OBERSCHWARZACH

Die Gemeinde wird jetzt Schlossherrin

Offiziell ab dem 10. September wird die Marktgemeinde Oberschwarzach die Schlüsselgewalt über das Echter-Schloss haben. Foto: Norbert Finster

100 000 Mark, das sind gerade einmal gut 50 000 Euro. So viel hat die Katholische Kirchenstiftung Oberschwarzach unter Pfarrer Karl Ring im Jahr 1972 für den Erwerb des imposanten Echter-Schlosses in der Marktgemeinde an den Freistaat Bayern bezahlt.

Ein Schnäppchen, möchte man meinen. Doch das vermeintliche Schnäppchen geriet zum Bumerang. Denn das Schloss wurde immer mehr zur Sparbüchse für die Kirchenstiftung, war – gemessen an der Nutzung – viel zu teuer, um es auf Dauer zu unterhalten. 840 000 Euro hatten Diözese, Kirchenstiftung und zum kleinen Teil auch die politische Gemeinde bis 2012 schon in das Echter–Schloss gesteckt, bevor Pfarrer Stefan Mai und die Kirchengremien zu dem Schluss kamen: „Die Immobilie ist aus eigener Kraft nicht zu halten .“

Räume nur teilweise genutzt

Dies vor allem, weil nun auch die Diözese ankündigte, nur noch Liegenschaften zu fördern, die auch tatsächlich pastoral genutzt werden. Mit dem Pfarrbüro, dem Dienstzimmer der Gemeindereferentin und dem großen Versammlungsraum, in dem auch Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung tagten, war aber nur ein Bruchteil der Räumlichkeiten kirchlich genutzt.

Lange Verhandlungen folgten. Möglichst sollte die Gemeinde das Bauwerk übernehmen. Man wollte verhindern, dass es in falsche, private Hände fiel. Ein privater Interessent stand zu diesem Zeitpunkt auf dem Plan. Auch deswegen gründete sich ein Förderverein für das Schloss, der heute 135 Mitglieder hat. Oberstes Ziel: Das Schloss muss in öffentlicher Hand bleiben.

Der Wasserschaden von 2010 als Hypothek

Doch auch die Gemeinde zog nicht recht. Einige sahen in dem Schloss ein Fass ohne Boden. Dann trat noch ein erschwerendes Ereignis ein. Im Juli 2010 kam es zu einem enormen Wasserschaden. Fast zwei Tage lang lief das Nass unentdeckt aus einer ehemaligen Wohnung und durchfeuchtete von oben nach unten die Wände der Stockwerke auf der Südseite. Das war eine schwere Hypothek für jeden, der das Schloss übernehmen sollte.

Bürgermeister Manfred Schötz erinnert sich: Im Gemeinderat gab es das Argument, dass die Kommune keine große Summe für den Kauf des Hauses ausgeben dürfe, weil dieses Geld dann bei der Sanierung fehlten würde.

Es dauerte, bis es jetzt doch noch zu einer Lösung kam, die wohl allen Beteiligten zugute kommt. Die Kirche überlässt der Gemeinde das Schloss auf 99 Jahre im Erbbaurecht. Das bedeutet: Der Grund bleibt bei der Kirche, das Gebäude, also auch die Baulast, geht an die Gemeinde über. Die zahlt dafür einen eher symbolischen Erbbauzins von 100 Euro im Jahr.

Für Bürgermeister Manfred Schötz ist es ein Zeichen der guten Zusammenarbeit, dass sich die Bischöfliche Finanzkammer doch noch mit 400 000 Euro an der Sanierung des Gebäudes beteiligt.

Damit ist aber nur ein kleiner Teil der auf 3,2 Millionen Euro geschätzten Kosten für eine umfassende Sanierung gedeckt. Und Bürgermeister Schötz sieht in der Gemeinde nach wie vor das schwächste Glied bei der finanziellen Beteiligung.

Hoher Zuschuss für Sanierung erwartet

Aber durch den Vertrag mit der Kirchenstiftung gilt die Kommune jetzt als Eigentümer. Deswegen kann sie bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten an Zuschuss bekommen. Angezapft werden hier die Städtebauförderung mit 60 Prozent und das Amt für Denkmalpflege. Der Bürgermeister: „Wir wollen so nah wie möglich an die Höchstförderung.

“ Klar ist aber, dass der Anteil der Gemeinde bei mehr als zehn Prozent liegen wird, den zwischen förderfähigen und Gesamtkosten besteht immer ein Unterschied.

Jedenfalls setzte der Marktgemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung am 21. August mit seiner Zustimmung zum Urkundentext den Schlusspunkt unter eine lange Verhandlungsphase.

Am 10. September übergibt die Kirche die Schlüssel zur Liegenschaft nun offiziell an die Gemeinde (Programm siehe nebenstehenden Artikel). Das fällt fast auf den Tag genau mit dem Datum des 400. Todestags Julius Echters (13. August) zusammen. Fertig ist auch das Nutzungskonzept für das Haus. Laut Bürgermeister Manfred Schötz soll der Keller wegen seiner Feuchtigkeit lediglich begehbar gemacht werden, etwa für Führungen.

Im Erdgeschoss rechts vom Eingang wird neben Toiletten ein Begegnungsraum für Gruppen aus der Gemeinde oder für die Pfarrfamilienversammlung eingerichtet. Dieser Raum soll möglichst häufig genutzt und kann auch reserviert werden. Links ist ein Raum für touristische Zwecke, zum Beispiel für Info-Material gedacht.

Zeichnungen Gefangener

Auch das Verlies soll begehbar sein, weil hier Zeichnungen ehemaliger Gefangener zu sehen sind. Im ersten Stock soll links das Pfarrbüro beherbergt sein, rechts das Rathaus mit dem Amtszimmer des Bürgermeisters. Das bisherige Rathaus wird aufgegeben, könnte aber noch zu Archivzwecken dienen.

Im zweiten Stock sollen Vereinsräumlichkeiten entstehen, etwa ein Probenraum für die Handthaler Volkssänger, den Singkreis oder ein Alternativraum für die Steigerwaldkapelle. Auf dieser Ebene findet auch die Pfarrbücherei Platz mit einem Raum für Lesungen. Wie in den Keller wird man auch auf den Dachboden schauen können, der aber keine dauerhafte Nutzung haben wird.

Aufzug wird eingebaut

Im Sinne der Inklusion soll auch ein Aufzug eingebaut werden. Wo, ist noch nicht entschieden. Der Bürgermeister plädiert aber für innen, damit die homogene Außenansicht nicht gestört wird. Auch ein durchdachter Brandschutz wird nötig sein. Wohnraum im Schloss wird es dann nicht mehr geben.

Die Schlossscheune könnte für Veranstaltungen wie das bereits durchgeführte und gut angenommene Schlossweinfest genutzt werden Der Schlosshof soll weitgehend unverändert bleiben und der Schlossgarten terrassenförmig angelegt werden und eine kleine Freilichtbühne erhalten.

Mit zum Umgriff gehört die Alte Schule. Hier wäre es der größte Wunsch des Bürgermeisters, eine Arztpraxis unterzubringen, auch wenn sie nur für einen Tag in der Woche geöffnet sein sollte. „Unsere Bürger müssen leider immer noch den Weg nach Ebrach, Prichsenstadt oder Gerolzhofen auf sich nehmen“, bedauert Schötz. Im Schwesternhaus, wo bisher die Bücherei war, sollen Wohnungen entstehen.

Bis das alles so weit sein wird, werden aber noch einige Jahre ins Land gehen. Das Fundament ist aber gelegt.

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