HAMBACH/DITTELBRUNN

Dittelbrunn droht mit Klage gegen Windräder

Drei Windräder sollen auf der Maibacher Höhe gebaut werden. Eins davon unterschreitet den Mindestabstand zur Dittelbrunner Wohnbebauung. Unser Bild zeigt den Windpark bei Forst. Foto: Horst Breunig

Emotionale Bürgerversammlungen zum Thema „Neubau von Windkraftanlagen“ gab es schon einige. Bei einer Infoveranstaltung, zum geplanten Windpark auf der Maibacher Höhe, in Poppenhäuser Gebiet, zog der altbekannte Konflikt nun größere Kreise. Betroffen von dem Projekt sind sieben Ortschaften in drei Gemeinden: Maibach, Poppenhausen, Kronungen, Oberwerrn, Niederwerrn, Hambach und Dittelbrunn. Rund 100 Besucher kamen in die Turnhalle.

Mindestabstand nicht eingehalten

Poppenhausen will den Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan aufstellen, für ein „Sondergebiet Wind“ an der Grenze zu Dittelbrunn und Niederwerrn. Der Dittelbrunner Gemeinderat hat im Rahmen der öffentlichen Beteiligung bereits protestiert, unter Verweis auf die 10H-Regelung. Der Mindestabstand zur Wohnbebauung in Hambach und Dittelbrunn – das Zehnfache der Höhe bis zur Rotorspitze – werde teilweise nicht eingehalten.

Vor allem zwei Räder rücken der Marienbachtal-Gemeinde auf die Pelle. Drehen sollen sich Anlagen mit Höhen von 164 Metern bis zur Nabe und 231,5 Metern inklusive Rotor. Bürgermeister Willi Warmuth ist bereit, einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen. Auf der Versammlung kündigte er ein „Normenkontrollverfahren“ an, falls Dittelbrunns Einwendungen in Poppenhausen kein Gehör finden: eine Klage gegen die Planungen. Der Niederwerrner Bauausschuss hat ebenfalls schon Kritik geäußert.

In Hambach ging es nun nicht allein um Sorge für bedrohte Flugtiere, Infraschall, Schattenwurf und verschandelte Landschaft. Sondern auch um Grundsatz-Fragen der Energiepolitik: Einige Kritiker plädierten dafür, per Erdverkabelung Offshore-Windstrom zu beziehen, um die eigene Landschaft zu schonen. Zweifel wurde auch an der Wirtschaftlichkeit der drei Großräder laut.

Anwesend war auch die Spitze der Energiegenossenschaft Oberes Werntal (EOW). Die EOW sieht das Projekt als Teil eines umfassenden Konzepts zu CO2-Einsparung und lokaler Energiewende an, mit Bürgerbeteiligung. „Wir werden das System umbauen von zentraler zu dezentraler Versorgung“, hofft Aufsichtsratsvorsitzender Werner Göbel. Ein Nebenkonflikt entspann sich um die Frage, inwieweit die nicht offiziell zur Gemeindeveranstaltung eingeladenen EOW-Vertreter den aufgebrachten Besuchern detailliert hätten Rede und Antwort stehen müssen.

„Die Zeit war sehr knapp“, sagt Bürgermeister Willi Warmuth. Erst am 6. Juli habe man ein Schreiben vom Planungsbüro erhalten. Die Dittelbrunner monieren, nicht vor Beginn der offiziellen Anhörung eingeweiht worden zu sein. Das sei unter „guten Nachbarn“ üblich, findet Gemeinderat Jürgen Markert. Ob der Windrichtung sei vor allem Hambach betroffen.

Amtskollege Lukas Hartung referiert die Gemeindesicht. Ende Juli hat es ein einstimmiges „Nein“ im Gemeinderat gegeben, der die eigene Ortsplanung und Entwicklungsmöglichkeiten, für neue Baugebiete, eingeschränkt sieht. „Die Sinnhaftigkeit der Windenergie ist unumstritten“, gibt der Hambacher zu, „nur nicht an diesem Standort.“ Es existiere noch kein Gutachten zur Windhöffigkeit, aber bereits ein Bauantrag.

In jedem Fall sei ein Konsens mit den Nachbargemeinden vorgesehen, den gebe es aber nicht. Der Blick in die Landschaft müsse geschützt werden, fordert Hartung, am besten durch eine Trasse für Windstrom aus dem Norden, via Erdkabel.

Geschäftsleiterin Dagmar Aberle zeigt an der Karte die Abstände der Räder im Vorbehaltsgebiet WK 54 an. Das näheste Rad liegt rund 1,4 Kilometer von der Hambacher und etwa zwei Kilometer von der Dittelbrunner Wohnbebauung entfernt. Auch Aberle sieht ein „interkommunales Abstimmungsgebot“. Würden Dittelbrunns begründete Einwände nicht gehört, sei der Klageweg möglich.

Auf Poppenhäuser Grund stehen die Räder noch viel näher an den Häusern, teilt die EOW auf Nachfrage mit. 800 Meter beträgt die Entfernung nach Maibach, 1000 Meter Richtung Poppenhausen. „Es geht nicht ums Geldverdienen“, betont Niederwerrns Vizebürgermeister und EOW-Vorstandsmitglied Thomas Wohlfahrt, „sondern ums Stromproduzieren für die eigenen Bürger.“ Werner Göbel ruft das Energiekonzept der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal in Erinnerung, für das Dittelbrunn federführend gewesen sei. Der Aufsichtsratschef erwartet auf der Maibacher Höhe einen nicht allzu starken, aber dafür gleichmäßigen Wind.

Wenig große statt viele kleine

Man wolle die „Rekommunalisierung“ der Versorgung, die rechtlich Gemeindeaufgabe sei. Einige wenige große, moderne, sich langsam drehende Windräder seien besser als viele kleine, schnell rotierende Windräder. Einen Windpark privater Investoren, mit bis zu zwölf Kleinrädern, habe man durch das Projekt verhindert.

In der Halle würde mancher viele kleine Rotoren den drei Riesen aber vorziehen. Oder eben Strom per Erdkabel beziehen. Dass Windenergie von der Küste billiger käme bezeichnet Genossenschafts-Chef Jürgen Hack als „Milchmädchenrechnung“.

Unter den Bürgern wird dennoch Skepsis und heftige Ablehnung laut. Befürchtet wird ein „Wupp, wupp, wupp“ der Rotoren, die Minderung von Grundstückspreisen und Wohnqualität ebenso wie gesundheitliche Auswirkungen des Infraschalls. Es werde im Landkreis längst mehr Windstrom produziert, als für den Eigenbedarf, hieß es.

Abstände einhalten

„Wenn die Gemeinde Poppenhausen so etwas möchte, dann soll sie es auf ihrem Gebiet errichten, aber die Abstände einhalten“, sagt ein Kritiker. „Verantwortungslos“ nennt Gemeinderat Franz Geus das Projekt. „Wir müssen die Gemeinde schützen“, findet Gemeinderätin Elena Lategahn. Letztlich gehe es nur darum, ob die 10H-Regelung eingehalten werde oder nicht.

Hubertus Bachmann, Maibacher und ehemaliger Dittelbrunner Schulleiter, fragt nach Standort-Alternativen. Einen Plan B gibt es aber offenbar nicht. Die Projektanten zeigen auf bestehende Standorte im Landkreis, wo sich vormalige Ängste beruhigt hätten.

Im Dittelbrunner Rathaus könnte man sich noch eine Größen-Staffelung der Räder vorstellen, zwecks Wahrung von „10H“ gegenüber den Nachbarkommunen.

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