
  • Alois Wohlfahrt
  • Getreide
  • Landwirtschaft
  • Landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen
  • Niederschlag
  • Pflanzen und Pflanzenwelt
  • Raps
  • Weizen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!