Wülfershausen

Die Meistermannschaft hält ein besonderer Teamgeist zusammen

Sie treffen sich jedes Jahr und legen Blumen am Grab ihrer Freunde ab, die Fußballer der Meistermannschaft der DJK Wülfershausen von 1974.
Mit dem unvergesslichen Sieg in Schwanfeld schaffte die DJK 1974 die Meisterschaft in der Bezirksliga-Ost und spielte dann zwei Jahre in der Landesliga-Nord.
Mit dem unvergesslichen Sieg in Schwanfeld schaffte die DJK 1974 die Meisterschaft in der Bezirksliga-Ost und spielte dann zwei Jahre in der Landesliga-Nord. Foto: Elmar Heil Archiv

"Elf Freunde müsst ihr sein" – Mit diesem Ausspruch soll der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger 1954 vor dem legendären Endspiel gegen die damals übermächtige ungarische Mannschaft an den Teamgeist seiner Spieler appelliert haben. Bekanntermaßen gewann der Außenseiter Deutschland das Turnier nach einem 3:2-Sieg und wurde damit zum ersten Mal Fußball-Weltmeister.

Fußballweltmeister wurde die DJK Wülfershausen zwar nie, aber deren Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren sorgten für Aussehen und trugen dazu bei, dass der 500-Seelen-Ort auch über Unterfranken hinaus bekannt wurde. Und noch viel wichtiger: Auch nach fast 50 Jahren wird nicht nur von Freundschaft geredet, sondern auch danach gehandelt. Denn seit 25 Jahren treffen sich die Ex-Fußballer einmal im Jahr.

Seit 25 Jahren treffen sich die ehemaligen DJK-Fußballer einmal im Jahr, um ihrer verstorbenen Fußballkameraden in einem Gottesdienst zu gedenken und an deren Grab, wie an dem von Richard Schmitt, eine Blumenschale abzustellen.
Seit 25 Jahren treffen sich die ehemaligen DJK-Fußballer einmal im Jahr, um ihrer verstorbenen Fußballkameraden in einem Gottesdienst zu gedenken und an deren Grab, wie an dem von Richard Schmitt, eine Blumenschale abzustellen. Foto: Helene Heil

Dann besuchen sie einen Gedenkgottesdienst zu Ehren ihrer verstorbenen Fußballkameraden. Günter Hartmann ist bereits 1988 im Alter von 40 Jahren und Roland Heil 1993 mit 45 Jahren verstorben. 2014 musste man vom langjährigen Fußballabteilungsleiter Edgar Koob Abschied nehmen. Richtig geschockt waren alle, als vor vier Jahren plötzlich "Jimmy" Richard Schmitt starb. Er hatte zusammen mit Elmar Heil die Treffen organisiert und erlag beim Radfahren im Alter von 63 Jahren fast vor seiner Haustüre einer Herzattacke. Den Verstorbenen zum Gedenken stellen die ehemaligen Fußballer jeweils eine Blumenschale auf deren Grab ab, um sich danach in gemütlicher Runde zusammenzusetzen.

Ein Beleg für die sehr gute Kameradschaft der Truppe ist wohl der, dass neben den einheimischen Ex-Fußballern vor allem auch fast alle auswärtigen Spieler und Trainer jedes Jahr zu dem Treffen erscheinen. Dann dreht sich fast alles einen Abend lang um "die gute alte Zeit".

Mit der Meisterschaft 1969 in der damaligen B-Klasse begann der Aufstieg der DJK Wülfershausen bis in die Landesliga-Nord.
Mit der Meisterschaft 1969 in der damaligen B-Klasse begann der Aufstieg der DJK Wülfershausen bis in die Landesliga-Nord. Foto: Elmar Heil Archiv

Nur mit eigenen Spielern aus Wülfershausen und Burghausen begann der Aufstieg der DJK: 1969 Meister der B-Klasse (heute A-Klasse), 1970 A-Klassenmeisterschaft, 1972 Abstieg, 1973 wieder A-Klassenmeister und 1974 – verstärkt durch einige auswärtige Spieler – Meister der Bezirksliga-Ost. Was keiner für möglich gehalten hatte, war wahr geworden. Der kleinste Verein der Bezirksliga-Ost war Meister und qualifizierte sich für den Aufstieg in die Landesliga-Nord. Von Bürgermeister und den Ortsbewohnern am Ortsrand in Empfang genommen, ging es mit Blasmusik durch den Ort, um dann bis in den Morgen hinein zu feiern.

Man muss sich die damalige Situation einmal vergegenwärtigen: Nur der FC 05 Schweinfurt, Viktoria Aschaffenburg sowie die beiden Würzburger Vereine Kickers und FV 04 spielten in einer höheren Klasse als die DJK.

Der sportliche Anreiz, der kleinste Landesliga-Verein Bayerns zu sein, gab schließlich den Ausschlag, sich den neuen Anforderungen und Belastungen zu stellen, denn man musste mit dem Bus zu den meisten Spielen nach Oberfranken (Hof, Selb, Helmbrechts, Bayreuth, Donndorf u.a.) reisen. Das hieß: 8 Uhr Abfahrt, 20 Uhr Rückkunft.  

Unvergessliche Spiele gegen Haßfurt

Ein Höhepunkt der ersten Saison war das Spiel gegen den FC Haßfurt vor etwa 2000 Zuschauern auf dem alten Waldportplatz. Bei katastrophalen Platzverhältnissen unterlag die DJK dem FC Haßfurt durch drei Tore in den Schlussminuten mit 2:5. Am Ende der ersten Runde konnte man noch den Abstieg mit einem 2:1-Sieg im Entscheidungsspiel gegen den FC Wipfeld abwenden.

Diese Leistung war um so bemerkenswerter, da die Spieler, auch die auswärtigen, als "echte Amateure" keinerlei finanziellen Zuwendungen erhielten, wie das damals schon in anderen Landesligavereinen üblich war. Lediglich bei Auswärtsspielen in Oberfranken bekam jeder Spieler fünf D-Mark, über die die Ligakonkurrenten nur ungläubig schmunzelten, da dieser Betrag auch damals nicht einmal für ein Mittagessen ausreichte.

In der zweiten Saison sollte wieder das Spiel gegen den FC Haßfurt für Schlagzeilen sorgen. Haßfurt, in dessen Reihen Erwin Albert spielte, der später als Profi Torschützenkönig in der belgischen Erstliga wurde, hatte sich durch den Ex-Nationalspieler Ludwig Müller verstärkt. Vor mehr als 2000 Zuschauern unterlag die DJK in einem ausgeglichenen Spiel unglücklich mit 1:2. Musste am Ende auch der Abstieg hingenommen werden, tat das der Kameradschaft und dem Zusammenhalt keinen Abbruch. Man blieb zusammen und hinterließ als Seniorenmannschaft vor allem bei DJK-Bayernschildturnieren in München, Passau, Nürnberg oder Augsburg stets einen guten Eindruck. 1989 gewann man sogar in Würzburg nach sechs Spielen ohne Gegentor dieses Turnier, an der sich wie immer 16 DJK-Teams aus ganz Bayern beteiligt hatten.

So werden alljährlich die alten Erinnerungen an so manche Fußballschlacht wieder aufgefrischt. Dabei kann es auch schon mal passieren, dass einer vor lauter Begeisterung unter dem Tisch einen Tritt ans Schienbein austeilt. Doch ein solches "Foul" wird gerne hingenommen. Und beim Verabschieden sind sich alle einig:"Die Tradition dürfe mir auf kenn Fall eischloaff loass!"

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