SCHWEINFURT

E-Scootern in die Zukunft

Zeug gibt‘s: Schon was los im Totenmonat
Jetzt, im Totenmonat November, mit seinen traditionell grauen, gerne auch – trotz allen Klimawandels – mal verregneten T... Foto: Thomas End) aussehen werden, sollte die Baumschutzverordnung tatsächlich abgeschafft werden.

Schweinfurt ist zwar nur eine mittelgroße Stadt, aber trotzdem eine moderne, die sich den Neuerungen der Zeit nicht verschließt. Das hat jüngst der Ferienausschuss des Stadtrates mit einem Beschluss bekräftigt, mit dem die E-Mobilität der Kugel- und Wälzlagerstadt einen weiteren großen Schritt nach vorne machen wird. Dann wird der hippe Teil der Bevölkerung und Touristen nicht nur durch große Metropolen wie Paris, Berlin und München auf den neuen E-Scootern durch die Straßen gleiten, sondern auch in der mittelgroßen Stadt Schweinfurt, die bisher eher bekannt ist durch Lager und eine originale Schlachtschüssel.

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Als führende Kraft der Moderne hat sich einmal mehr die CSU entpuppt, die seit längerem wie keine andere Partei Laptop und Lederhose, Digitales und Dirndl problemlos zusammenbringt und darauf mächtig stolz ist. Es mache keinen Sinn, sprach im Ausschuss der Herr Antragsteller Oliver Schulte, „sich den neuen Mobilitätswerkzeugen zu verweigern“. Rein vorsorglich bezeichnete er die Kritiker der schönen neuen E-Mobilität, die möglicherweise im Fernsehen gesehen haben, wie E-Roller auf Pariser Boulevards haufenweise wie Müll herumliegen, als „typisch deutsche Bedenkenträger“. Damit war klar, wer dem neuen Scooter die Sporen gibt und wer auf der E-Bremse steht.

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Nun sollen in der mittelgroßen Stadt Schweinfurt anders als in der Weltstadt Paris coole Hipster ihre Gefährte nicht einfach ins nächste Eck schmeißen dürfen, wenn sie ihren E-Trip als beendet ansehen. Sie müssen diese vielmehr bei einem „lokalen Einzelhändler“ abholen, sich ausweisen und das Fortbewegungsmittel auch wieder bei einem lokalen Händler abgeben. Wie cool das die Kundschaft findet, bleibt abzuwarten, aber die mittelgroße Stadt Schweinfurt hat es sich leicht gemacht: Der Würzburger Anbieter muss sich Händler suchen, die sich für den bürokratischen Verleihakt begeistern können. Organisation, Risiko, Haftung – liegt alles beim Verleiher. Und: Auf Gehwegen und in der Fußgängerzone darf sowieso nicht ge-E-scootert werden.

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Vor acht Jahren ist der Herr Schulte, damals noch „Junge Union“, schon einmal gegen Althergebrachtes in den Kampf gezogen, das unaufhaltsam heraufziehende Neue fest im Blick: „Gerettet – Die Nacht gehört Dir – Keine Sperrstunde“ posaunte er seinerzeit. Das total moderne, supercoole Anliegen war auch damals eher spaßmotiviert: Eine Flatrate-„Cocktailtour“ durch sieben Schweinfurter Bars. Sieben Cocktails für 18 Euro. Die Preise sind seither sicher gestiegen, doch auch im Jahre 2011 hätte es sich um ein Schnäppchen gehandelt. Das Dumme war, dass das gut gemeinte Anliegen von typisch deutschen Bedenkenträgern als Aufruf zum unbegrenzten Flatrate-Saufen und Konterkarierung des Jugendschutzes diffamiert und in ein völlig falsches Licht gerückt wurde.

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Dabei könnte man beide Anliegen genial miteinander verbinden: „Die Nacht gehört Dir: Cooles E-Scooter-Wandern – von einer von Bar zur andern.“ In München erfreut sich die Kombination von Alkohol und E-Rollerei großer Beliebtheit. Anfang Juli holte die Polizei dort in 24 Stunden 24 Besoffene von E-Scootern. Einer fuhr sogar gegen ein Polizeiauto, Schaden 4000 Euro. Von diesem Future-Trend darf sich Schweinfurt auf gar keinen Fall abkoppeln.

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