Gerolzhofen

Die Heiterkeit böhmischer Melodien

Traditionelles Weihnachtskonzert der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus
Der große Projektchor der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus bringt am vierten Advent eine böhmische Hirtenmesse im Gerolzhöfer Steigerwalddom zu Gehör.
Der große Projektchor der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus bringt am vierten Advent eine böhmische Hirtenmesse im Gerolzhöfer Steigerwalddom zu Gehör. Foto: Waldemar Wiederer

Nach moderner Brass-Musik im Vorjahr wird in diesem Jahr am vierten Adventssonntag im Steigerwalddom wieder eine Hirtenmesse in bester böhmischer Tradition im Mittelpunkt des traditionellen Weihnachtskonzerts stehen: die "Missa pastoralis in D-Dur" von Jan Lohelius Oehlschlägel.

Die Hirtenmesse ist ein nur selten aufgeführtes Werk, schon die Beschaffung der Noten war für Kantor Karl-Heinz Sauer ein kleines Abenteuer. Es lagen nur handschriftliche Unterlagen vor, die er für Chor und Orchester erst einmal ins Reine schreiben musste. Wer allerdings einmal hineingehört hat, wird etwas verwundert sein, dass diese Messe so unbekannt ist: geprägt von einer Leichtigkeit, Heiterkeit und Fröhlichkeit zeigen die „typisch böhmischen“ Melodien deutlich, dass es sich beim Fest der Ankunft des Heilands um ein freudiges Ereignis handelt, das nur Anlass zum Jubel bietet und keinen Platz für Zwistigkeiten oder Schwermut lässt. Zusätzlich weckt das in allen Teilen des Offertoriums wiederkehrende Thema fast vergessene Jugenderinnerungen und eine Sehnsucht nach weiten, verschneiten Landschaften unter einem stillen, winterlichen Sternenhimmel. Vielleicht sind das ja Anstöße dafür, dass man in unserer heutigen Zeit die Messe in Zukunft häufiger aufführen wird.

Hirtenhorn als Besonderheit

Eine Besonderheit bei der Besetzung des Orchesters ist das Mitwirken eines „Hirtenhorns“, vergleichbar etwa einem kleinen Alphorn, das mit einem Trompetenmundstück geblasen wird. Karl-Heinz Sauer hat das Instrument extra von Eckhard Boehringer bei Regensburg besorgt, der über das Hirtenhorn promoviert hat und auch solche nachbaut. Man darf auf den Klang dieser Besonderheit gespannt sein (Ausführender: Alexander Kneuer).

Der Komponist Jan Lohelius Oehlschlägel (bezüglich der Schreibweise seines Namens gibt es unzählige Varianten) wurde 1724 in Nordböhmen geboren, wirkte während seines Studiums der Philosophie und der Komposition an mehreren Kirchen in Prag als Organist und trat 1747 in das Prämonstratenserkloster Strahov in Prag ein, wo er sich der Musikpflege und dem Orgelbau widmete. Er baute die Strahover Orgel zu einer der damals größten Orgeln Böhmens um, deren Qualität Wolfgang Amadeus Mozart 1787 während eines Besuches in Prag prüfte und bewunderte. Lohelius starb am 22. Februar 1788 in Prag.

Bekannte Solisten

Neben der "Missa Pastoralis" als Hauptwerk werden in diesem weihnachtlichen Festkonzert unter Leitung von Karl-Heinz Sauer noch zu hören sein: das Divertimento D-Dur von Joseph Haydn (1732- 1809) und die Kantate „Der Himmel steht uns wieder offen“ von August Jacobi (1688- nach 1725), eine willkommene Bereicherung der weihnachtlichen Kantaten-Literatur, die sich großer Beliebtheit erfreut.

Die Ausführenden des Festkonzerts sind wie immer Projektchor und Orchester der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus, die Solo-Partien übernehmen Radka Loudova-Remmler (Sopran), Barbara Buffy (Alt), Sebastian Köchig (Tenor) und Michael Albert (Bass).

Beginn des Konzerts in der Stadtpfarrkirche ist am 23. Dezember um 17 Uhr, Einlass ab 16.15 Uhr . Karten zu 13,-/9,-/5,- Euro gibt es ab sofort im Vorverkauf bei der Buchhandlung Teutsch am Turm, außerdem zu 14,-/10,-/6,- Euro an der Abendkasse.



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