Gerolzhofen

Die heutigen Fußwasch-Dienste

Statt einer richtigen Fußwaschung wurden in der Messe zu Gründonnerstag elf verschiedene "Fußwasch-Dienste" vorgestellt. Foto: Johannes Vogt

Mit einer ungewöhnlichen Art der "Fußwaschung" ließen Pfarrer Stefan Mai und Mitglieder des Pfarrgemeinderates in der Stadtpfarrkirche die Gläubigen in der Messe am Gründonnerstagabend aufhorchen.

In vielen Gemeinden gebe es, so Pfarrer Mai, vor dem Gründonnerstag im Pfarrgemeinderat regelmäßig eine Diskussion: Fußwaschung ja oder nein? Wenn Fußwaschung, dann: Wer lässt sich die Füße waschen? Oft habe man dann seine liebe Müh und Not, die "zwölf Jünger" zusammenzubringen aus Männern und Frauen des Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung, aus den Reihen der Ministranten und Kommunionkinder. Hinter dem Gezaudere steckt einfach die Tatsache, dass der Ritus der Fußwaschung, den zur Zeit Jesu die Sklaven an den Festgästen oder ihren Herren verrichten mussten, heute nicht mehr so recht verstanden wird.

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Feier an Gründonnerstag

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Damals zu Zeiten Jesu, als man noch mit Sandalen oder barfuß auf den staubigen Straßen unterwegs, verstand jeder diesen niedrigen Dienst. Vor dem gemeinsamen Mahl wurden stets die Füße gewaschen. Da man die Mahlzeit meist liegend einnahm, waren die Füße sozusagen auf Augenhöhe und da sollte sie aus Respekt vor den anderen gereinigt sein.

Aber wie soll man den Sinn der Fußwaschung heute neu zur Sprache bringen, stellte Pfarrer Mai die rhetorische Frage. Mit der Fußwaschung stelle Jesus die soziale Rangordnung auf den Kopf und gebe die Erklärung selbst, indem er sage: „Wenn ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben.“ Jesus adele also die niedrigen Dienste und rufe zum Dienen auf, betonte Pfarrer Mai. Auch heute stelle sich die Frage: "Wo entdecken wir in unserer Gesellschaft Menschen, die zu Diensten bereit sind, die so gern übersehen oder als niedrig angesehen werden und oft dazu niedrig bezahlt sind. Es sind Dienste, die heute Menschen 'die Füße waschen'“.

 

 

Statt der tatsächlichen Fußwaschung stellten unter anderem die Mitglieder des Pfarrgemeinderates dann elf verschiedene "Fußwasch-Dienste" vor und legten ein dazu passendes Symbol auf die bereitstehenden Stühle ab. Vertreten waren unter anderem eine Toilettenfrau und eine Zeitungsausträgerin, eine Großmutter, die tagsüber die Kinder ihrer alleinerziehenden berufstätigen Tochter betreut, ein Müllwerker, ein Mann, der bettlägerige Familienangehörige zuhause pflegt und eine alte Frau, die für andere nur noch beten kann, aber auch eine junge Ministrantin, die von ihren gleichaltrigen Mitschülern wegen ihres Dienste nur milde belächelt wird. 

Bei der Prozession in die Johanniskapelle sang die Männerschola der Stadtpfarrkirche am Gründonnerstagabend auf dem Plat... Foto: Johannes Vogt

Der zwölfte Stuhl blieb leer. Statt des zwölften Berufs hatte Pfarrer Mai nur ein großes Fragezeichen dabei. "Im Namen dessen, der seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, fragt er mich: Was ist dein Dienst für oder an Menschen?"

Die Feier wurde von der Männerschola der Stadtpfarrkirche unter der Leitung von Kantor Karl-Heinz Sauer umrahmt, die auch bei der kleinen Prozession zur Johanniskapelle auf dem Platz vor der Außentreppe sang. In der Johanniskapelle fanden dann bis Mitternacht Anbetungsstunden statt.

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