THEINHEIM

Die Waldgeister bekommen Verstärkung

Koppenwinder Glocke: Der Gerolzhöfer Bildhauer Florian Tully arbeitet an dem Wildschwein, das der Sage nach im Wald eine Glocke ausgegraben haben soll. Foto: Tully

Zur Aufwertung des bestehenden Skulpturenweges im Schulterbachtal, wandte sich Michael Bayer, der Wirt des Grünen Baums im Rauhenebracher Ortsteil Theinheim, an den Bildhauer Florian Tully aus Gerolzhofen.

Tully konnte für ein Symposium drei weitere Bildhauerkollegen gewinnen: Rudolf Schneidmadel aus Ebelsbach, und die renommierten Bildhauer Jiri Genzer und Jan Svadlenka, beide aus Prag. Sie kamen direkt vom Sandbildhauern von den Ostseeinseln Rügen und Usedom kamen.

13 Stämme, bis zu 3,50 m hoch, waren vorbereitet, als es für die vier Künstler endlich losgehen konnte. Die Bäume waren nicht einfach zu bearbeiten, da mussten Gerüste gebaut und Plattformen errichtet werden, um einen sicheren Stand für die Arbeiten mit den Kettensägen zu gewährleisten. Die Bedingungen erforderten äußerste Körperanspannung und Muskelkraft in dem anfangs noch feuchten Waldboden.

Nachdem Tully und Armin Oppelt alles organisiert hatten, flogen im wahrsten Sinne des Wortes die Späne. Es war eine Freude, zu erleben, wie die Skulpturen unter den Händen der Künstler entstanden, wie die Kettensägen durch das Holz glitten, mal energisch, mal zart, und dann wieder Stemmeisen und Knüpfel zum Einsatz kamen.

So wurde drei Sagen aus der heimischen Gegend ein Gesicht verliehen. Der von der „Koppenwinder Glocke“: Ihr zufolge soll ein Wildschwein eine Glocke ausgegraben haben, die so wunderschön klang, dass Mönche sie mit Golddukaten aufwiegen wollten. Weil sie aber abgewiesen wurden, zerstörten sie die Glocke durch einen Nagel. Der Koppenwinder Glocke verlieh Florian Tull ein Gesicht.

Den gespenstischen „Reiter von Theinheim“ realisierte Jiri Genzer. Der Sage nach soll ein kopfloser Reiter immer wieder gespenstisch in dem Rauhenebracher Ortsteil auftauchen. Die Sage der „Quelle vom Frauenreisig“ setzte Rudolf Schneidmadel um: Sie handelt von einer Schlange, der, in einer Quelle badend, ihr Krönchen gestohlen wurde, so dass die Quelle auf immer versiegt sein soll.

Doch wer dem Weg folgt, dem zeigt sich bald die Quellnymphe als Symbol für das Wasser des Lebens. Immer weiter locken in den Wald Feen, Waldgeister und die Bewohnerin des Weltenbaumes. Selbst der König mit Gemahlin ist anwesend und Till Eulenspiegel wirft seinen schelmischen Blick. Und stolz wacht am Ende des Skulpturenwegs der Ritter mit der Lanze.

Aber auch an die Abenteuerlust der Kinder wurde gedacht. Nahe dem Tipi dürfen sie Saurier und Drachen reiten und im Kampf bezwingen.

Wie gerne die vier Bildhauer an diesem Projekt im Theinheimer Steigerwald gearbeitet haben, ist den Skulpturen anzusehen. Ihre Freude beim Gestalten überträgt sich auf den Betrachter und erweckt die Entdeckungslust aus Kindertagen. So wird der Skulpturenweg nicht nur für Kinder zum vergnüglichen Erlebnis, sondern auch für Erwachsene.

Florian Tully dankte am Ende des Bildhauer-Symposiums, auch im Namen seiner Mitstreiter, dem Wirt des „Grünen Baums“ in Theinheim, Michael Bayer, für seine Initiative, dessen guten Geistern für die Unterstützung, die hervorragende Küche und das frische Bier aus eigener Brauerei.

Neue Kunstwerke inmitten von viel Grün: Um 13 Motive wurde der Skulpturenweg im Wald beim Rauhenebracher Ortsteil Theinheim von vier Künstlern erweitert. Foto: Fotomontage: Tully

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