SCHWEINFURT

Dreikaisereiche: Erst drei, dann zwei, dann kein Stamm mehr

Die Dreikaisereiche im Februar 2017, als der Bereich um das altersschwache Kultur- und Naturdenkmal bereits abgezäunt war. Foto: Gerd Landgraf

Die drei Stämme der Dreikaisereiche am Wanderweg vom Wildpark nach Üchtelhausen sind gefallen: ein erster bei einem Sturm zu Beginn des Oktobers, die zwei weiteren am Donnerstag bei einer Belastungsprobe. Jetzt zeigt sich, dass die Füße der Stämme völlig morsch waren, dass Gefahr für Fußgänger und Wanderer drohte. Hans-Ulrich Swoboda, Leiter des städtischen Forstamts: „Wir haben nur am Seil geruckelt. Schon fielen die verbliebenen zwei Stämme.“

Fäulnis über dem Wurzelstock

Swoboda hat als Ursache für die Fäulnis gleich oberhalb der gemeinsamen Wurzel die Dauerfeuchte zwischen den Stämmen ausgemacht. Zersägen und abtransportieren wird das Forstamt das Stammholz nicht. Die Stämme sollen dem Lebensraum Wald als Totholz dienen. Auch wird eine Tafel aufgestellt, die über die Dreikaisereiche informiert.

Als 1888 der dreifache Wurzelaustrieb seinen Namen bekam, hatten laut Swoboda die Stämme schon einen beachtlichen Wuchs und ein Alter von weit über 100 Jahren erreicht. Somit dürften die Stämme 300 bis 350 Jahre gestanden haben.

Seit Jahren schon krank

Weil die Bäume „baufällig, innen hohl und vielfach morsch waren“, hatte der Forst den Bereich um das Natur- und Kulturdenkmal in den letzten Jahren abgezäunt. Auch war der Wanderweg so verlegt worden, dass kein fallender Ast einen Spaziergänger treffen konnte. Das dort einmal eingerichtete Grüne Klassenzimmer war schon vorher in den Wildpark umgezogen.

Die dreistämmige Eiche war im Dreikaiserjahr 1888 schon alt. Ab 1888 erinnerte sie dann an Kaiser Wilhelm I., der fast 93-jährig am 9. März in Berlin starb. Dessen an Kehlkopfkrebs erkrankter Sohn Friedrich Wilhelm wurde anschließend Kaiser. Seine Regentschaft dauerte nur 99 Tage. Am 15. Juni 1888 starb Friedrich III. Kaiser wurde noch am selben Tag dessen ältester Sohn Friedrich Wilhelm, der als Wilhelm II. als letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen in die Geschichte einging.

Das Jahr 1888

Für das Jahr 1888 vermerken die Chroniken viele außerordentliche Ereignisse, darunter: die Einweihung des größten Bahnhofs Europas (Central-Bahnhof Frankfurt), das Patent für den Fahrradluftreifen des Schotten John Boyd Dunlop, Bertha Benz startete zur ersten Überlandfahrt eines Automobils, Andreas Flocken stellte mit dem Flocken Elektrowagen das erste Elektroauto der Welt in Coburg vor, Vincent van Gogh malte die Brücke von Langlois, Friedrich Nietzsche beendete den Antichrist und Jack the Ripper war in London aktiv.

Nach einem der Herbststürme im Oktober lag ein erster Stamm der Dreikaisereiche auf dem Boden. Foto: Stefan Pfister
Alle drei Stämme der Dreikaisereiche liegen seit Donnerstag auf der Erde. Foto: Gerd Landgraf

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