GEROLZHOFEN

Die Gefahren des Internets

Gefahren im Netz: Zu viel Vertrauen kann gefährlich werden, sagt Slawomir Siewior. Wer Name oder Adresse preisgibt, kann schnell zum Opfer werden. Interessiert hören Gerolzhöfer Realschüler zu. Foto: Peter Pfannes

Über 250 Schüler in einem Raum und es ist mucksmäuschenstill. Das Thema „Cyber-Mobbing – wie ein Bild ein Leben zerstören kann“ zog am Montagvormittag Gerolzhofens Realschüler in den Bann. In der Aula der Schule referierte Buchautor und Referendar Slawomir Siewior über Cyber-Mobbing. Seine Erfahrung: „Internet-Mobbing ist ein digitales Phänomen, das die deutsche Schullandschaft erreicht hat und das Leben der Schülerinnen und Schüler nachhaltig beeinflusst.“

Seit drei Jahren hält Siewior Vorträge über Cyber-Mobbing. Er warnt seine meist jungen Zuhörer vor den Folgen des leichtsinnigen Umgangs mit ihren Daten. Unbedachtes Mobbing im Internet könne fatale Folgen haben, so der Referent. Er nannte Beispiele: Etwa Amanda Todd, die im Selbstmord nach monatelangem Internet-Mobbing und mehrfachem Wohnungswechsel mit ihren Eltern den einzigen Ausweg sah. Kein Einzelfall, wie Siewior berichtete.

Aufgrund der Abhängigkeit Jugendlicher von sozialen Netzwerken, die mittlerweile einen Großteil des Alltags bestimmen, könne jeder schnell zum Opfer von Internetkampagnen werden. Missbrauch, sexuelle Gewalt und Vergewaltigungen könnten am Ende einer langen Kette des Sich-Preisgebens im Internet stehen. Etwa im Fall einer 13-Jährigen, die im Internet einen 53-jährigen Mann kennenlernte, der sich als 14-jähriger Junge ausgab und so ihr Vertrauen gewann. Seit Monaten sei das Mädchen verschwunden.

Gemobbten Schülern rät Siewior: Erst einmal Notebook, Smartphone oder Tab schließen und klaren Kopf bekommen. Dann Zeugen des Web-Angriffs suchen, etwa Mutter oder Vater. Möglichst ein Foto des aktuellen Bildschirms machen. Schließlich alles mit Freunden, Eltern, Lehrer oder Schulpsychologen besprechen.

„Denn alleine kommt der Schüler aus dieser Situation nicht heraus.“ Lehrern, die von Mobbing erfahren, empfiehlt Siewior, den Schulpsychologen einzuschalten, der dafür geschult sei. „Der Schüler braucht das Gefühl, dass ihm geholfen wird.“ Eltern sollten eine Stütze für ihr Kind sein. Sohn oder Tochter seien Opfer und sollten nicht durch Wegnahme des Handys erneut bestraft werden.

Die Realschüler waren dankbar für die außergewöhnliche Schulstunde. „Es hat mich schon sehr bewegt, als sich ein Mädchen erhängt hat, weil es von Mitschülern so geärgert wurde“, erzählt Franziska (13, Gerolzhofen). „Man ist ja selbst oft im Internet unterwegs. Das kann ja jeden treffen“, zieht Christina (14, Gerolzhofen) ihr Fazit des „sehr informativen“ Vortrags. Einem Betroffenen würde Lukas (Oberschwarzach) Hilfe anbieten. „Wenn man offen ist, kann man vielleicht verhindern, dass sich jemand umbringt“, so der 15-Jährige. Das ist schon fast krank“, meint Lukas (14, Gerolzhofen), der weiß, dass falsche Bilder im Netz ein Leben zerstören können.

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