HAMBACH

Dittelbrunn setzt vor allem auf die Sonne

Dem Energiesparen soll künftig in Dittelbrunn mehr Beachtung beigemessen werden. Ein Jahr nach der Auftaktveranstaltung zum künftigen Energiekonzept der Gemeinde, das nun langsam vorliegt, gab es jetzt eine Infoveranstaltung. Mit rund 20 Besuchern war diese zwar schwach besucht (Bürgermeister Willi Warmuth war krankheitsbedingt abwesend), hatte aber fundamentale Erkenntnisse zur lokalen Energiewende zu bieten.

Florian Stolzenberger und Christoph Fröhlich von der BBV LandSiedlung, ein Beratungsunternehmen unter dem Dach des Bayerischen Bauernverbands, stellten die Ergebnisse der Bürgerbefragung vor. Dazu gab es eine Bestands- und Potenzialanalyse, mit Augenmerk auf die Situation in den Baugebieten. Die Gemeinde greift bereits auf 51 Prozent Anteil an regenerativer Energie bei der Stromerzeugung zurück. Ein weit überdurchschnittlicher Wert im Bundesvergleich, lobte Energieberater Stolzenberger. Wobei Pfändhausen und Holzhausen das Plansoll mehrfach überfüllen.

Der Wärmeanteil ist mit 16 Prozent nicht ganz so hoch. Der Würzburger Planer sieht vor allem Potenzial im Fotovoltaikbereich. Hier ließe sich der Anteil vervierfachen. Ein besonderer Augenmerk gilt auch der Solarthermie (der Nutzung von Sonnen-Energie zur Wärmeerzeugung), und der oberflächennahen Geothermie, das Anzapfen von Erdwärme. Auch Holz aus dem Gemeindewald oder Biogasabwärme könne eine Rolle spielen.

Diplom-Geograf Christoph Fröhlich lobte das frühe „Top-Engagement“ der Gemeinde, die eigene Fördertöpfe zur Verfügung stelle. Das Zauberwort heißt für den Bamberger „energetischer Dreiklang“: ein Mix aus Energieeinsparung, Effizienzsteigerung sowie eigene Produktion. „Dem Energiesparen sollte künftig viel mehr Beachtung beigemessen werden“, sowohl was die Straßenbeleuchtung, Heizanlagen oder energetische Sanierungen in öffentlichen Gebäuden angehe. So könne man die Straßenlampen auf LED umrüsten, mit Bürgerbeteiligung sowohl an den Investitionskosten als auch am finanziellen Einsparungsergebnis.

Auch bei Privatleuten ließe sich der Energieverbrauch drosseln. In der Pendlergemeinde lohne sich Elektromobilität (etwa mit Ladestationen für eBikes oder gemeindliche Elektromobile) ebenso wie „Car Sharing“. Generell, so Fröhlich, mache es Sinn, sich bei der Stromerzeugung vom EEG abzukoppeln und auf Direktvermarktung zu setzen. Mit Blick auf zahlreiche Pferdehalter sei auch eine kommunale Gülle- oder Reststoff-Biogasanlage denkbar. Im Norden des Gemeindegebiets wäre ein zweites Bürgerwindrad vorstellbar, als Schlechtwetter-Ergänzung zur Photovoltaik. „Die Nachteile kennen sie, lernen sie die Vorteile schätzen.“ Beim Reizthema Windkraft hielt sich die Begeisterung im Saal aber in Grenzen.

Ansonsten war es die Bühne für die neue „Fachgruppe Energie“, ein im Sommer gegründeter Arbeitskreis mit Sprecher Peter Härterich und einem Kern-Team von zwölf Mitgliedern. Hier geht es vor allem um Wärmenetze. Ein kleines Netz existiert bereits rund um die Hambacher Kirche. In der Dittelbrunner Auenstraße, die zur Sanierung ansteht, könnten bis zu 40 Objekte vernetzt werden. Hier liegt allerdings eine Erdgasleitung im Weg.

„Ich sehe etwas Schwierigkeiten“, dämpfte Vizebürgermeister Härterich die Erwartungen. Prinzipiell gäbe es aber in vielen Baugebieten Potenzial, ob der dichtgebauten Reihenhäuser. Ähnlich sieht es Robert Rokoss, Energieexperte der Fachgruppe: In der Bruno-Siedlung gebe es Unzufriedenheit mit den Nachtspeicheröfen, am Sonnenteller/Lärchenweg sei ebenfalls ein Nahwärmenetz denkbar, in der Auenstraße eine kleine Lösung oder ein energieautarkes Rathaus mit Blockheizkraftwerk.

Ein weiteres Thema ist die Bereitstellung von Fördermitteln, etwa durch das Amt für ländliche Entwicklung. Ein Problem sei aber die grundsätzliche Versorgungspflicht und das bestehende Leitungsrecht, so Rokoss. „Die Großen Vier (der Energiekonzerne) haben das Thema noch im Griff.“

Auch eine Mikro-Windanlage rechne sich in der Region nicht. „Die Gemeinde hat den Anschub gegeben“, meinte Härterich zur Rolle der Politik, zu der auch kritische Stimmen laut wurden. Es gehe um Unterstützung, nicht um Verwaltungsarbeit. Wolfgang Fuhl erinnerte an die Übertragung der Fotovoltaik-Flächen an die Energiegenossenschaft durch die Kommune. Rokoss forderte hier gegenseitiges Vertrauen und Zusammenarbeit in Fachgruppe, Gemeindepolitik und Genossenschaft.

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