SCHWEINFURT

Die Freiheit des Fliegens und der Schwerelosigkeit

Fidget Feet_16 © Jym Daly       -  Lufttänzerei: In einer Spirale schwebt der Tänzer über die Bühne.
Lufttänzerei: In einer Spirale schwebt der Tänzer über die Bühne. Foto: Jym Daly

Mit einem dröhnenden Weltuntergangs-Szenario beginnt die Performance „The Second Coming“ der irischen Truppe „Fidget Feet“(Zuckende Füße), die das Publikum an zwei Abenden im Theater mit Beifallsstürmen honorierte. Nicht überraschend für die Künstler aus Irland, die in den vergangenen Jahren in fünf Kontinenten für Aufsehen sorgten.

Eine Show aus Tanz, Musik, Poesie, Akrobatik, zeitgenössischem Zirkus und Multimedia. „Aerial Dance Theatre“ trägt das Ensemble im Untertitel: Zeitweise haben die Tänzer die Schwerkraft überwunden, fliegen an speziellen Haltevorrichtungen durch die Luft, um dort ihre Variationen zum Thema „Traditioneller irischer Tanz“ zu zelebrieren.

Warum dieser Paukenschlag zu Beginn? Man kann es –das gilt auch für andere Details der Show –nur vermuten. Das hat seinen Grund: Regisseur Michael Murfi hat diese Reise zu den Wurzeln der irischen Kultur mit dem Gedicht „The second Coming“ des irischen Schriftstellers William Butler Yeats verknüpft. Das Werk des Literatur-Nobelpreisträgers ist voller Symbolismus, Mythen und Okkultismus. In mystischen Lehren spricht er vom nahen Weltuntergang.

Apokalypse, und dann? Eine Wiedergeburt? Die scheint es hier für Yeats wirklich zu geben, der aus den Höhen des Schnürbodens schwebend die Bühne betritt, um sein Irland in diesen Tagen wieder zu erleben. Schauspieler Corinn Thomas sieht Yeats' Foto zum Verwechseln ähnlich, er rezitiert dessen Gedicht „The second Coming“, das von Anarchie und Untergang einer Welt spricht, die zwanzig Jahrhunderte in einem steinernen Schlaf gelegen hat. Der Fantasie der Zuschauer ist keine Grenze gesetzt, um Zitate von Yeats' Ideenwelt in der Show wieder zu finden.

Im ersten Bild bewegen sich die Tänzer ungeordnet, chaotisch-zuckend über die Bühne. Neugierig betrachten sie den rhythmisch-eleganten Tanz einer Solistin, sie lassen sich davon anstecken, formieren sich zu einer Stepptanz-Formation. Die vier Musiker (Geige, Harfe, Flöten, Trommel) ziehen das Tempo des schnellen Reel an und schon klackern die Füße der Tänzer in beliebter „Riverdance“-Manier über den Bühnenboden.

Doch die Tänzer wollen höher hinaus, wollen die Freiheit des Fluges in der Schwerelosigkeit spüren. Drei Tänzerinnen schweben in der Luft, vollends in Vertikalschlaufen aus Stoff gehüllt – Puppen, aus denen sich allmählich schöne Schmetterlinge befreien, um im Flug ihre Geburt zu feiern. Neben solch zarter Poesie rein Praktisches: Schuhe fallen vom Himmel, um die Barfuß-Tänzer für den irischen Tanz auszustatten. Und das Geschenk kommt gut an: Wieder ein furioser Reel, bis zur Erschöpfung getanzt.

Dann wieder Lufttänzereien: Auf zwei riesigen Metallspiralen, angeblich inspiriert von Yeats' Theorie der Spiralen, bewegen sich eine Tänzerin und ein Tänzer mit akrobatischen Posen nach oben. Auf der Erde schenkt derweil ein Mädchen seinem Angebeteten (Yeats) sein Herz. Unbegleitet singt die Künstlerin ein schlichtes irisches Liebeslied. Klingt es nach Traurigkeit und Melancholie? Yeats gibt ihr jedenfalls ihr Herz zurück und sie entschwindet vor unseren Augen himmelwärts. So viel irische Schwermut verlangt nach einem fröhlichen rauschenden Finale: Nach einem weiteren eleganten Lufttanz locken die Musikanten zum traditionellen Stepptanz auf der guten alten Erde. Und der kommt beim Publikum am besten an.

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