Schweinfurt

Die Mensa von Morgen: Mit gutem Essen Schule machen

Es macht Freude, für andere zu kochen und Lob für die eigene Arbeit zu bekommen. Klassenleiterin Claudia Scheer (links) und die beiden Fachlehrkräfte Johann Waldner und Eva Dümmler freuen sich  mit Amira Asad und Yana Nabi, die Veggie-Crepes für ihre Mitschüler machten. Foto: Helmut Glauch

Die bayernweiten Tage der Schulverpflegung sind auch an Schweinfurt nicht spurlos vorbeigegangen. An der Adolph-Kolping-Schule in der Bahnhofstraße, in der sich junge Menschen unterschiedlichster Herkunft auf eine Ausbildung vorbereiten – häufig fällt die Wahl letztlich auf eine Lehre im Gastronomie- oder Hauswirtschaftsbereich – wurde während der ganzen Woche eindrucksvoll gezeigt, wie man mit gutem Essen buchstäblich Schule machen kann. 

Die Nahrung und ihre ökologischen Aspekte

Schulverpflegung, das ist in Zeiten verstärkter Umweltschutz-Bemühungen viel mehr als Nahrungsaufnahme, weshalb man intensiver in das Thema einsteigen muss. Esskultur, Ernährungsverhalten, Nachhaltigkeit, Plastikmüll, was unterscheidet gesunde von ungesunden Lebensmitteln, wie viel CO2 entsteht bei der Produktion welchen Nahrungsmittels? Alles Fragen, die sich die 15- bis 18-Jährigen unter Anleitung ihrer Fachlehrkraft-Hauswirtschaft Eva Dümmler schon vor dem Einkaufen stellten.     

Es ist nicht immer so, dass viele Köche den Brei verderben. Manchmal ist es vor allem die Teamarbeit, die – wie hier an ... Foto: Helmut Glauch

Dies auch vor dem Hintergrund, dass Kaufgewohnheiten, Wegwerfmentalität und schwindende Wertschätzung von Lebensmitteln wesentlich zu Klimaveränderungen und den damit einhergehenden Problemen wie Wasserknappheit oder Extremwetterlagen beitragen. Für einige junge Menschen, nicht nur die mit Migrationshintergrund, war es Neuland, sich sozusagen auf den gesamten ökologischen Fußabdruck der menschlichen Ernährungskette einzulassen. Umso erstaunlicher, was nach intensiver Beschäftigung mit Themen wie Plastikmüllvermeidung oder Massentierhaltung so alles herausgekommen ist, so die Erfahrung beteiligter Lehrkräfte.   

Das eigene Verhalten auf dem Prüfstand

Aus dem Kaffeeautomat der Schule sollte man die Plastikbecher verbannen und durch Keramik ersetzen, schlägt ein junger Mann vor. Er will sich mit diesem Anliegen an den Automatenbetreiber wenden. Eine junge Frau hat die Einkaufstasche aus Stoff für sich entdeckt und macht sich Gedanken darüber, wie man Essensreste verwerten, sprich das Essen von gestern in Leckeres für Heute, verwandeln kann. In den Familien werde jetzt häufiger darüber diskutiert, ist zu hören, wie man durch bewusstes Einkaufen dafür sorgen kann, dass nicht jede Menge späterer Verpackungsmüll im Einkaufskorb landet. 

Die Aspekte gesunde Ernährung, Ökologie, das eigene Essverhalten, Müllvermeidung und den Umgang mit knapper werdenden Ressourcen unter einen Hut zu bringen ist nicht nur das Anliegen von Eva Dümmler, sondern auch von Fachlehrkraft Johann Waldner, dessen Fachgebiet die Gastronomie ist. Neben dem Bewusstsein im Hinblick auf Nahrungserzeugung und deren Verarbeitung sei im Laufe der Tage der Schulverpflegung auch der Teamgeist gewachsen. Junge Leute, die vielleicht aufgrund ihre jeweiligen Herkunft nicht gerade Freunde waren, planen plötzlich gemeinsam Menüs und stehen nebeneinander in der Küche, um ihre Mitschüler zu bekochen. Erfahrungen, die auch im späteren Berufsleben oder bei der Suche nach einem Praktikumsplatz sehr wertvoll sind, denn Teamfähigkeit ist gefragt.    

Teig mit viel Liebe

Und dieser Eifer, diese Begeisterung für ein gemeinsames Projekt, hat Ergebnisse. "Neun Bleche Flammkuchen haben die gebacken", berichtet Eva Dümmler, selbst beeindruckt von den kulinarischen Ergebnissen.  Ein Rezeptbuch entstand, und Rezepte aus dem Arabischen wurden übersetzt und nachgekocht. Herausgekommen sind neue und leckere Erfahrungen – selbst für die Lehrkräfte. 

Am Donnerstag gab es Veggie-Creppes, die Amira Asad und Yana Nabi mit viel frischem Gemüse und Soße füllten, während hinter ihnen die Jungs am Waffeleisen die dazu passenden Teigtaschen in Serie fertigten. Auf die Frage, was denn alles drin ist im Teig, antwortet der junge Mann spontan: "Viel Liebe". Damit ist wohl alles gesagt im Hinblick auf die alte, aber etwas in Vergessenheit geratene Weisheit, dass gemeinsames kochen und essen die Menschen nicht nur an einen Tisch, sondern auch ein Stück zusammenbringt. 

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