Schweinfurt

Die Senkrechtstarter des Aeroclub Schweinfurt

Flug in den Sonnenaufgang: Frankens bester Jungsegelflieger 2019, Stefan Roth, auf einem "Sunrise-Flug" über Gochsheim. Foto: Stefan Roth

Es gibt sie noch, die Mysterien der Luftfahrt, zwischen Ufos und Kornkreisen. Auch auf Flugfeldern wird manchmal Merkwürdiges gesichtet: "Warum liegt hier Kalk rum?" Diese Frage stellt sich das himmelblaue Teilnehmer-T-Shirt des Bayerischen Jugendvergleichsfliegens (JVF).

Anfang Oktober trafen sich 26 Nachwuchs-Segelflieger am Ottenberg in der Fränkischen Alb, Hausflugplatz des Aeroclub Nürnberg. Stefan Roth (17, aus Hambach),  Jakob Zeiß (15, Eßleben) und der Bergtheimer Luis Obert (22) kennen die Antwort. Die  jungen Überflieger des Aeroclubs Schweinfurt sind mitgeschwirrt. Die Landebahn war mit Kalk markiert, für die Ziellandungs-Prüfung: Beim Aufsetzen auf dem idealen Feld gab's null Fehlerpunkte, oder eben, bei Abweichungen, Punktabzug.

Bayernweit den zweiten Platz belegt

Stefan Roth landete mit 45 Punkten prompt auf dem bayernweit zweiten Platz. Der junge Hambacher besitzt erst seit diesem Jahr den Segelflugschein, nach zweieinhalb Jahren Ausbildung. "Wir haben uns alle zusammen vorbereitet", gibt der Senkrechtstarter die Gratulation weiter. Segelflug ist spürbar ein Gemeinschaftssport, schon beim  gemeinsamen Herausbugsieren der Doppel- oder Einsitzer aus der Halle.

Fliegt, wackelt und hat Luft: Jakob Zeiß, Stefan Roth und Luis Obert (von links) mit einem Doppelsitzer des Aeroclub. Foto: Uwe Eichler

Bereits im September waren die Schweinfurter, zusammen mit Aeroclubber Maximilian Baier, beim Fränkischen Regionalentscheid  in Hersbruck an die Spitze geflogen, in der Teamwertung. Am Ende stand Stefan Roth auch in der  Einzelwertung auf Platz 1. Nun geht es für den Qualifikanten  zum Bundes-JVF nach St. Michaelisdonn, an der Nordsee.

"Vorturnen" am Ottenberg

Es brauchte schon Koordination und Gespür fürs Flugzeug, beim mehrminütigen "Vorturnen" am Ottenberg. Aufgrund widriger Wetterbedingungen gab es nur einen Durchgang, der kleinste Fehler zählte. Schon das ordentliche Ausklinken aus der Windenleine, nach dem Hochkatapultieren, wurde von der Jury bewertet. Beim Rollen musste mit den Flügeln gewackelt werden, ohne "umzukippen". Dabei wird das Höhen- zusammen mit dem Seitenruder betätigt: "Verzählen darf man sich nicht." Saubere Kurven aller Art wurden ebenso verlangt  wie der Schräggleitflug: Das Querstellen des Flugzeugs, um schnell (und kontrolliert) an Höhe zu verlieren, vor einer abgekürzten Landung.

Mit dem Flugsimulator auf den Geschmack gekommen

"Ich bin durch den Flugsimulator zum Segelfliegen gekommen", erzählt Stefan. Nach einem Schnupperfliegen beim Club, 2016, ging es für den Flugschüler fränkisch-brasilianischer Abstammung los. Allein neun Fächer umfasst der theoretische Teil der Ausbildung, mit Wetterkunde, Thermik, Flugphysik, oder Einweisung ins Thema "menschliches Leistungsvermögen".  

Beim Erstligisten "Aeroclub Schweinfurt" liegt eine Fachzeitung aus, wo vom aktuellen Höhenrekord eines Segelflugzeugs berichtet wird: 2018 stieg die "Perlan 2" auf mehr als 23 Kilometer Höhe empor, Richtung Weltall. Möglich wurde der Himmelssturm dank Druckkammer und Sauerstoffmasken, in hochbrandenden "Wellenaufwinden" der Anden. Ein Kondor macht bei 7000 Metern schlapp. Aber selbst über den heimischen  Hügeln am Main werden Höhen von 3000 Metern erreicht. Jenseits dieser Grenze, in rasch dünner werdender Luft, müsste ein Pilot über eine Sauerstoff-Anlage nachdenken.

Segelflugschein ab 14 Jahren möglich  

Auch Verkehrsrecht gehört zum Unterricht. "Wenn zwei Flugzeuge aufeinander zufliegen, weichen beide nach rechts aus." Ab 14 kann in Deutschland der Segelflugschein absolviert werden, lange vor dem Autoführerschein. Mit 15 dürfen Schüler ihre Kunststoff-Adler alleine fliegen, in einer Welt der Wolkenberge und Windwirbel, dafür ohne Lichthupe, Stau und Massenkarambolagen.

Das Clubhaus gehört zum Jungflieger-Dasein ebenso dazu wie geduldiges Warten aufs passende Wetter, oder Ausbesserungsarbeiten in der Werkstatt. An diesem Tag betätigen sich Manfred Zeiß und andere Helfer beim Streichen der Wände. Der Vater von Jakob Zeiß ist begeistertes Mitglied der "Schweinfurter Gleitschirmfreunde", ebenso wie Mutter Elisabeth.

So langsam wird es ruhig am "Flugplatz Schweinfurt-Süd". Wenn das Wetter wieder aufklart, naht das "Abfliegen", der letzte Flug vor dem Saisonende. Ein Fallschirm zählt ebenfalls zur Ausrüstung. Gebraucht wurde er zum Glück noch nie. Zehn Jugendliche unter den etwas mehr als 50 Aktiven zählen zum Nachwuchs. Weitere Neuzugänge in den Gefilden von Ruhe, Freiheit, Sonne und Fernsicht sind jederzeit willkommen.

Demnächst will Stefan Roth seiner Schule, dem Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, einen Einsitzer präsentieren, im Rahmen eines P-Seminars "Physik zum Anfassen": um Grundschülern die Faszination des Fliegens nahe zu bringen.

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