BERGRHEINFELD

E-Autos als Stromspeicher nutzen

„Wer weiter denkt, kauft näher ein.“ Mit diesem Spruch hat die Gemeinde Schwebheim lange Jahre für die Vermarktung regionaler Produkte geworben. Er gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für die Energie, wie beim Stammtisch der Bürgerinitiative gegen SuedLink deutlich wurde.

Mit Werner Göbel hatte man einen glühenden Verfechter dezentraler Energiegewinnung eingeladen. Göbel ist Geschäftsführer der Change Engineering, Sachverständiger des Bundesverbandes Windenergie und Aufsichtsratsvorsitzender der Energiegenossenschaft Oberes Werntal. In rasantem Tempo jagte er seine Zuhörer vom 2011 verabschiedeten Bayerischen Energiekonzept bis hin zu den heute schon möglichen Alternativen für die Energieversorgung. In seinem mit Fachwissen gespickten Vortrag ging er mit der Politik hart ins Gericht und warb für die Ideale der Energiegenossenschaft Oberes Werntal.

„Die Erhöhung der Energieeffizienz ist eines der ambitionierten Energie-Einsparungsziele Bayerns“, heißt es im Bayerischen Energieeffizienz-Pakt. Unternehmen, Kommunen und Private sollten hier Hand in Hand arbeiten. Aufgesprungen, so Göbel, seien besonders die Privaten, aber nicht so sehr aus Umweltschutzgründen, sondern um Geld zu verdienen. Wieso sonst betrieben die Stadtwerke Stuttgart Windräder in Schwanfeld und ein dänischer Investor einen Windpark bei Werneck. Der Strom des dänischen Investors werde an der Börse verkauft und bringe den Betreibern weit über eine Million Euro an EEG-Vergütung, das ist rund die Hälfte dessen, was die Wernecker Bürger an EEG-Umlage zahlen.

Die Energiewende von zentral nach dezentral umzustellen, bedeute auch, dass sie von der Stadt aufs Land wandere. „Wir haben kein Energieversorgungs-, nur ein Energieverteilungsproblem“, stellte Göbel fest und ärgerte sich darüber, dass gerade die regionalen Genossenschaften bei ihrem Bemühen um dezentrale Energiegewinnung auf massiven Widerstand aus der Bevölkerung stoßen.

Dann stellte Göbel einige Alternativen für die intelligente Stromnutzung der Zukunft vor. Wie kann das Zusammenspiel von Energieangebot und Energienachfrage besser gelöst werden? Welche Möglichkeiten bietet die Integration erneuerbarer Energien? Eine seiner Visionen für die Zukunft betraf die Schweinfurter Großindustrie. Auf den Flachdächern könne man Fotovoltaikanlagen installieren und auf den Parkplätzen die Energie von E-Autos der Belegschaft nutzen. Dank neuer Schnellladetechniken könnten diese als Speicher dienen, denen man in erzeugungsarmen Zeiten Strom entnehmen und bei neuer Stromproduktion wieder zuführen könnte.

Schließlich riet Göbel seinen Zuhörern, trotz Gegenwind aus Politik und Energiekonzernen den Kopf nicht in den Sand zu stecken. „Querdenken, nicht nachgeben und vor allem Politiker überzeugen“, so seine Empfehlung.

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