RÖTHLEIN

Die Nachfrage für ein Leben auf dem Land ist da

Vollgepackt mit zukunftsträchtigen Entscheidungen. war die erste Gemeinderatssitzung im neuen Jahr.

Im Mittelpunkt stand das geplanten Röthleiner Baugebiet „An der Tränke“. Architekt Artur Metz erläuterte die Anregungen und Bedenken, die mit der Offenlage des Planentwurfs eingingen. Gleich mehrere Behörden wie das Amt für Ländliche Entwicklung, der Regionale Planungsverband Main-Rhön, IHK und die Regierung von Unterfranken äußerten Bedenken gegen die Ausweisung eines neuen Baugebietes und führten als Gründe den demografischen Wandel und das durch Leerstände bedingte, mögliche Verwaisen des Altortes an.

Doch Bürgermeister Albrecht Hofmann hatte Gegenargumente parat: Die Gemeinde verfolgt seit Jahren eine aktive Innenentwicklung und hat 2014 die Eigentümer von 57 unbebauten Grundstücken im Ortsbereich angeschrieben, aber nur einige wenige für eine Bebauung oder zum Verkauf mobilisieren können. Gleichzeitig bestand Nachfrage von 36 Familien für ein Baugrundstück im Plangebiet und schon mehrfach wurden in der Vergangenheit Bauwillige abgewiesen erinnert Peter Krenzer.

Nach einer aktuellen Studie der „Integrierten Räumlichen Entwicklung (IRE) - Stadt-Umland-Partnerschaft-Schweinfurt“ ist Röthlein neben der Stadt Schweinfurt – so Hofmann – eine der wenigen Gemeinden mit einer positiven Wachstumsprognose in puncto Bevölkerung von etwa fünf Prozent, vermutlich auch, weil die Großgemeinde über weit 1000 Arbeitsplätze verfügt.

Auch der angeführte Abzug der amerikanischen Truppen ist für Hofmann kein Argument, da ja im Gegenzug durch den Ausbau der Fachhochschule in Schweinfurt im Zuge der Konversion mit einer Zunahme von Studenten- und Lehrerzahlen zu rechnen ist.

Schon um die Infrastruktur Röthleins weiter zu gewährleisten, weist die Gemeinde deshalb das Baugebiet aus, eine Entscheidung, die der Gemeinderat mehrheitlich unterstützte, Gegenstimmen kamen nur von Petra Jakob und Hilmar Kirch.

Der Gemeinderat entschied sich auf Empfehlung von Planer Metz für eine differenzierte „schlanke Bebauungsplanpraxis“, die zwar Festsetzungen aufnimmt (Garagen, Stauraum, Zufahrtsbreite), aber auch große Spielräume für die Gestaltung (Dachform- und -neigung) zulässt.

Das neue Baugebiet grenzt an landwirtschaftlich genutzte Flächen, und auch hierzu gab es gleich eine Reihe von Anmerkungen. Gelöst hat sich das Problem der möglichen Lärmbelästigung durch einen Tiefbrunnen mit Beregnungsanlage und benzinbetriebener Pumpe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Baugebiet. Die Pumpe wird durch eine weit leisere Elektropumpe ersetzt, die Leitungen werden im Zuge der Erschließungsmaßnahme verlegt. Das – so die Antwort auf eine Frage Florian Kress bezüglich der Kostenübernahme für die Verlegung der Leitungen – ist weitaus günstiger, als einen Lärmschutzwall zu errichten oder auf Grundstücke zu verzichten. Die Nutzung wird dann mit entsprechenden Vereinbarungen schriftlich fixiert. Auch muss explizit – so der Architekt – auf die benachbarte landwirtschaftliche Bewirtschaftung hingewiesen werden. Pflanzenschutz, Pflegemaßnahmen und Ernte können temporär zu Emissionen und Staubbelastungen führen, doch das, so Andreas Hetterich, ist „halt so, wenn man sich für ein Leben auf dem Land entscheidet“.

Auch die Bedenken der angrenzenden Gärtnerei wurden entkräftet: Ein breiter Grüngürtel mit Regenbecken schafft schon verträglichen Abstand, den das erstellte schalltechnische Gutachten ebenso bestätigte, wie auch die Unbedenklichkeit der Emissionen der benachbarten Bayrischen Asphalt-Mischwerke (BAM).

Das geplante Baugebiet soll im Trennsystem entwässert werden und das Wasserwirtschaftsamt verlangte den Nachweis einer langjährigen Überflutungssicherheit und eine wasserrechtliche Erlaubnis vom Landratsamt.

Armin Götz sprach sich dafür aus, die Feststellung des beauftragten Ingenieurbüros schriftlich zu fixieren, dass eine große Kanalsanierungsmaßnahme in Röthlein nicht nötig wird. Abschließend segnete der Gemeinderat einstimmig die Anregungen (ausreichende Wasserversorgung, Hydranten) der Kreisbrandinspektion ab und die Vorschläge des Forstamtes zum Ersatz einiger Flurpappeln, die leicht kaputtgehen und dann auf Wohnhäuser fallen könnten, durch Laubbäume.

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