SÖMMERSDORF

Echte Gefühle für eine glaubhafte Passion

Das Böse, Satan-Darsteller Marius Mergenthal, lauert. Foto: Anand Anders

Ein leerer Maßkrug auf einem Holzpodest symbolisiert einen Brunnen, an dem sich die Apostel Petrus und Johannes schlafen legen. Einzelne Stühle in der ansonsten leeren Robert-Seemann-Halle kennzeichnen für die anstehende Ölbergszene Treppen und Zugänge der Freilichtbühne. Jesus, in Jeans und Sweatshirt, schleppt sich durch den Raum, zittert, friert, hat Todesangst, fällt verzweifelt auf die Knie oder ist wütend auf seine Jünger.

Ein intensives Probenwochenende fordert die Amateurspieler sieben Monate vor den nächsten Fränkischen Passionsspielen 2018.

Einige der emotionsreichsten Szenen des Theaterstücks vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu stehen jetzt schon an. Für die Hauptdarsteller des Schauspiels bedeutet das, intensive Gefühle zuzulassen, um in ihrer Rolle glaubhaft zu sein.

„Wir müssen die Emotionen wieder herholen“

„Es liegen fünf Jahre zwischen den Passionsspielen, wir müssen uns emotional erst wieder einfinden“, erklärt Regisseur Hermann J. Vief. Auch wenn viele Spieler, wie die beiden alternierenden Jesus-Darsteller Stefan Huppman und Tobias Selzam, ihre Rolle von 2013 wieder übernehmen, „müssen wir die Emotionen wieder herholen“, so Vief. Außerdem müssen etliche neue Rollenträger in die Gefühlswelt ihrer Figur eingeführt werden, beispielsweise Marcel Martschoke als Petrus oder Stefan Stark als Johannes. Aber auch der neue Satan, Marius Mergenthal, braucht ein intensives Verständnis seiner Rolle.

„Wir müssen für die Spieler den Transfer schaffen, hinein in ihre Vorstellung“, sagt Co-Regisseurin Marion Beyer. Über das Gefühl der Angst sollen beispielsweise die Jesus-Spieler der Ölbergs-Verzweiflung näher kommen. „Jeder soll aus seiner eigenen Erinnerung heraus etwas finden, was ihm am meisten Angst macht.“ Der Zuschauer spüre auf jeden Fall die Echtheit der Gefühle.

Diese berührten schon bei den Passionsspielen 2013 viele Menschen. Weil das professionelle Regie-Duo aber immer seine Inszenierungen reflektiert, weiß es auch, dass trotzdem noch Luft nach oben ist.

„Wir wollen vermehrt auf natürliches Sprechen achten“, nennt Vief ein Beispiel. Zwar hätten die Spieler 2013 schon einen großen Schritt gemacht, noch lebensnaher aber soll der Sprachduktus diesmal werden.

Nuancen herauskitzeln

Dass die Regisseure „viel mehr Nuancen herauskitzeln“, hat auch Jesus-Darsteller Stefan Huppmann registriert. Beispielsweise komme zum Grundgefühl der Angst am Ölberg auch jenes der Scham. Oder jenes der Wut auf seine Freunde, die ihn in seiner Verzweiflung im Stich lassen. „Wir wollen ja nicht die Passion 2013 kopieren“, ergänzt „Petrus“ Volker Rückert, „vielleicht schaffen wir es, noch authentischer zu spielen.“ Da muss etwa der vom Schlaf übermannte und von Jesus aufgeweckte Petrus zunächst mit brüchiger Stimme sprechen. Oder er muss sich für sein erneutes Einschlafen eine andere Schlafposition suchen, „wie im normalen Leben eben auch“.

Wie der Satan seine Macht über Jesus ausübt, wie er sich bedrohlich nähert oder zurückzieht, soll Marius Mergenthal allein durch die Körpersprache ausdrücken. Schleichend, schlangenähnlich muss er sich bewegen und durch seine Haltung deutlich machen, dass er das personifizierte Unheil ist.

Solche emotionalen Proben sind anstrengend für alle Beteiligten. Deutlich wird aber auch, dass es ihnen genauso Spaß macht, wieder einmal beieinander zu sein. „Wir wohnen ja nicht mehr in Sömmersdorf“, sagen Huppmann und Rückert. Umso schöner sei es, sich jetzt häufig zu treffen. Die beiden Johannes-Darsteller haben sogar eine eigene „Apostelgruppe“ in WhatsApp angelegt. Dort wird nicht nur Organisatorisches abgesprochen, da wird auch viel geflachst.

In den Pausen wird viel gelacht

Dass Stefan Stark und Tobias Garbe abwechselnd den jüngsten Apostel spielen dürfen, freut beide ungemein. „Wir sind seit unserer Kindheit Freunde“, bekennen die 26-Jährigen. Jetzt könnten sie, trotz neuer Wohnorte, wieder viel zusammen sein. In den Besprechungspausen zwischen den Proben wird daher auch gelacht, und es werden die gewünschten Bartlängen aufs Korn genommen.

Weil sie mit dem christlichen Glauben aufgewachsen sind, ist den jungen Männern auch die Weitergabe der christlichen Botschaft wichtig. „Es ist zwar ein Theaterstück“, meint Stefan Stark, „aber es ist kein Theater.“

Die Bereitschaft, sich emotional auf die Geschichte einzulassen, sei gleichgeblieben, denkt Regisseurin Beyer an das vorherige Passionsspiel. Weil diese Offenheit, dazu ein neues Bühnenbild und neue technische Möglichkeiten vorhanden sind, ergebe sich für die ganze Passion auch etwas Neues. Sie blickt durchs Fenster auf den Bagger am Spielgelände, der mit den Erdarbeiten für das neue stählerne Dachgewölbe begonnen hat.

Kartenvorverkauf: Für die 18 Vorstellungen der Fränkischen Passionsspiele vom 24. Juni bis 19. August 2018 gibt es Karten in der Geschäftsstelle des Vereins in Sömmersdorf, Ecke Passionsweg/Zinnstraße, Tel.

(0 97 26) 26 26, im Rathaus Euerbach, in allen Main-Post-Geschäftsstellen und über Main-Ticket-Service, in Schweinfurt bei der Touristinformation 360 Grad, in Reservix- und AD-Ticket Vorverkaufsstellen oder unter www.passionsspiele-soemmersdorf.de

Verzweiflung und Angst verkörpert Jesus-Darsteller Stefan Huppmann in der Ölbergszene. Foto: Anand Anders
Hilfe bei seinem Vater sucht der zweite Jesus-Darsteller Tobias Selzam, während seine Jünger im Hintergrund schlafen. Foto: Anand Anders

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