SCHWEINFURT

„Ein Bild muss in mir etwas auslösen“

Monika Dorband vor ihrer zweiteiligen Radierung „Verweile doch…“. Foto: Andreas Helmerich

Die Resonanz auf die Radierungen und Aquarelle von Monika Dorband anlässlich ihrer Vernissage in der Eventgalerie, hätte nicht größer sein können – die kleine Galerie in der Neuen Gasse konnte kaum das Publikum fassen, so groß war der Andrang. Der Titel der Ausstellung, „Resonanzen“, war somit passend gewählt.

Die aus Worms stammende Künstlerin und Wahl-Schweinfurterin liebt das kaleidoskopische Farb- und Formenspiel; bei der Bilderauswahl zu „Resonanzen“ dominiert meist eine Farbrichtung, die spielerisch von Farbkontrasten durchbrochen wird. Fantastische Wesen und Figuren wie aus der Tiefsee oder von anderen Planeten, tummeln sich mal mehr, mal weniger konturiert auf ihren wie Emaille leuchtenden Unikaten. Die drei präsentierten figurenbetonten Schwarzweiß-Radierungen bilden hier die Ausnahme. Die Vernissage erhielt durch Künstlergespräch zwischen Johanna Bonengel und der Malerin den Charakter einer Live-Performance. Die Werke tragen Namen wie „Nachtmars“, „Sommerfeld“ oder „Horizont Orange“.

Ihre Begeisterung über Monika Dorbands Bilderwelt machte Johanna Bonengel exemplarisch an der Radierung „Die Dame mit dem Hündchen“ fest und ließ dabei ihrer „Schwärmerei“ freien Lauf. Das nach der gleichnamigen Tschechow-Novelle benannte Bild sei ein „Puzzle aus Chiffre, eine Farbsymbiose“, thematisch im Zentrum des Bildes der „rote Hund“, hier ein „koketter Damenschuh“, dort die „Andeutung eines Gesichtes“. Die Expressivität und die lyrische Stimmung mögen an Chagall, die verspielten Formen an Miro erinnern, doch Monika Dorband hat ihre ganz eigene, unverwechselbare Bildsprache entwickelt. Im Vorabinterview gewährte die ehemals bei Fichtel & Sachs tätige Diplomsoziologin einige Einblicke in den Schaffensprozess, so auch in die Entstehung der gezeigten Aquarelle, die alle unter freiem Himmel entstanden oder in die Wahl des Titels eines ihrer Bilder, der nach Literaturvorlage frei assoziiert wurde. In der Radierkunst verdanke sie der Iranerin Eschrat Tellert einiges, ebenso der Schweinfurter Radierwerkstatt; reichlich Inspiration holte und holt sich die dreifache Mutter und Ehefrau wohl auch bei ihren Studienreisen in die Sahara, Zentral- und Ostafrika, Indien und Nepal oder in den Vorderen Orient.

Auf die Frage von Johann Bonengel, ob man über Kunst überhaupt angemessen reden könne, antwortete Monika Dorband ohne Zögern, man müsse dies sogar. Die „Alt-68erin“ ließ keinen Zweifel daran, dass Farben und Formen allen Menschen gehören, so plädierte sie für die „Freiheit des Betrachters“ und dafür, dass in der „Kunst alles legitim“ sei. Die Künstlerin äußerte sich anschließend über das Handwerkliche beim Radieren, was dabei vorab geplant werden müsse und was später noch ergänzt werden könne, um jedem Abdruck eine besondere Nuance zu verleihen. Bonengel wollte wissen, was ein „gutes Bild“ ausmache: „ Ein Bild muss in mir etwas auslösen… hoppla, was war das?“ Mit Bildern und künstlerischen Werken könne man eine regelrechte Beziehung eingehen, sich aber auch wieder daraus lösen, wenn keine Schwingungen mehr fühlbar sind. Die Schwingungen, die von Monika Dorbands Bildern ausgehen, werden ganz sicher eine ganze Weile vorhalten. Die Ausstellung dauert noch bis zum 21. Januar 2017.

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