SCHONUNGEN

Die wunderbare Welt der Wikinger

Rollenspiel live und mit Schwert. Auch wenn die Waffen mit Gummi überzogen und nicht scharf sind, die Herausforderungen, die ein Rollenspiel wie „Airikas Traum“ bereithält, müssen gemeistert werden. Foto: Helmut Glauch

Wenn echte Wikinger, vor 1000 oder mehr Jahren, eine Platz zum Siedeln gesucht hätten, vielleicht wären sie auch nicht an dem Areal zwischen Main und Schonungen, das heutzutage Alban-Park genannt wird, vorbeigezogen.

Der Platz ist hervorragend für so ein Event wie das Wikinger-Spektakel geeignet, sind sich Silvia Joiner und Ralf Hofmann von der Schweinfurter Agentur für Livemarketing, die die Wikinger an den Main gebracht hat, einig. Auch Schonungens Bürgermeister Stefan Rottmann ist begeistert. „Der Platz wird eigentlich viel zu selten genutzt, für so ein Treffen ist er ideal“.

Das fanden auch die Akteure, die ein Wochenende ihre ganz persönliche Zeitreise in die Welt der Wikinger antraten und Tausende Besucher, die vor allem am Samstag und Sonntag regelrecht strömten um Kunsthandwerk, Kämpfer oder Kulinarisches aus dem Mittelalter zu erleben.

Authentisches Handwerk wie im Mittelalter

Für die Region war es eine Premiere, dieses Angebot aus Markt, museumspädagogischem Konzept und Musik. „Authentisch soll es sein, das Handwerk wird so präsentiert, wie es einst ausgeübt wurde“, betont Thomas Molz, der die Abstimmung unter den mehr als 150 Mittelalter-Akteuren auf dem Platz koordinierte. Menschen mit ganz normalen Berufen, aber mit dem Wunsch für ein Wochenende Urlaub zu machen von der digitalen und modernen Welt und abzutauchen in eine Zeit, die gewiss nicht einfacher, aber wahrscheinlich übersichtlicher war.

Schwert im Feuer, Bier im Kessel

Menschen, die das Lagerleben und die Gemeinschaft zu schätzen wissen wie Sascha Salzwedel aus Gütersloh. Der junge Mann hat tatsächlich noch das traditionelle Schmiedehandwerk gelernt. Hochwertige handgemachte Messer sind sein Metier. Aber auch Äxte und Schwerter produziert er so, wie dies Schmiede schon im Mittelalter taten. Ein Blasebalg, eine Esse, Hammer und Amboss reichen um das Werk gelingen zu lassen.

Ohne Feuer käme auch Köchin Blina nicht aus. Ihre „Waffe“ ist allerdings nicht das Schwert, sondern ein großer Kochlöffel, denn sie kocht über dem offenen Feuer mittelalterliches Bierfleisch. „Fleisch in Bier gekocht und ganz viel Gemüse dazu, wie es das damals schon gab“, meint sie lächelnd.

Ein Gaumenschmaus, wie er wohl auch schon den echten Wikingern in den Holzteller gekommen ist. Um in Schonungen ihr Feuer anzuschüren war sie mit ihrem Mann aus der Nähe von Kiel angereist.

Es werde Licht mit Schweineblasen

Urige Holzlaternen mit Scheiben aus Eichenholz und „Fenstern“ aus getrockneten Schweineblasen baut René Pirtner, der gemeinsam mit Katharina Emmert aus Rothenburg ob der Tauber nach Schonungen gekommen ist. Faszinierende Lampen, einfach aber sehr praktisch, entstehen unter seinen Händen aus natürlichen Materialien und finden ihre Abnehmer.

Ein ebenfalls nahezu ausgestorbenes Handwerk, das es vor dem Vergessen zu bewahren gilt, hat Weberin Alexina mitgebracht. Kamm- und Brettchenweben nennt sich diese Kunst, wofür es einer aufwendigen Apparatur ähnlich eines herkömmlichen Webstuhls bedarf. Schon vor 3000 Jahren wurden so vor allem Schmuck-Borden, Bänder und Schnüre hergestellt. Die schönen Bänder kann man zum Beispiel auch als schmückenden Gürtel tragen.

Platz nehmen und den Klang des Herzens spüren

Für musikalische und andere Wohltaten sorgt Axel Wartburg, der eine Art musikalischen Stuhl mitgebracht hat. „Klang des Herzens“ nennt sich dieser Stuhl, der von hinten mit vielen Saiten bespannt ist. Gleichmäßig angeschlagen entstehen sanfte Töne in GIS-Dur, die dem, der auf dem Stuhl Platz genommen hat, helfen zur Ruhe und eigenen Mitte zu finden. Ein „Erdenton“ wie Wartburg betont, der auch als „Leybkneter“ in seinem Zelt für Entspannung sorgt. Und Fürwahr, beim Selbstversuch auf dem „Monochord-Stuhl“ mit dem Klang des Herzens, wird spürbar, was es heißt wenn man davon spricht, das Töne eine beruhigende Wirkung haben.

Nach dieser etwas anderen Klangtherapie sind es die „Live-Rollenspieler“ die mit einem Schwertkampf die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Rollenspiele, wie „Das schwarze Auge“ werden normalerweise mit Papier und Bleistift gespielt. Live-Rollenspieler gehen einen Schritt weiter, schlüpfen selbst in die Kostüme ihrer erdachten Helden. Andrej und Frederike aus Schweinfurt und ihre Freunde haben sich das Spiel „Airikas Traum“ ausgedacht und müssen, als junge Barden auf dem Weg in eine Bardenakademie, allerlei Herausforderungen bestehen.

Mutzbraten und Met-Bier

Die Gauklershow mit Fridericus Rabarbarus, flotte mittelalterliche Töne mit „Tancredo und Lothar“, dem „Duo Obscurum“ oder allen vieren gemeinsam, runden das Programm ab. Auch die Falknershow der Falknerei Jose Rösner findet große Beachtung und im Wikinger-Kinderdorf werden die Stühle nicht kalt, wenn es zum Beispiel darum geht Amulette herzustellen oder Hörner zu schleifen.

Wer Hunger bekommen hat, der kann sich neben erwähntem Bierfleisch auch einen Mutzbraten und dazu ein Met-Bier im Tonkrug oder ein selbst geröstetes Stockbrot schmecken lassen. Muss angenehm gewesen sein, das Wikingerleben. Vor allem wenn das Wetter passt, die Töpfe voll und die Kämpfe nur Show sind, wie das beim Schonunger Wikinger-Spektakel der Fall war.

Der ganze Stuhl ist wohltuende Musik. Axel Wartburg erweitert die Klangtherapie um ein praktisches Sitzmöbel, das von hi... Foto: Helmut Glauch
Schweres Gerät für feine Borden und Schnüre. Alexia hat sich dem Brettchen- und Kammweben verschrieben Foto: Helmut Glauch
Handarbeit statt Handy. Kinder schwangen die Feilen um aus Speckstein Amulette zu machen. Foto: Helmut Glauch
Ursprüngliches Schmiedehandwerk. Sascha Salzwedel schürte in seiner mobilen Schmiede das Feuer. Er stellt Messer, Äxte u... Foto: Helmut Glauch
Je größer das Horn, desto tiefer der Ton. Die Töne, diese Herren erzeugten, waren auf dem ganzen Platz zu hören. Foto: Helmut Glauch
Werr will da nicht beschützt werden. Bill Guild, einst als amerikanischer Soldat in Schweinfurt stationiert, kam als Wik... Foto: Helmut Glauch

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