Dreifach Helau und Amen

Büttenpredigt: Roland Breitenbach und seine Sicht der Kirche „Mehr Schein als Sein“
Büttenpredigt: Roland Breitenbach hält seiner Kirche den Spiegel vor – „Mehr Schein als Sein“. Foto: Laszlo Ruppert

„Mehr Schein als Sein!“

Helau, ihr Schwestern und ihr Brüder! Büttenpredigt ist heut wieder. Seit ich zum Ruhestand bereit, bleibt mir viel Zeit für Schwarzarbeit. Was war im Jahr zweitausendzehn? Mehr Schein als Sein, ihr werdet sehn. Gern würde Gutes ich berichten von unsrer Kirche, doch mitnichten. Zoff und Stoff in großer Fülle, leider nur in schlechter Hülle. Die Gläubigkeit wird nicht vermehrt, wenn stets der Dialog verwehrt.

Sex

Als Gott den Menschen hat gemacht, da hat er nicht an Rom gedacht. Denn es ist ein Leib entstanden, den Frau und Mann als lustvoll fanden. Das Lehramt sich unfehlbar hält, weiß besser stets, was Gott gefällt. Und so wurd' aus Rom geboten, Lust sei grundsätzlich verboten. Selbst bei der Familienplanung, obwohl der Papst voll ohne Ahnung, bleibt doch die Pille unerlaubt, weil sie der Kirche Nachwuchs raubt. Für Gummis selbst, zart und hauchdünn, schwand jede schlaffe Hoffnung hin. Ausnahmefall: Prostitution, wen von den Meisten juckt das schon? Wer von Sex rein nichts versteht, weil er nicht wissen darf, wie's geht, drängt sich ins intime Leben, versucht jene zu beschämen, die mit Lust Liebe verschenken, dankbar dabei Gott gedenken. Es ist wirklich nicht zu fassen, geht es nach den trüben Tassen, die in Rom Dekrete schreiben, nebenbei recht Übles treiben, dann hängt der Glaube, Mann o Mann! nur an Kondomverzichten dran. Der Kirche ist zu wenig klar: Jesus kein Sittenwächter war.

Priester

Ein Priesterjahr ward ausgerufen Ausschau zu halten nach Berufen. Die Seminare stehen leer, der Zölibat legt sich dort quer. Ein Blick genügt, man sieht es schnell: Priester? Auslaufendes Modell! Allzu gern wurde vergessen, was zu Zeiten angemessen: Jesu Jünger hatten Frauen, ihnen schenkte er Vertrauen. Bischöfe taten's später gleich zum Segen für das Gottes Reich Noch nach über tausend Jahren, ist ehelich man gut gefahren. Ach, da fällt mir gerade ein, diese Frage stell' ich hier ein: Braucht ein Pfarrer ein Doppelbett? Nicht was ihr denkt! Seid bitte nett: Gewohnt ist nur der gute Mann, dass er sich stets q u e r legen kann. Zölibat, trotz päpstlicher Sophistik, das beweist uns die Statistik, führt nur in den Priestermangel und in Pfarrverbandsgerangel. Vier Pfarrern wurde gekündigt, nein, sie hatten nicht gesündigt, sich treu zu Frau und Kind bekannt, kürzlich in unsres Bistums Land. Die Liebe wollten sie nicht lassen, sie mussten drum ihr Amt verlassen. Wer's geheim treibt und unehrlich, bleibt dem Bischof unentbehrlich, singt im scheinheiligen Choral das Lied der doppelten Moral. Anglikaner müsste man sein. Man könnte dann trotz Bischofsweihn sich mit Weib und Kind vergnügen und des Papstes Segen kriegen.

Missbrauch

Doch es kam schlimmer, wie man weiß: Missbrauchskandale, jetzt wird's heiß. Was nicht sein darf, das kann nicht sein. Heilig blieb nur der falsche Schein. Die böse Presse wollt nur puschen, heißt es: Drum lasst uns vertuschen, was im Geheimen jeder weiß. Die Kirche zahlt dafür den Preis: Vertrauen war sehr schnell dahin. Macht dieser Laden denn noch Sinn? Bischöfliche Stolperfallen ließen es ganz lautstark knallen: Bei Käßmann nur drei Schoppen Wein, bei Mixa Wein und Kinderlein. Bezahlt hat ihm den teuren Tropfen das Kinderheim. Drum tat er klopfen, auch wenn er bis zum Letzten log, die Waisen, die er so erzog. Die Kirche sah sich noch im Recht. Den armen Opfern ging es schlecht: Zum Schutz des Anscheins ausgebeutet, wurden übel sie verleumdet. Der Sex-Missbrauch ist kaum bedacht immer Missbrauch auch von Macht. Ob Sadismus, Prügeltaten, Opfern wurde stets geraten, all das sei nur Gottes Wille, den man strafend hier erfülle. Die Täter haben nicht bedacht: Gott zum Verbrecher wird gemacht, wenn zerstört an Leib und Seele, sich ein Mensch ein Lebtag quäle?

Kirche

Kirche, das sind die Geweihten, gegen die Kritik Gefeiten. Wenn man Sündenböcke sucht, man sie bei den Laien bucht. Freiheit ist nicht vorgesehen, für die, die noch zur Kirche gehen. Zwang erscheint den Römern logisch, denken nicht unbedingt katholisch. Jetzt haben's Viele einfach satt, sie entschieden sich doch glatt, aus der Kirche auszutreten, die kommt nun in arge Nöten: Nicht Christennot bewegt sie sehr, nein, wo bringt man die Gelder her? Zwölftausend sind in drei Jahren, nicht nur zum Kirchensteuersparen Bischof Friedhelm weggelaufen. Tag und Nacht müsste er taufen, um den Abfall auszugleichen. Nein, das wird er nie erreichen.

Bischöfe

Staunen stets vor Himmelspforten, wenn Bischöfe von allerorten protzig kommen vorgefahren keinesfalls in kleinen Karren. Eine Tageszeitung titelt: Toll hat sich der Verein entwickelt, wenn man an den Esel denkt, den der Herr Jesus einst gelenkt. Der Bischof ist, knapp formuliert, ein Kirchenmann, der ungeniert, nur Höheres befehlen kann, statt Nötiges zu packen an. In Kirchenrecht, Theologie, zeigt sich der Hirten weiche Knie, vielleicht sogar ein kurzes Bein: Sie hinken unter frommem Schein konziliaren Rechten hinterher allem, was die Verpflichtung wär. Gehorchen brav dem heil'gen Stuhl, statt selbstbewusst, modern und cool die Frohe Botschaft zu verbreiten, bedingungslos, nach allen Seiten. Müssen sie denn alles schlucken, was aus Rom kommt, und sich ducken? Bischöfen genügt es meistenfalls (ich spür den Strick schon um den Hals) in der Bibel rumzuschwimmen, fromme Floskeln uns zu bringen, statt auf dem Boden Fuß zu fassen und uns Mensch und Christ sein lassen. Glaubt, lebt ein Bischof, was er sagt? Danach hätt' gerne ich gefragt.

Frauen

Am 11.11., welch ein Wunder, ereilte eine Frohe Kunde, direkt uns aus dem Vatikan, hört euch diese Botschaft an: Frauen außer Kirchputz, Fegen, und des Pfarrers Wäsche pflegen, dürfen, es gibt keine Spesen, im Gottesdienst die Lesung lesen. Doch nur das Alte Testament - und keinesfalls im Priesterhemd. Da dauert's wohl noch hundert Jahre, bis eine Frau steht am Altare.

Synode

Vier Jahrzehnte sind es nun schon, da wurd' aus Würzburgs heil'gem Dom ein großes Christenparlament, kirchlich man's Synode nennt. Bischöfe redeten mit Christen, endlich. Da sie's besser wüssten, aus was das Leben ist gestrickt, wenn man nicht nur nach oben blickt. Was man in Würzburg sich erdacht, beraten, zum Beschluss gebracht, mit Mehrheit schließlich abgestimmt, damit es kirchlich auch gelingt, wurde per Post nach Rom gesandt. Denn es ging da um allerhand: Um Frauen und ihr Kirchenamt, Ehe und Geburtenplanung, demokratische Verzahnung, Priester, ob ehelos, mit Frau, Und vieles andere, was im Stau. Die Voten steh'n, man glaubt es kaum unbeantwortet noch im Raum nach weit über vier Jahrzehnten! sodass selbst die Experten wähnten, sie wurden in Rom niemals gelesen, weil sie aus deutschem Geist gewesen. Nicht einmal ein Eingangsstempel kam aus dem klerikalen Tempel. Doch jetzt der Spieß wird umgekehrt. Alles, was man in Rom so lehrt, bringt Katholiken, ohne Frage, nicht mehr Tag für Tag in Rage. Durch elegantes Nichtbeachten lässt sich der Vatikan entmachten. Es brodelt in der Christen Gassen, bei Professoren und in Massen. Aus freien Stücken das ist klar, lässt machtgeil die Prälatenschar nicht das Geringste aus der Hand. Drum werden jetzt bei diesem Stand, Christenmenschen allerorten, mehr als nur die Rechte fordern, sie werden die Finanzen streichen. Geldentzug wird Rom erweichen.

Gemeinde Jesu

Paulus lehrt, ganz unumstritten, dafür hat er viel gelitten: Die Kirch' baut sich von unten auf, im kleinen Kreis, das ist der Lauf. Wo man hört auf Gottes Wort, lädt alle ein, treibt keinen fort: Wo Brot geteilt wird und auch Wein, wird in der Mitte Jesus sein. Wo ER ist, geht es heilsam zu. Ängstliche finden hier zur Ruh'. Verblendete können sehen. Niedergedrückte aufrecht stehn. Taube hören, Stumme reden. Hilfe gibt's, wo sie vonnöten. Alle auf Augenhöhe sind, Frau und Mann, Alte, das Kind. Sie entsprechend vorbereiten, könnten gut Gemeinden leiten, basistreu und zukunftsoffen - alle ließe das uns hoffen. Zur Freiheit sind wir zwar befreit, doch ist der Weg dorthin noch weit. Es ist gut für uns zu wissen: Zuletzt entscheidet das Gewissen. Wenn der Narr sagt: Ich bin so frei, ist immer der Humor dabei. So löst sich dann manch scharfes Wort, trägt es in einem Lachen fort. Es ist schon hier auf euren Mienen fröhlich als Reaktion erschienen. Schluss für heut', in Gottes Namen: Dreifach Helau, sag ich, und Amen.

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