SENNFELD

Ein „Buntes Netz“ der Hilfsbereitschaft

Manchmal brauchen auch die eigenen Ehrenamtlichen Unterstützung: Christa Drescher musste sich nach einem Unfall von Margot Rabenseifner aus dem Auto helfen lassen.
Manchmal brauchen auch die eigenen Ehrenamtlichen Unterstützung: Christa Drescher musste sich nach einem Unfall von Margot Rabenseifner aus dem Auto helfen lassen. Foto: Ursula Lux

In Sennfeld gibt es nicht nur eine freiwillige, sondern auch eine soziale Feuerwehr, die allerdings ebenfalls ehrenamtlich und freiwillig arbeitet. Helmut Bandorf, Gründungsmitglied der Nachbarschaftshilfe „Buntes Netz“, nennt die Initiative, die 2012 aus der Taufe gehoben wurde, gerne so. Denn wie die richtige Feuerwehr gehen die Mitglieder „dahin, wo's brennt“.

Da muss jemand plötzlich ins Krankenhaus und braucht einen Helfer, der die beiden Katzen versorgt, bis eine Betreuerin gefunden ist. Oder der Sohn aus Berlin ruft an und bittet, mal nach der Mutter zu sehen, die sich nicht rühre. Ein andermal wird jemand vom Hausarzt zu einem Spezialisten überwiesen und weiß nicht, wie er da schnell hinkommen soll. In allen Fällen springt die Nachbarschaftshilfe schnell und unbürokratisch ein.

Vereinsamung nimmt zu

Es war bei einem Frühschoppen der Grünen, auf dem Rita Weber unterschiedliche Nachbarschaftshilfen vorstellte. Bei Helmut Bandorf, Dorothea Rabenstein und Christa Drescher fiel die Idee schnell auf fruchtbaren Boden. Trotzdem wurde diskutiert, ob so etwas in der Gemeinde wirklich gebraucht wird, denn „in Sennfeld funktioniert auch die natürliche Nachbarschaftshilfe gut, besonders im Altdorf“, meinte Drescher.

Dennoch gibt es auch die zunehmende Vereinsamung von Bürgern. Viele Senioren wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben, die Kinder aber sind oft weit weg. Es gab viele Gründe, die zeigten, eine offizielle Nachbarschaftshilfe hat durchaus Sinn. Dass heute 15 Ehrenamtliche in den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern hier mitarbeiten, zeigt, dass der Bedarf da war und ist. Und so gründeten die drei Genannten eine der ersten Nachbarschaftshilfen im Landkreis und stellen bis heute das Leitungsteam.

Zweiter Platz in Unterfranken

Sogar einen unterfränkischen zweiten Platz gewann das „Bunte Netz“ schon, und zwar bei dem vom Bayerischen Sozialministerium ausgeschriebenen Innovationspreis „Zu Hause daheim“. Das liegt vielleicht auch am besonderen Konzept, für das sich die Gründungsmitglieder nach langen Diskussionen entschieden haben. Die Trägerschaft hat ein Kuratorium inne, das als „Aufsichtsorgan“ fungiert. In diesem sind der Bürgermeister und die beiden Geistlichen vor Ort vertreten. Sowohl die politische Gemeinde als auch die beiden Kirchengemeinden unterstützten die Initiative mit einem Startgeld von je 100 Euro. Davon wurden erst einmal die Flyer bezahlt, mit denen sich die Nachbarschaftshilfe bekanntmachte.

Ein Zuschuss des Bayerischen Sozialministeriums ermöglichte dann noch die Anschaffung eines Anrufbeantworters, eines Laptops mit Drucker und dreier Handys für die Ansprechpersonen.

Mindestens einmal jährlich gibt das Leitungsteam seinen Tätigkeits- und den Kassenbericht ab. Bei diesen Treffen werden auch aktuelle Probleme besprochen und ein reger Gedankenaustausch findet statt. Hauptamtliche Mitarbeiter gibt es keine, Ansprechpartner sind die drei Mitglieder des Leitungsteams.

Nicht ausnutzen lassen

Anfangs war es für die Hilfesuchenden nicht einfach, sich zu melden, berichten die Mitarbeiter. Denn gerade auf dem Dorf, wo jeder jeden kennt, sei die Hemmschwelle doch groß. Also wurde zum Auftakt erst einmal ein Spielenachmittag veranstaltet, um Kontakt aufzunehmen. Den Spielenachmittag gibt es noch immer monatlich. Und inzwischen ist das mit dem Kontakt auch kein Problem mehr.

Allerdings passen die Ehrenamtlichen auch gut auf, dass die keine Hausmeister- oder Handwerkerdienste übernehmen. Sie springen zwar auch mal kurzfristig beim Schneeschippen ein, wenn jemand erkrankt ist, dann aber muss eine dauerhafte Lösung gefunden werden. „Es gibt schon auch einige Spezialisten“, meint Drescher, bei denen man aufpassen müsse, dass man nicht ausgenutzt werde, aber die seien die Ausnahme. Und Margot Rabenseifner, eine „sehr rührige und überall einsetzbare Mitarbeiterin“, so Bandorf, formuliert was alle bestätigen: „Es tut gut, dass von den Leuten so viel zurückkommt.“

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