GEROLZHOFEN

Die Kunden kamen wie vor der Kreisreform

Werner Iff: Durch verstärkte Werbung und Aktivitäten versuchte er, die Folgen der Gebietsreform für sein Modehaus in Gre... Foto: N. Finster

Werner Iff gibt es unumwunden zu: Als feststand, dass der Landkreis Gerolzhofen aufgelöst wird, befiel ihn Angst, ja sogar Existenzangst um sein Modehaus. Wie vielen anderen Geschäftsleuten ging ihm der Gedanke durch den Kopf, ob nach der Auflösung des Landkreises überhaupt noch so viele Leute wie bisher in die Stadt kommen würden, um einzukaufen. „Aber es ging nicht nur um mich und meine Familie, wir hatten damals ja auch schon 60 Mitarbeiter, die meisten ebenfalls mit Familien“, sagt Iff heute.

Als es hieß, in Bayern würde eine Gebietsreform kommen, war schnell spürbar, dass Gerolzhofen seinen Kreissitz verlieren würde, erinnert sich der Geschäftsmann, der damals für die Freien Wähler sowohl im Kreistag als auch bis 1984 im Stadtrat saß. „Als Gerolzhöfer waren wir alle sehr wütend und enttäuscht, dass unsere Landtagsabgeordneten uns nicht unterstützt haben. Mit unserer Meinung haben wir keinerlei Resonanz gefunden“, blickt Werner Iff zurück. Relativ schnell war dem Geschäftsmann klar, dass der Kreissitz Gerolzhofen nicht mehr zu retten und dass der Landkreis Schweinfurt immer noch die beste Lösung sei. Im Stadtrat herrschte diese Meinung ebenfalls. Als dann der Tag X kam, „war es genau so einmalig wie tragisch, dass der Landkreis gleich in vier Teile zerlegt wurde.“ Neben den Behörden verschwanden auch viele Schulen, eine richtige Zäsur für die Stadt. Doch die Schockstarre währte nur kurz. Stadt und Einzelhandel waren sich einig, dass Gerolzhofen Versorgungszentrum für einen Nahbereich mit etwa 16 000 Einwohnern und zumindest noch Einfluss auf die größere Region mit 40 000 bis 50 000 Einwohner haben sollte. Mit Optimismus gingen die Geschäftsleute neue Wege, machten Gemeinschaftswerbung, was damals noch völlig ungewöhnlich war.

Ganz wichtig war zu diesem Zeitpunkt für Werner Iff die Gründung des Förderkreises mit Dietmar Kordowich an der Spitze. „Das war der richtige Mann, um neue Impulse zu setzen, er hatte die Kontakte zum Umland und zu den Medien.“

In der Zeit nach der Reform entstanden auch die großen Stadtfeste mit verkaufsoffenen Sonntagen (vorher gab es nur den traditionellen Mantelsonntag). Die Weihnachtsdekoration und Weihnachtswerbung wurde verstärkt, letztere mit Gewinnspielen kombiniert. Die Giebelbeleuchtung in der Altstadt kam dazu. Für die Einzelhandelsgeschäfte gab es Beratungstage, für ihre Mitarbeiter Schulungen. Initiator war Werner Iff. „Das alles taten wir, um die Leute in Gerolzhofen zu halten und um unsere Kompetenz zu stärken.“

Einen großen Beitrag sieht Werner Iff auch in der Bereitschaft der Main-Post, das „Gerolzhöfer Schaufenster“ aufzulegen, das ein Spiegelbild der Wirtschaft repräsentierte und an alle Haushalte im ehemaligen Landkreis und im Raum Ebrach verteilt wurde.

Viele Sorgen waren letztendlich unbegründet. „Die Leute kamen wie vor der Kreisreform. Das konnten wir anhand unserer Kundenerhebung sehen.“

Eine absolute Stärkung der Zentralität der Stadt sieht Werner Iff im Geomaris. Das Bad habe eine große und weite Ausstrahlung und zweifellos verbinden viele Badegäste ihren Schwimmbadbesuch mit einem Einkauf in der Stadt.

Aus der Sicht des Wirtschaftsmannes hält Iff auch viel von der grün-schwarzen Vision von Thomas Vizl und Lothar Zachmann, wieder einen Eisenbahnverkehr nach Gerolzhofen zu bringen. „Da stehe ich voll dahinter.“

Und zur Amtsgericht-Zweigstelle, die eines der wenigen Relikte aus Landkreiszeiten, aber eigentlich schon aufgelöst ist und nur noch besteht, weil sich kein Käufer für die Liegenschaft findet: „Wenn es einen politischen Willen gibt, den ländlichen Raum zu stärken, dann muss das Gericht bleiben. Das Gericht ist ganz wesentlich für Gerolzhofens Zentralität und seine Erhaltung wäre ein Wunsch der Wirtschaft.“ Die Stadt jedenfalls habe den Handel unter allen Bürgermeistern seit der Reform gestützt – durch die Altstadtsanierung, die Ausstattung mit vielen Attraktionen und nicht zuletzt die kostenfreien Kurzparkzonen.

Was vielfach noch gar nicht beachtet wurde, Werner Iff nennt es beim Namen: Der Großteil des Gerolzhöfer Einzugsgebiets liegt heute im Kreis Kitzingen. Schon hinter den Nachbargemeinden Schallfeld oder Frankenwinheim hört der Landkreis

Schweinfurt auf. Deshalb sagt Iff: „Wenn die Gebietsreform rückgängig gemacht werden könnte – viele Gemeinden würden heute wahrscheinlich anders als Anfang der 70er denken.“ Trotzdem will Iff über den gegenwärtigen Status nicht klagen. „Im Landkreis Schweinfurt fühlen wir uns aufgehoben. Der Kreis hat viele Einrichtungen in der Stadt weiterentwickelt. Das müssen wir anerkennen.“

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