HAMBACH

Die Welt nach Franken holen

Marcel Geißler ist einer von vier Gesellschaftern der DDC Company. Der 21-jährige Hambacher tanzt seit 2007 in der Breakdance-Gruppe.

Der 21-jährige Hambacher ist sich sicher: Am besten funktioniert's, wenn man das macht, was man gern macht, und das ist auch persönlich angenehm. Mit seiner Breakdance-Gruppe ist Marcel Geißler inzwischen deutschlandweit und darüber hinaus unterwegs, hat viele Preise gewonnen und so manchen Fernsehauftritt gehabt.

Frage: Herr Geißler, wie sind sie denn ausgerechnet zum Breakdance gekommen?

Marcel Geißler: Ich habe die Gruppe DDC 2006 das erste Mal auf dem Hambacher Fasching gesehen. Das hat mir gefallen. Ich habe Probestunden genommen und dann neben dem Fußballspielen begonnen, zu tanzen. Erst einmal die Woche, dann zweimal und am Ende jeden Tag. Ein halbes Jahr später, 2007, war ich schon bei meinen ersten Deutschen Meisterschaften dabei und habe im Solo einen achten Platz belegt. Zwei Wochen später wurde ich in die DDC aufgenommen, obwohl ich noch nicht so viel konnte wie die andern, aber ich lerne schnell.

Und was war mit dem Fußball?

Geißler: Eine zeitlang ist der noch so mitgelaufen, schließlich war mein Vater ja auch mein Trainer. Aber 2008 bin ich endgültig ausgestiegen. Mein Vater war erst enttäuscht, ich war auch ein guter Fußballer, aber das Tanzen fand er dann doch auch gut. Ich habe dann selbst Unterricht im Breakdance gegeben und trainiert, trainiert, trainiert. Ein guter Breakdancer wird man nur durch Üben, in der Gruppe puschen wir uns gegenseitig.

Hat so etwas wie Schule auch noch stattgefunden?

Geißler: 2011 habe ich Abitur gemacht, es war noch Zeit genug. Ich bin vormittags in die Schule, nachmittags zum Training und abends nach Hause. Von nichts kommt nichts. Man muss auch nicht viel lernen, um Abi zu machen. Man muss nur schlau genug sein, das zu lernen, was man braucht.

Zurück zur Tanzkarriere. Wie ging‘s da weiter?

Geißler: 2009 war ein eher ruhiges Jahr, zwei von uns waren im Ausland, aber wir anderen haben kräftig trainiert und 2010 ein Comeback gewagt. DDC gewann sowohl bei den deutschen also auch bei den europäischen und den Weltmeisterschaften jeweils den zweiten Platz, 2012 haben wir dann alle drei Wettbewerbe für uns entschieden. Außerdem kamen wir ins Halbfinale bei „Das Supertalent“. Rund fünf Millionen Zuschauer sahen uns. Da war mir klar, dass man für seinen Erfolg mehr tun muss als tanzen. Ich bin ins Management eingestiegen. Habe mich ums Marketing gekümmert und aktiv Kundenakquise betrieben.

Aber das hatten Sie doch nie gelernt?

Geißler: Ich habe halt Kollegen um Rat gefragt, und alles Weitere lernt man aus Erfahrung. Außerdem habe ich nach dem Abitur ein Fernstudium in Sportmanagement gemacht und abgeschlossen. Allerdings mehr, um meine Mutter zufriedenzustellen. Durch Tanzen lernt man die „hohen Tiere“ kennen, und die schauen eher auf das, was man kann, als auf das, was man gelernt hat. Wie man eine Gruppe vermarkten kann, das kann kein Professor lehren, weil der die Gruppe ja gar nicht kennt. Ich versuche, mich in die Kunden hineinzuversetzen und frage: „Wann und wofür würde ich diese Gruppe buchen?“

Und das hat augenscheinlich gut funktioniert, sie sind 2013 ausgebucht gewesen.

Geißler: Ja, wir haben 2011 ja auch noch mit etwas völlig Neuem angefangen. Anlässlich des MusikOnVideo-Festivals in Schweinfurt haben wir eine 20-minütige Theatershow auf die Bühne gebracht, die dann im November 2012 zu der 70-minütigen Show „Weg der Elemente“ erweitert wurde und Premiere im Schweinfurter Theater feiern durfte. Kaum war das geschafft, kam das Projekt mit Christoph Hagel, Mozart mit Breakdance zu verbinden – wir haben dann die Show „Breakin' Mozart“ produziert. Zwei Wochen vor deren Premiere hatten wir die Aufnahmen zur Castingshow „Got to dance“. Das war eine sehr krasse Zeit. Wir haben gar nicht realisiert, was wir da eigentlich machen. Aber es war ein Fulltime-Job. Wir hatten jede Woche mehr als drei Shows deutschlandweit und zwei Vorführungen im Mainfranken-Theater Würzburg mit „Weg der Elemente“.

Das heißt, Sie haben nach dem Abitur nur für DDC gearbeitet?

Geißler: Nach dem Abi sollte man sich erst einmal ein Jahr lang auf das konzentrieren, was einem Spaß macht, das würde ich jedem raten. Danach habe ich mit dem Gedanken gespielt, Medienmanagement zu studieren. Aber mittlerweile funktioniert das mit dem Tanzen ohne Probleme. Studieren kann man auch noch, wenn man älter ist. Man bereut nur die Sachen, die man nicht gemacht hat.

Ist das Tanzen jetzt ihr Beruf?

Geißler: Einerseits ja, andererseits habe ich mir auch ein zweites Standbein geschaffen. Im Mai haben wir die DDC Entertainment UG & Co KG gegründet. Die hat vier Sparten: die DDC Showgroup für die Galaauftritte, die DDC Company für die Showproduktionen, die DDC Workshops mit Breakdance-Kursen und die DDC-Agentur, mit der wir besondere Events promoten wie beispielsweise „Schweinfurt blobt“, das wir heuer mit 9000 Besuchern erstmals am Baggersee durchführten. Inzwischen sind wir im Management schon zu zweit, denn allein ist das nicht zu schaffen.

Wenn das mit dem Tanzen also einmal nicht mehr geht, dann steigen sie voll ins Management ein?

Geißler: Tanzen kann man gut bis 40 Jahre und mehr, da mach ich mir noch keine Gedanken. Bis dahin habe ich dann so viel Erfahrung im Management, dass das auch allein weitergeht.

Und wie geht's im kommenden Jahr weiter?

Geißler: Also „Schweinfurt blobt“ werden wir wieder machen, außerdem die Deutschen Breakdance-Meisterschaft und ein weiteres Highlight, zu dem ich noch nichts verraten will. Wissen Sie, Franken ist im Blick der Medien und Öffentlichkeit etwas abgeschottet, wir wollen die Welt nach Franken holen.

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