GEROLZHOFEN

Die Auseinandersetzung mit dem Glauben

Ein Großteil des Ensembles für die Aufführung von „Du musst dran glauben“ traf sich am Samstag mit Bischof Friedhelm Hofmann. Das Diözesanoberhaupt lobte den Mut sich mit dem Thema von Reformation und Gegenreformation in einer groß angelegten Inszenierung auseinandersetzen. Foto: Norbert Finster

Fürstbischof Julius Echter war zwar oft in Gerolzhofen, doch er mied den Kontakt mit der Bevölkerung. 400 Jahre später ist es bei seinem Nachfolger Friedhelm Hofmann genau umgekehrt. Besuche in der Steigerwaldstadt sind selten, doch das Diözesanoberhaupt suchte am Samstag in seiner herzlichen, humorvollen Art das Gespräch mit den Menschen.

Emilia trägt den Bischofskoffer

Das begann schon bei der Ankunft. Bei der Begrüßung der Ministranten drückte der Bischof der kleinen Emilia seinen Koffer mit seinem Messgewand in die Hände mit dem Auftrag, ihn in die Sakristei zu bringen. Schwer sei er gewesen, der Koffer, sagte Emilia hinterher. Aber sie habe ihn gern getragen.

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Bischofsbesuch

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Der Bischof war zum Auftakt der Theaterwochen unter dem Thema „Du musst dran glauben“ nach Gerolzhofen gekommen. Beim Pontifikalgottesdienst im nicht ganz gefüllten Steigerwalddom war denn auch gut die Hälfte des Ensembles dabei, alle gehüllt in die Renaissance-Gewänder, in denen sie ab dem kommenden Mittwoch auftreten.

Erst einmal brachten die Gottesdienstbesucher dem Bischof das Geburtstagsständchen „Viel Glück und viel Segen“ dar, das er mit Humor quittierte: „Sie könnten den Domchor in Würzburg ersetzen.“ Hofmann war erst vor wenigen Tagen 75 Jahre alt geworden.

Licht und Schatten bei Echter

Dann wurde es ernst: Julius Echter habe versucht, die katholische Kirche innerlich und äußerlich zu erneuern, sagte der Bischof eingangs. Hier habe es Licht und Schatten gegeben. Auf beides gelte es gleichermaßen zu schauen. Dabei sei die ökumenische Perspektive unverzichtbar. Die Trennung der Kirche widerspreche dem Auftrag Jesu, eins zu sein. Für das beeindruckende Theaterprojekt in Gerolzhofen müsse man allen Mitwirkenden dankbar sein. Denn das Stück rege die Menschen an, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen.

„Der Wunsch, gefragt zu sein, gehört zu jedem. Niemand möchte gerne aufs Abstellgleis“, leitete der Bischof seine Predigt ein. Die Theaterleute in Gerolzhofen würden in diesen Tagen diese Erfahrung machen. Ganz unterschiedliche Menschen, die sonst vielleicht gar nicht miteinander gesprochen hätten, seien hier zusammengekommen, um sich herauszufordern.

Kurzformel des Glaubens

Beim Empfang der Stadt in der Johanniskapelle trägt sich Bischof Friedhelm Hofmann ins Goldene Buch der Stadt ein. Ihm f... Foto: Norbert Finster

Das Problem der heutigen Zeit sei aber, dass der Mensch immer über seine Leistung definiert werde. Dabei verschwinde ganz langsam das Jesus-Wort: „Ihr aber seht mich, weil ich lebe.“ Dass Jesus unter den Menschen sei bis zum Ende der Zeit, sei die Kurzformel des Glaubens. Das hätten sowohl Julius Echter als auch Martin Luther in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt.

In der Zeit, in der das Stück spielt, war Glaube eine öffentliche Größe. Heute gleite er eher in die Privatsphäre ab. „Das Thema ist nicht gerade schick für jedermann“, lobte Hofmann den Mut, sich in einer so großen Inszenierung damit auseinanderzusetzen und die Zuschauer damit zu konfrontieren.

Die Fürbitten trugen Ensemblemitglieder vor, unter ihnen der evangelische Pfarrer Reiner Apel. Dabei wurde ausdrücklich auch der Menschen gedacht, die in der Zeit Julius Echters unschuldig ums Leben gekommen sind.

Den Gottesdienst gestalteten die Chorgemeinschaft Gerolzhofen-Lülsfeld und ein Bläserensemble unter Leitung von Kantor Karl-Heinz Sauer mit. Im Mittelpunkt stand Musik aus der Renaissance.

Empfang der Stadt

Nach dem Gottesdienst hatte die Stadt zu einem Empfang im Gotik-Museum in der Johanniskapelle geladen. Dabei sagte Bürgermeister Thorsten Wozniak, der 500. Jahrestag der Reformation und der 400.Todestag von Fürstbischof Julius Echter prägen in diesem Jahr das kirchliche und kulturelle Leben der Stadt. Das Stadtoberhaupt geht davon, dass bei den Aufführungen des Kleinen Stadttheaters das anspruchsvolle Thema von Reformation und Gegenreformation am Ende rund 4000 Besucher in seinen Bann gezogen haben wird.

Auch über das Theater hinaus finden Reformation und Gegenreformation ihren Niederschlag in Stadtführungen, Konzerten, Vorträgen, Ausstellungen und vielem mehr, ein kulturelles Programm, das seinesgleichen suche.

Bemerkenswert fand es der Bürgermeister, dass bei dem Theaterprojekt viele Akteure zusammenarbeiten: Ehrenamtliche, Künstler, Kirchen und Stadt. „Der christliche Glaube führt die Menschen zusammen.“

Dem Bischof, der auf das Ende seiner Amtszeit zusteuert, dankte Wozniak, dass er seit 2004 immer ein greifbarer Bischof für die Menschen gewesen sei.

Fast zerstörtes Vertrauen weder aufbauen

„Wir können schlecht die Trennung feiern“, sagte Friedhelm Hofmann. Es gelte vielmehr, zu den gemachten Fehlern zu stehen und aus ihnen zu lernen. Die Hoffnung des Bischofs ist es, dass „wir das fast zerstörte Vertrauen wieder aufbauen können.“ Kunst und Kultur könnten dabei helfen, so der Kunstfreund Hofmann. Und an die Adresse von Regisseurin Silvia Kirchhof und der Schauspieler: „Ihre schlaflosen Nächte sind gut angelegt.“

Anschließen trugen sich zur Erinnerung an den Empfang der Bischof, die beiden Pfarrer Stefan Mai und Reiner Apel sowie Silvia Kirchhof und Museumsleiter Klaus Vogt ins Goldene Buch der Stadt ein.

 

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