SCHWEINFURT

Ein Betrieb mit 150 freiwilligen Mitarbeitern

Die ehrenamtlichen Fahrer bringen die Waren.
Die ehrenamtlichen Fahrer bringen die Waren. Foto: Ursula Lux

Es herrscht reges Treiben in den Ladenräumen der Tafel. Der erste Wagen mit Nahrungsmitteln ist angekommen, Fahrer und Beifahrer laden aus. Sie haben die Lebensmittel aus den ersten Supermärkten der Liste geholt, nach dem Entladen werden sie erneut auf Tour gehen.

Im Laden warten andere Mitarbeiter am Obst- und am Gemüsetisch. Sie schauen die angelieferte Ware durch und sortieren sie für den Verkauf in entsprechende Behälter. Am anderen Ende werden Brot und Backwaren portionsweise verpackt. Wieder anderes wird gesichtet und in die Kühlung gebracht.

Seit Februar 2003 werden bei der Schweinfurter Tafel sechs Tage die Woche Lebensmittel gesammelt, sortiert und gegen einen Betrag von drei Euro an Bedürftige in Stadt und Landkreis abgegeben. Der Laden ist von Montag bis Samstag nachmittags geöffnet, mit Ausnahme von Mittwoch. An diesem Tag holen Ehrenamtliche für Bedürftige, die nicht selbst kommen können, die Nahrungsmittel ab. Zweimal die Woche können Bedürftige einkaufen und sind dann gut versorgt, erzählt Ernst Gehling von der Vorstandschaft der Schweinfurter Tafel.

„Abgepackt wird bei uns nur Gebäck“, erklärt er. Alles andere werde lose verkauft. „Wir haben uns ja unter anderem auf die Fahnen geschrieben, Lebensmittel vor dem Verderb zu retten“, erklärt Gehling, und da helfe es wenig, wenn beispielsweise Gurken und Radieschen zusammengepackt werden und jemand, der keine Gurken mag, die dann zu Hause wegwirft.

Nicht nur die Nahrungsausgabe ist gut durchdacht. Rund 150 Mitarbeiter gilt es für die unterschiedlichsten Arbeiten einzuteilen, das ist nicht einfach, denn die einen arbeiten bis zu viermal die Woche mit, andere wiederum nur einmal im Monat. „Aber jede Hilfe ist wichtig“, betont Gehling und jeder Ehrenamtliche könne sich das nach seinen Bedürfnissen einteilen. Dann sind da die oft kurzfristigen Ausfälle, jemand wird krank oder kann aus anderen Gründen nicht. Dann heißt es „ans Telefon und solange telefonieren, bis Ersatz gefunden ist“, erklärt das Vorstandsmitglied. Auch Urlaubszeiten müssen überbrückt werden, denn die bis zu 2000 Bedürftigen pro Woche wollen auch in Ferienzeiten versorgt sein. Deshalb kommen zu den vielen Ehrenamtlichen noch zwei Teilzeitkräfte und zwei geringfügig Beschäftigte, um die Planungssicherheit zu gewährleisten.

Die Schweinfurter Tafel, die noch eine Zweigstelle in Gerolzhofen hat, ist ein mittleres Unternehmen. Da gibt es die Holer und Fahrer, die Aufbereiter, das Ladenteam, die Verwaltung. Da müssen Mitarbeiter geschult und Pläne erstellt, Fahrzeuge unterhalten und Räume angemietet werden. Neben den Räumlichkeiten verbrauchen auch die zwei Kühlhäuser und das Tiefkühlhaus Energie, die Fahrzeuge müssen betankt und gewartet werden. Es entstehen also auch jede Menge Kosten im laufenden Betrieb.

Die deckt die Tafel nur zum Teil über den Obulus der Bedürftigen. „Wir sind auch auf Spendengelder angewiesen“, erklärt Gehling. In puncto Lebensmittel wird die Tafel von den umliegenden Firmen und Supermärkten „gut bestückt“, erklärt Gehling, „so gut, dass wir auch mal was an die umliegenden Tafeln abgeben können, die nicht so viel Glück haben.“ Dass die Tafel aber auch Geldspenden benötigt, daran denken die wenigsten.

„Viele unserer Mitarbeiter freuen sich auf ihren Einsatz, hier bilden sich schnell eingespielte feste Teams und es entstehen Freundschaften.“
Ernst Gehling, Mitglied der Vorstandschaft

Und ein zweites, wovon sie angesichts des immensen Arbeitsaufwandes nie genug haben kann, das sind ehrenamtliche Mitarbeiter. „Viele unserer Mitarbeiter freuen sich auf ihren Einsatz, hier bilden sich schnell eingespielte feste Teams und es entstehen Freundschaften“, wirbt Gehling.

Über 930 Tafeln gibt es bundesweit und obwohl sie sich bundesweit zum Verband Tafeln Deutschland zusammengeschlossen haben, ist jede eigenständig. Einkaufsmöglichkeiten, Öffnungszeiten, ob überhaupt und wenn ja, in welcher Höhe ein Obulus der Käufer anfällt, all das wird vor Ort festgelegt. Was die vielen Tafeln verbindet, ist das Bestreben, Lebensmittel zu retten und gleichzeitig Menschen zu helfen.

Am Gemüse- und am Obsttisch wird eifrig sortiert und in die Kisten eingeordnet. Brot und Backwaren werden portionsweise verpackt.
Am Gemüse- und am Obsttisch wird eifrig sortiert und in die Kisten eingeordnet. Brot und Backwaren werden portionsweise verpackt. Foto: Ursula Lux

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