Schweinfurt

Django Asül in Schweinfurt: Probelauf für das neue Programm

Heiteres Identitäten-Raten, frei nach Robert Lembke: Django Asül testete in der Disharmonie sein neues Solo-Programm. Foto: Uwe Eichler

"Die Realität da draußen hat schon lange nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun": Sagt Ugur Bagislayici in der Disharmonie, vor vollen Reihen. "Offenes Visier" nennt sich das neueste Programm des türkischstämmigen Kabarettisten, mit bajuwarischem Hintergrund. Der offizielle "Botschafter Niederbayerns" wurde  von "Hengersberger Aborigines" aufgezogen, wie er sagt, und ist heute als Django Asül bekannt.

Eigentlich wollte der 47-Jährige erstmal kein neues Programm starten. Stammtisch-Kumpel Hans hat den Starkbier-Redner vom Gegenteil überzeugt: Jetzt heißt's Solidarität mit Minderheiten zeigen. Mit "den" Afrikanern etwa, die in Wahrheit bunt sind, nur halt in unterschiedlichen Schwarzfärbungen. Oder mit "Fridays for Future", den Klimaaktivisten. Schließlich hat er damals, in der Schule, auch jeden Freitag geschwänzt, das Kind mit dem Vater aus der "Oberschicht" ("außerdem noch Früh- und Mittelschicht"). Der Kampf gegen den Klimawandel beschäftigt auch Django Asül: "Sie brauchen ihren SUV nicht gleich verschrotten. Es reicht, wenn Sie es nächste Woche tun."

Kommissar Derrick als großes Vorbild

Das Lüpfen des Visiers, "sein Gesicht zeigen", war früher mal eine ritterliche Geste des Respekts. Schaut man um sich, scheint die Achtung vor dem Mitmenschen derzeit nicht besonders ausgeprägt zu sein. Asüls Vorbild in Sachen Respekt war noch "Derrick", der biederstrenge Fernsehkommissar. Die Frage nach "Identität" wurde für ihn schon bei Robert Lembkes "Was bin ich?" beantwortet, vorm teils fränkisch, teils ausländisch besetzten Rateteam-Tribunal: "eine Mischung aus Wer wird Millionär? und den Nürnberger Prozessen."  

Von Clint Eastwood hat der junge Django (Asül) gelernt, wie man Konflikte nachhaltig löst: Indem man seine Gegner, in dem Fall Amis und Mexikaner, aufstachelt, sich gegenseitig auszulöschen. Sympathisch ist der Exkurs des Malta-Fans zum Multikulti-Steuerparadies, das (ein Vorbild für die gesamte EU?) das Beste aus arabischer wie italienischer Kultur in sich vereinigt: "Bakschisch und Mafia".

Eine Sonneninsel, auf der seit den phönizischen Steuerflüchtlingen alle mal vorbeigeschaut haben, darunter die Johanniter (als "bewaffneter Flügel des Roten Kreuz und einer Art Vorläufer der Wasserwacht") und die Türken. Die 1565 leider nicht aufs Wettsaufen als Alternative zur "Großen Belagerung" ausweichen konnten.  Vorbild fürs solidarische Miteinander ist auch das Feuerwehrfest zuhause in Hengersberg: Wo sich spätestens nach dem vierten Bier alle gleich benehmen. Merke: "Vom Blickwinkel hängt es ab, ob einer die Lösung des Problems darstellt oder das Problem selber."

 An manchen Stellen klemmt das "Visier" noch etwas. Soloprogramm Nr. 7 feiert in Schweinfurt eine Art Vorpremiere, als "work in progress" mit Spickzettel. Dafür ist Asül in der Kulturwerkstatt richtig entspannt, neben dem Weizenglas. Die guten Pointen sind auch wirklich gut: ein Urlaub von der Realität, die andere für die Wirklichkeit halten.  2020 wird Django zurückkehren, beim satirischen Jahresrückblick in der Rathausdiele.

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