Schweinfurt

Die Polizei störte das Drogengeschäft

Der eine wollte Rauschgift verkaufen, der andere Provision kassieren für Kunden seiner Gaststätte, die er ihm zuführt. Doch sie gerieten an den falschen Kunden.
1,7 Kilogramm 'Gras' und 124 Gramm Kokain wollte ein 49-jähriger Dealer einem Kunden auf dem Parkplatz einer Gaststätte in Schweinfurt verkaufen. Doch die Polizei wusste davon und schlug zu.
1,7 Kilogramm "Gras" und 124 Gramm Kokain wollte ein 49-jähriger Dealer einem Kunden auf dem Parkplatz einer Gaststätte in Schweinfurt verkaufen. Doch die Polizei wusste davon und schlug zu. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Am 30. Juni letzten Jahres sollte gegen 10 Uhr ein etwas größeres Rauschgiftgeschäft auf dem Parkplatz einer Schweinfurter Gaststätte über die Bühne gehen. Ein 49-jähriger Dealer war eben dabei, zwei interessierten Abnehmern 1,7 Kilogramm Marihuana und 124 Gramm Kokain zu übergeben – gegen den vereinbarten Preis von 21 000 Euro. Da kam ein bayerisches Rauschgifteinsatzkommando (REK) dazwischen. Bei dem Dealer klickten die Handschellen und bei dem 47-jährigen Wirt der Kneipe ebenfalls. Die Abnehmer der Ware waren V-Leute der Polizei, Scheinaufkäufer.

"Provision" für den Wirt

Seit 1. Juli 2019 sitzen der Rauschgift-Lieferant und der Gastwirt in Untersuchungshaft. Nun müssen sie sich vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt wegen Handeltreibens mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge verantworten. Der 49-Jährige hatte einige Tage davor bereits in zwei weiteren Fällen einem der V-Männer 4,5 Gramm Kokain für 500 Euro sowie zehn Gramm für 1000 Euro besorgt. Der 47-jährige Wirt kassierte 250 Euro "Provision" dafür, dass das Geschäft mit einem seiner Kunden stattfand. Für den großen Deal auf dem Parkplatz sollte er 2000 Euro Belohnung erhalten, wenn da nicht die Polizei dazwischen gekommen wäre.

Die beiden Angeklagten räumen den Vorwurf des Staatsanwalts über ihre Verteidiger vollständig ein. Bei dem 49-Jährigen fand die Polizei im Kellerabteil seiner Wohnung weitere sechs Gramm Kokain und 110 Gramm Marihuana. Von dem ebenfalls dort aufgefundenen Teleskopschlagstock  und einer PTB-Pistole – die ihm den Vorwurf des "bewaffneten Handeltreibens" mit Rauschgift einbringen – will er aber nichts gewusst haben.

Kein Wort zu Hintermännern

Der Anwalt des Gastwirts erklärt, sein Mandant sei weder Drogenkonsument noch in der Szene bekannt. Er sei von dem 49-Jährigen gebeten worden, ihm gegen Provision Kunden zu vermitteln. Er sei in Geldnot gewesen und habe mitgemacht. Die Geschäfte seien zwischen dem Mitangeklagten und dem angeblichen Interessenten, also dem V-Mann, abgelaufen. An der versprochenen Provisionszahlung sei der Wirt interessiert gewesen. So viel Stoff wie möglich sollte der 49-Jährige beschaffen, sagt dessen Verteidiger. Zu den Hintermännern in Mannheim, von denen er die Ware bezogen habe, würden aus Furcht vor Repressalien keine Angaben gemacht.     

Über diese illegalen Aktivitäten war die Polizei bestens im Bilde, durch den Scheinaufkäufer und dank Telefonüberwachung. Laut einem Polizeizeugen gebe es keine Anhaltspunkte für Geschäfte des Wirtes mit Abnehmern. Die Gaststätte sei offenbar als Treffpunkt zur Vermittlung von Drogengeschäften genutzt worden. Beim 49-jährigen Beschaffer seien bei der Festnahme 3700 Euro Bargeld beschlagnahmt worden. Für das Verfahren sind drei Verhandlungstage angesetzt.

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