RÖTHLEIN

Die Umlaute werden zum Zungenbrecher

In der Gruppe lernen: Thuan, Golnaz, Gitty, Mirzeta und Alena fühlen sich mit ihren Kindern im Sprachkurs von Brigitte Götz (links) und Christa Schöberl sichtlich wohl und lernen gerne Deutsch, das ehrenamtliche Projekt ist für sie ein wichtiges Mittel zur Integration. Foto: Daniela Schneider

Das Wort „Österreich“ geht uns Deutschen ganz unbewusst flüssig über die Lippen, für Mirzeta aus dem Kosovo allerdings ist dieses Wort mit seinem Umlaut ein richtiger Zungenbrecher. Seit mehreren Wochen lernt die junge Frau in Röthlein Deutsch, über Zirndorf ist sie mit ihrer Familie – wie auch die Bosnierin Alena und die Iranerin Golnaz und ihre Mutter Gitty – in die Landkreisgemeinde gekommen. Fünfte im Bund ist die Vietnamesin Thuan, gemeinsam besuchen sie den ehrenamtlichen Deutsch-Sprachkurs für Asylbewerberinnen, der seit etwa zwei Monaten im Pfarrheim angeboten wird. Das Ganze läuft über die Freiwilligenagentur GemeinSinn, die schon seit längerem intensiv nach ehrenamtlichen Sprachkursleiterinnen im Landkreis suchte und bei Brigitte Götz und Christa Schöberl damit offene Türen einrannte.

Die Röthleinerinnen sind als Sozialpädagogin und Lehrerin dafür zwar prädestiniert, betonen aber beide, dass die berufliche Vorbildung eigentlich nicht wichtig ist. Das Konzept ist ebenso einfach wie effektiv und richtet sich an Asylbewerberinnen mit kleinen Kindern, die nicht die Möglichkeit haben, Röthlein zu verlassen. Während sich die Frauengruppe durch die einzelnen Kapitel des deutschen Spracherwerbs arbeitet, spielen die Kinder mal mehr oder – wie das so ist – auch weniger friedlich miteinander. Im Notfall greifen die beiden Kursleiterinnen ein und besänftigen die Kleinen mit Vorlesen oder Malbuch. Auch das gehört zum Konzept, da es zwei Kursleiterinnen sind, kann sich eine immer mal wieder um die Kinder kümmern, aber auch urlaubs- oder krankheitsbedingte Ausfälle können so aufgefangen werden. Momentan einmal wöchentlich lernen die fünf Frauen, die mit ihren Familien in der Röthleiner Asylbewerberunterkunft leben, Deutsch im kleinen, multikulturellen Kreis.

Die Schicksale sind ähnlich: politische, religiöse oder kulturelle Gründe haben das Leben in der krisengeschüttelten Heimat unmöglich gemacht. Die Flucht nach Deutschland: ein Weg aus der Angst, wie Darko, der Mann von Mirzeta erzählt. Nicht weil sie es nicht erzählen darf, sondern einfach, weil er noch das bessere Deutsch spricht. Die Zukunft für diese Menschen liegt – wie sie es selbst sagen – in Deutschland, doch ob sie bleiben dürfen, ist ungewiss.

Die Deutschkenntnisse sind ein wichtiges Mittel zur Integration und vereinfachen die Kommunikation mit Behörden, Ärzten und Beratungsgremien. Die Frauen lernen gerne und würden, wenn möglich, mehr als einmal in der Woche in der entspannten Atmosphäre zusammensitzen und Deutsch lernen.

Die Planungen laufen, ab September wird wohl – so Brigitte Götz – ein zweiter Tag in Röthlein angeboten, die ehrenamtlichen Sprachlehrerinnen dafür sind bereits gefunden, weitere Interessierte können sich aber gerne jederzeit bei der Freiwilligenagentur GemeinSinn melden, denn die Sprachkurs-Angebote auf ehrenamtlicher Basis laufen an zwei weiteren Standorten (Gerolzhofen und Gochsheim) und unterstützend in Poppenhausen. Zum Schuljahresbeginn soll eine noch nicht bestehende Gruppe für die Asylbewerber in Werneck-Stettbach mit einem Angebot starten. Kontaktmöglichkeiten: Tel. (0 97 21) 9 49 04 27 oder info@freiwilligenagentur-gemeinsinn.de.

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