Die Gemeinde steigt ein

Mit 9:4 Stimmen sprachen sich die Oberschwarzacher Gemeinderäte

für ein Engagement der Kommune beim renovierungsbedürftigen Schloss aus. Als ersten Schritt will man mit dem Eigentümer, der Kirchenstiftung,

ein Nutzungskonzept erarbeiten.

Hier geht's rein: das Hauptportal des Oberschwarzacher Schlosses. Foto: Alle Matthias Beck

Ein Schritt für eine positive Zukunft des Schlosses in Oberschwarzach ist getan. Der Gemeinderat will in Zusammenarbeit mit der Kirchenverwaltung ein Nutzungskonzept für das Gebäude erstellen. So lautet das Ergebnis einer nicht-öffentlichen Gemeinderatssitzung, das Bürgermeister Manfred Schötz bekannt gab.

Schötz hat die Diskussion laut eigener Aussage aus berechtigten Gründen in eine nicht-öffentliche Sitzung gelegt. Welche Gründe das sind, darüber erteilte er keine weitere Auskunft. „Sitzungen sind öffentlich, soweit nicht Rücksichten auf das Wohl der Allgemeinheit oder auf berechtigte Ansprüche Einzelner entgegenstehen“, heißt es in der bayerischen Gemeindeordnung.

Das Ergebnis der Sitzung hält der Bürgermeister für einen ersten kleinen, aber wichtigen Schritt, um das Schloss und sein Areal gemeinsam mit der Kirche in öffentlicher Hand zu halten. Viele weitere Schritte müssten und würden folgen, so der Bürgermeister.

Die Entscheidung für den grundsätzlichen Einstieg der Kommune beim Schloss fiel mit 9:4 Stimmen. Laut Schötz möchte man die bestmögliche Konstellation für Pfarr- und Marktgemeinde erreichen. Zur Wahl stehe entweder, dass die Kommune sich im Schloss einmiete oder dass sie gleichberechtigter Miteigentümer wird.

Das Argument schlechthin für den Einstieg ist laut Schötz gewesen, dass das Schloss das Zentrum Oberschwarzachs darstellt. Die Bedeutung des Gebäudes erwachse aus seinem Charakter als Wahrzeichen des Ortes. Gerade dieses Gebäude müsse im Hinblick auf den demographischen Wandel belebt und einer Nutzung zugeführt werden.„Wie will man Bürgern vermitteln, dass sie sich auch im Altort niederlassen sollen, wenn man dort das wichtigste Gebäude aufgibt?“, so Schötz.

Ein Gegenargument seien selbstverständlich die Kosten gewesen, berichtete der Bürgermeister. So vermutet man, dass eine Renovierung sehr teuer wird – mit Kosten mindestens im unteren siebenstelligen Bereich. Allerdings könnten im Moment noch keine genauen Aussagen darüber getroffen werden. Erst wenn klar sei, wie man Schloss und Schlossscheune nutze, werde die Höhe der Kosten ersichtlich. Das Schloss sieht von außen betrachtet relativ unbeschadet aus. Im Inneren ist das anders.

Wie geht es weiter? Bürgermeister Schötz sagte, dass Kirche und Marktgemeinde zunächst ihren jeweiligen Bedarf an Räumlichkeiten absprechen müssten. Dann könnte die Gemeinde über die Varianten Miete oder Teileigentum abstimmen. Entscheidend sei die Frage nach der bestmöglichen Förderung.

In einem Gespräch über die Schäden am Schloss, das vor der Entscheidung des Gemeinderats stattfand, wies der Vorsitzende der katholischen Kirchenstiftung Oberschwarzach, Pfarrer Stefan Mai, auf den großen Wasserschaden hin, der aus dem Jahr 2010 herrührt. Er betrifft den kompletten Südflügel, vom zweiten Stock bis hinunter ins Erdgeschoss. Unmittelbar nachdem man den Schaden festgestellt hatte, seien die Stellen trockengelegt worden.

Bisher seien aber keine weiteren Renovierungsarbeiten am Schloss durchgeführt worden, so Pfarrer Mai. Im Falle einer Renovierung würde nicht nur der Wasserschaden, sondern das gesamte Schloss renoviert. Zunächst gehe es dabei um das Schlossgebäude selbst. Scheune und Nebengebäude wären erst der zweite Schritt. Das Nutzungskonzept könnte zum Beispiel ein Mischkonzept mit Mietwohnungen und öffentlicher Nutzung sein.

Die Kirchenverwaltung favorisiert laut Mai im Erdgeschoss Räume fürs Pfarrbüro sowie einen kleinen Gemeindesaal, die behindertengerecht erreichbar wären. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht. Man benötige verlässliche Partner, um das Projekt gemeinsam schultern zu können. Mit der Gemeinde im Boot wären auch Zuschussverfahren über staatliche Stellen leichter.

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Was wird aus dem Schloss?

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Die Geschichte des Oberschwarzacher Schlosses

Vier Phasen Die Geschichte des Schlosses Oberschwarzach lässt sich gut bis zum Erwerb des Schlosses durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Jahr 1575 zurückverfolgen. Er kaufte das Schlossgut der Truchsesse von Henneberg. Zum Anwesen gehören neben dem dreigeschossigen Renaissanceschloss ein Innenhof mit Scheune, Wirtschaftsgebäuden und Gartenanlagen. Nach Untersuchungen von 2013 spricht man von vier Bauphasen. Die erste betrifft die Zeit vor Julius Echter. Kellergeschoss, Außenwände sowie die beiden Türme des Schlosses wurden vor 1600 errichtet. 1604 ließ Echter das Schloss umbauen. In diese zweiten Phase fällt die Umgestaltung der Fassade und der Bau des Treppenturms. Die dritte Phase betrifft die Umgestaltung des Schlosses im Barock, etwa um 1720. Die Räume im ersten und zweiten Stock wurden neu aufgeteilt, Decken und Türen neu gestaltet. Die vierte Bauphase fällt ins 19. und 20. Jahrhundert. Sie ist durch viele kleine Maßnahmen geprägt, den Austausch von Fenstern, den Einbau von Bädern und WCs, Heizung und Elektroinstallationen. Im Schloss war ab 1622 die Münzprägestelle für den Machtbereich des Fürstbischofs Julius Echter und seiner Nachfolger untergebracht. Das Schloss war Sitz der Gendarmerie, des Revierförsters und diente ab 1812 als Wohnung des Ortspfarrers. 1972 kaufte die katholische Kirchenstiftung Oberschwarzach das Anwesen vom Freistaat. Zuletzt häuften sich Stimmen, dass das Schloss verkauft werden sollte. Für die Pfarrei sei es zu groß. Zudem könne die Kirchenstiftung die finanzielle Belastung nicht allein tragen. Hinzu kam ein massiver Wasserschaden 2010. Im Januar 2013 gründete sich der Förderverein mit dem Ziel, das Schloss in öffentlichem Besitz zu behalten.

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