SCHWEINFURT

Die unendliche Reise der Menschen

„Jeder Mensch hat Lust, irgendwann ein Buch zu schreiben.“ Saulo Fonseca aus Schweinfurt hat's getan. Seinen Roman „AstroTown“ hat der Schulfotograf in den Pausen geschrieben, auf seinem iPhone.
„Jeder Mensch hat Lust, irgendwann ein Buch zu schreiben.“ Saulo Fonseca aus Schweinfurt hat's getan. Seinen Roman „AstroTown“ hat der Schulfotograf in den Pausen geschrieben, auf seinem iPhone. Foto: Laszlo Ruppert

„Die Menschen werden niemals den Mars besiedeln, oder den Mond“, sagt Saulo Fonseca. Irgendwann werden sie aber auf eine lange, unendliche Reise gehen müssen, glaubt der 36-Jährige, weil die Erde durch Umweltverschmutzung, Kriege und Naturkatastrophen unbewohnbar geworden ist.

In seinem Roman „AstroTown“ beschreibt der gebürtige Brasilianer, der seit rund fünf Jahren in Schweinfurt zu Hause ist, das Leben auf einer riesigen internationalen Raumstation. „Es ist ein autarkes System“, erklärt er, „in der die Menschen alles produzieren, was sie brauchen, wo Ressourcen geschont werden und nichts verschwendet werden darf.“ Es ist eine Geschichte, wie die Zukunft aussehen könnte, ein „klassischer Science-Fiction-Roman“ wie der Autor sagt.

An seinem Buch gearbeitet hat er täglich zwei Mal 15 Minuten. In den Pausen tippte der Schulfotograf die Texte in sein iPhone. Eigentlich wollte er dadurch vor allem Englisch lernen. Doch irgendwann merkte er, dass die vielen kleinen Szenen und Episoden, die er in der Fremdsprache beschrieben hat, ganz gut zusammenpassen. „Es waren verschiedene Szenarien, die ich nur leicht ändern und dann zusammenfügen musste.“

Neun Monate hat er an seinem Kurzroman gearbeitet, seit einem halben Jahr kann man diesen als E-Book im Internet kaufen, in englisch, deutsch und portugiesisch. Etwa achthundert Exemplare, sagt Fonseca, seien schon über die virtuelle Ladentheke gegangen, für ein bis drei Dollar das Stück.

Durch E-Books hätten viele Autoren die Möglichkeit, ihre Werke zu veröffentlichen. Bücher, die Verleger bisher abgelehnt haben. „Dabei hat doch jeder Lust, einmal ein Buch zu schreiben“, sagt der 36-Jährige. Er hofft aber auch, dass sein Buch irgendwann einmal bei einem richtigen Verlag erscheint. „Und wenn es einmal Grundlage für einen Film wird, werde ich reich“, sagt er und lächelt dabei.

Sein Interesse für Science Fiction hat Fonseca, der aus Recife im Nordosten Brasiliens stammt, als Jugendlicher in den 1980er Jahren entdeckt. „2001. Odyssee im Weltraum“ nennt er als eines der klassischen Beispiele, das ihn auch beim Schreiben seines Buchs inspiriert hat. Doch auch für Filme wie „Terminator“ und „Matrix“ kann sich Fonseca begeistern.

„Science Fiction ist eine Art Spiel“, sagt er. Eine Schätzung, wie die Zukunft aussehen könnte. „Man denkt sich eine andere Realität aus, abseits all dessen, was man heute kennt.“ Ein Thema aber wiederhole sich in fast allen Science-Fiction-Geschichten: der Kampf, die Rivalität, das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, auch in „AstroTown“. Dort hat ein Computer die Kontrolle übernommen. Ein Teil der Menschen ist für diese Computerherrschaft, ein anderer versucht, ein neues System aufzubauen. Fonseca vermeidet dabei, eindeutig Stellung für eine der beiden Seiten zu beziehen, sagt er. „Es ist ein Buch für Erwachsene. Es gibt nicht nur gute und schlechte Charaktere, sondern mehrere Seiten.“

Daneben geht es um Physik, Astronomie und Technologie. Seit seiner Jugend interessiert sich Fonseca für technische Neuerungen. Seinen ersten Computer hatte er schon 1989, das erste Navigationsgerät Ende der 1990er. Er lernte Elektroniker und arbeitete später als Multimedia-Manager an der Bundesuniversität Pernambuco. Nach Deutschland gekommen ist er durch seine jetzige Frau, die in Brasilien studiert hat. Seit etwa fünf Jahren leben sie zusammen in Deutschland. „Hier ist es viel sicherer“, nennt er einen der Gründe, weshalb er hier bleiben möchte. Mit einem teuren Telefon oder einer teuren Uhr auf die Straße zu gehen, sei in Brasilien „undenkbar“.

Pläne, ein neues Buch zu schreiben, hat Fonseca vorerst nicht. Jetzt gehe es erst einmal darum, „AstroTown“ bekannt zu machen, sagt er. Sein Englisch möchte er aber weiterhin verbessern. Zurzeit steht die Aussprache auf dem Programm. Statt zu schreiben, liest er gerade Bram Stokers „Dracula“. Zeit dafür nimmt er sich in den Pausen, täglich zwei Mal 15 Minuten.

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