SCHWEINFURT/GELDERSHEIM

Die Ehe für alle kommt: Weil nur die Liebe zählt

Es ist ein historischer Tag. In seiner Entscheidung am Freitag hat der Bundestag „Ja“ zur Ehe für alle gesagt. Bei 623 abgegebenen Stimmen sprach sich die Mehrheit von 393 Abgeordneten für die völlige Gleichstellung der homosexuellen Paare aus. Während der Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Schweinfurt, Klaus Ernst (Die Linke), mit „Ja“ stimmte, gab die Schwebheimerin Anja Weisgerber (CSU) – wie übrigens auch Kanzlerin Angela Merkel – ihr Nein-Votum ab.

Vorstoß war überfällig

Für den Schweinfurter Modeblogger Maximilian Seitz ist es ein „freudiger“ Tag, auf den er lange hingefiebert hat. „Es war längst überfällig, dank des Vorstoßes der SPD ging es jetzt aber doch überraschend schnell“, so Seitz. Zwar sei die Stellung der Homosexuellen durch die eingetragene Lebenspartnerschaft (seit 2001) gestärkt worden, trotzdem sei es nicht das Gleiche. „Liebe ist doch Liebe, egal ob zwischen Mann und Frau, zwischen zwei Frauen oder zwei Männern. Das sollte die gleiche Anerkennung bekommen“, so der 20-jährige Modeblogger.

Seitz wusste schon mit 15 Jahren, dass er sich zum männlichen Geschlecht hingezogen fühlt. „Zum Glück hat meine Familie das gut aufgefasst und mich unterstützt. Ich kenne auch ganz andere Lebensläufe“, sagt er. Den Begriff des „Outings“ hält er für überaltert. „Er suggeriert ja, dass es etwas Besonderes ist, homosexuell zu sein. Es ist aber ganz normal. Das sollte die Gesellschaft auch endlich akzeptieren.“

Genauso sieht es Sängerin Steffi List aus Geldersheim. „Auch Bisexuelle, Transgender und Transsexuelle sind normale Menschen wie du und ich, die nur ihren Neigungen nachgehen, und das soll und muss von der Gesellschaft akzeptiert werden.“ Es sei höchste Zeit gewesen für die Ehe für alle. „Wir mussten lange Zeit darum kämpfen, und ich bin sehr froh und erleichtert, dass jetzt auch im Bundestag mehr Toleranz und Vernunft einkehrt.“

Ehe von Mann und Frau unter besonderem Schutz

Da dürfte es ihr doch einen kleinen Stich geben, was die Schwebheimer Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) auf ihrer Homepage zum Thema geschrieben hat. „Die Ehe von Mann und Frau steht unter dem besonderen Schutz des Staates. Grund hierfür ist, dass aus einer Ehe zwischen Mann und Frau Kinder hervorgehen können“, begründete sie ihre Entscheidung beim Votum mit Nein zu stimmen. Jegliche Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren lehne sie ab, aber eine Gleichstellung in der Sache werde durch die Bezeichnung „Ehe“ nicht erreicht.

Für List ist es trotzdem ein weitreichender Schritt, „denn schon als Kind wusste ich, dass das Richtige für mich die Liebe zu einer Frau ist“. Allerdings sei der Umgang damit in einer ländlichen Umgebung oftmals nicht einfach gewesen. Seit 16 Jahren lebt sie nun ihre homosexuelle Beziehung offen aus und konnte damit, wie sie sagt, vielen zeigen, „dass daran nichts Negatives oder Abstoßendes ist“. Leben und leben lassen, zeichne für sie einen guten Menschen aus. „Dazu sind Achtsamkeit und Toleranz für mich grundlegend.“

Im Januar 2017 verpartnerte sich die 41-Jährige offiziell mit ihrer Freundin. „Für uns war das wichtig, da nun jeder von uns in gewissen Sachen abgesichert ist.“ Zum Beispiel im Falle eines Unfalls oder wenn es darum geht, die Partnerin auf der Intensivstation besuchen zu dürfen. „Aber natürlich spielt auch die Liebe und der Bund fürs Leben eine Rolle. Das schweißt zusammen.“ Vielleicht noch mehr, wenn man nun endlich ganz offiziell und rechtlich korrekt von Heirat und Ehe reden darf.

Modeblogger Maximilian Seitz. Foto: Helmut Schulze

Adoption ist möglich

Ein großer Unterschied der bisherigen Verpartnerung zum neuen Gesetz ist, dass nun auch homosexuelle Paare gemeinsam ein Kind adoptieren dürfen. „Das finde ich immens wichtig“, sagt Modeblogger Seitz. Zwar könne er sich momentan noch nicht vorstellen Vater zu sein, aber bestimmt in ein paar Jahren.“ Endlich komme man davon weg, dass die Erziehung durch zwei Väter oder zwei Mütter sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken könnte, zeigt er sich erleichtert. Auch für Steffi List käme die Adoption eines Kindes in Frage, aber: „Es gibt ja selbst bei heterosexuellen Paaren so viele Hürden, wie stehen da die Chancen bei einem Homo-Paar?“

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