HANDTHAL

Die Bäume der Erkenntnis im Wald

Die Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern an dem internationalen Workshop über Marteloskope im Steigerwald-Zentrum in Handthal stellten sich im Marteloskop Steinkreuz des Forstbetriebs Ebrach zum Gruppenbild.
Die Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern an dem internationalen Workshop über Marteloskope im Steigerwald-Zentrum in Handthal stellten sich im Marteloskop Steinkreuz des Forstbetriebs Ebrach zum Gruppenbild. Foto: Klaus Striepen

Bei so viel Internationalität hielt es auch der Vater und Entwickler aller Marteloskope, der Franzose Max Bruciamacchie, für seine Pflicht, dem internationalen Workshop über Marteloskope im Steigerwald-Zentrum mit seiner persönlichen Anwesenheit zu beehren. Hierzu fanden sich auf Einladung des Europäischen Forstinstituts (EFI) in Bonn und des Forstbetriebs Ebrach der Bayerischen Staatsforsten 45 Experten aus zehn europäischen Ländern im Steigerwald ein. Es handelte sich vorwiegend um Förster und Forstwissenschaftler.

Die Selektion im Wald

Die Selektion im Wald will gelernt und geübt sein. Wann überwiegt der wirtschaftliche Nutzwert des Baumes, wann sein Wert als Biotopbaum für Natur und Artenvielfalt? Im Marteloskop wird das trainiert. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort „marteler“ (anzeichnen) und von der griechischen Endung "-skopein" (anschauen) ab.

Der als Marteloskop bezeichnete Demonstrations- und Simulationswald ist etwa einen Hektar groß. Auf dieser Fläche kann im Rahmen der Aus- und Weiterbildung unter Zuhilfenahme einer speziellen Auswertungssoftware die Bewirtschaftung in ökonomischer wie ökologischer Hinsicht eingeübt werden. Mithin handelt es sich bei der Trainingsfläche um ein innovatives waldbauliches Lerninstrument für Forstleute, Waldbesitzer und Studenten, aber auch für Naturschützer. An den nummerierten Bäumen reift die Erkenntnis.

Konkret geht es darum, wie integrativer Naturschutz und das Wirtschaften, sprich die Holznutzung, im Wald miteinander verbunden werden, so Georg Winkel (EFI).

Ebrach von Anfang an dabei

Von Anfang an als Beispielbetrieb für naturschutzintegrative Waldbewirtschaftung mit dabei war in Sachen Marteloskop der Forstbetrieb Ebrach. Das erste von EFI eingerichtete Marteloskop überhaupt liegt in der Abteilung Steinkreuz in der Nähe des Steinernen Kreuzes im Revier Oberschwarzach. Ein zweites Werkzeug dieser Art wurde unweit des früheren Waldparkplatzes am Fuße des Stollbergs angelegt.

Das European Forest Institute hatte mit seiner deutschen Sektion vor mehreren Jahren mit den europaweiten Projekten „Integrate“ und „Integrate-Plus“ vor dem Hintergrund von Klimawandel und Klimaschutz die Diskussion über mehr Naturschutz in den Wäldern bereichert. An deren Stelle ist inzwischen das ebenfalls über das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanzierte Nachfolgeprojekt „INFORMAR“ getreten („Integrated Forest Management Learning Architecture“).

Rücksichtnahme auf Biotopbäume

Ebrachs Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner hatte in seiner Begrüßung die Bedeutung des Marteloskops für die Rücksichtnahme auf Biotopbäume bei der Waldbewirtschaftung angesprochen. „Wir wollen die menschlichen Bedürfnisse mit dem Schutz der Biodiversität kombinieren“, sagte Mergner.

Tomáš Krejzar vom tschechischen Forstministerium und Vorsitzender des Integrate Policy Networks betonte: „Das Integrate Policy Network fördert die Vereinbarkeit von Waldbewirtschaftung und integrativem Naturschutz auf der Ebene der Entscheidungsträger, der Forstpraktiker und der Wissenschaft. Wir nutzen Marteloskope bei unseren Treffen, um potenzielle Zielkonflikte aufzuzeigen und darüber Erfahrungen auszutauschen.“

Beitrag zum gegenseitigen Verständnis

Thomas Haußmann vom deutschen Bundeslandwirtschaftsministerium betonte wiederum: „Marteloskope bieten uns eine ideale Plattform, Zielkonflikte von verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und so ein besseres Verständnis für forst- und naturschutzfachliche Belange zu erzeugen.“

Mit dem Marteloskop habe man eine Brücke gefunden, wo beide Seiten, die sich sonst unversöhnlich gegenüberstehen, Kompromisse finden können, so Haußmann. Deshalb seien Austausch und Netzwerken so wichtig. Haußmann lobte bei dieser Gelegenheit zugleich die neutrale Arbeit des Europäischen Forstinstituts.

Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern

Die Teilnehmer aus Ungarn, Tschechien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Luxemburg, Belgien, Italien, Finnland und Russland bekamen im Steigerwald drei Tage lang die Möglichkeit, sich über den Einsatz von Marteloskopen in Sachen Waldumbau, Biodiversität und Naturgefahren auszutauschen und über ihre jeweiligen Aktivitäten zu berichten.

Darüber hinaus wurde im Steigerwald-Zentrum gemeinsam die Trainings- und Analysesoftware des Europäischen Forstinstitutes weiterentwickelt, um neue Einsatzmöglichkeiten für Marteloskope zu erschließen.

Mit dabei war auch Daniel Kraus, der als ehemaliger Mitarbeiter des Europäischen Forstinstituts und Mitentwickler von „Integrate“ und „Integrate-Plus“ die beiden Marteloskope im Staatsforst bei Handthal mit eingerichtet hat.

Exkursionen im Steigerwald

Neben Vorträgen über die Erfahrungen in den einzelnen Ländern fanden verschiedene Exkursionen in die Wälder des Forstbetriebs Ebrach statt. So natürlich in das Marteloskop Steinkreuz, in eine der weltweit ältesten forstlichen Versuchsflächen bei Fabrikschleichach, in die Buchen-Vorzeigeabteilung Kleinengelein, zum großen Knetzberg und auf den Zabelstein.

Vom Ambiente begeistert

Die Teilnehmer waren insbesondere vom Ambiente des in die Landschaft und den Wald eingebetteten Steigerwald-Zentrums und seiner Umgebung beeindruckt. Der Höhepunkt war der Blick bei der abendlichen Einkehr auf die Landschaft zu Füßen von Stollberg und Stollburg.

Andreas Schuck, ebenfalls vom Europäischen Forstinstitut gefällt vor allem de Offenheit, die der Forstbetrieb bei dem Workshop einmal mehr an den Tag legte und überhaupt wie der internationale wie kollegiale Austausch von den Ebrachern mit Herzblut und Geist gepflegt werde.

Das Resümee

Als Ergebnis zogen die Veranstalter folgendes Resümee:

• Es besteht ein großes Interesse und ein großer Bedarf an Marteloskopen zur Aus- und Weiterbildung mit den verschiedenen Zielsetzungen wie Waldbau, Biodiversität, Naturschutz, Naturgefahren, Klimarisiken sowie Öffentlichkeitsarbeit.

• Der fachliche Austausch über Grenzen hinweg wird durch gemeinsame Marteloskop-Übungen gefördert.

• Im Hinblick auf die sich verändernden Klima- und Umweltbedingungen wird der Blick auf die zukünftige Waldentwicklung immer wichtiger.

Zwei sogenannte Marteloskope mit nummerierten Übungsbäumen bei Handthal dienen dem Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten als Trainingsgelände für die Einteilung in Nutz- und Biotopbäume.
Zwei sogenannte Marteloskope mit nummerierten Übungsbäumen bei Handthal dienen dem Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten als Trainingsgelände für die Einteilung in Nutz- und Biotopbäume. Foto: Vollmann

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