Schweinfurt

Ein Jahr lang fast keine Rechnung bezahlt

Kaum aus dem Knast entlassen, pachtete der Betrüger mit über 20 Vorstrafen ein schlecht gehendes Hotel in der Rhön – und machte nur Schulden. Hat das Gericht Erbarmen?
Wegen Betrugs in 31 Fällen wird ein ehemaliger Gastwirt vom Schweinfurter Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte die Hotelpacht und Lieferanten-Rechnungen im Wert von tausenden Euro nicht bezahlt. Foto: Patty Varasano

 Als der heute 60-Jährige 2011 das Gefängnis wieder einmal verlassen darf, hat er praktisch kein Geld, kommt aber auf die Idee, trotz seiner Mittellosigkeit noch einmal einen Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Er pachtet ein Hotel in einem Dorf im Landkreis Rhön-Grabfeld, für das monatlich eine Miete von 1500 Euro fällig werden soll, dazu 750 Euro an Nebenkosten und eine Kaution von 4500 Euro.    

Pacht, Waren, Öl, Strom nie bezahlt 

Gezahlt hat der Mann nie einen Cent. Dafür und für viele weitere Betrugstaten steht er nun vor dem Schöffengericht Schweinfurt. In der knapp einjährigen Mietzeit zwischen September 2013 und August 2014 soll der Angeklagte 40 000 Euro für Pacht, Waren und Heizöl nicht bezahlt haben. Das ist aber nur ein Teil des Schadens. Lieferanten, von denen er Papier, Getränke, landwirtschaftliche und andere Rohprodukte für die Küche oder Backwaren im Wert von tausenden Euro bezog, habe er ebenfalls nicht bezahlt. Ebenso Fernseher für Gästezimmer im Wert von knapp 5000 Euro. 

Der Gastronom ist nicht krankenversichert, wird aber - teils als Notfall - in Kliniken behandelt und kann die Kosten von mehreren tausend Euro nicht begleichen. Der Stromlieferant macht bei ihm Außenstände von 20 000 Euro geltend, der Verpächter weitere 4000 Euro für ein Darlehen, eine Tankstelle 2000 Euro für Benzin, das über drei Tankkarten bezogen und nicht bezahlt worden war. 38 Betrugstaten listet der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift auf mit einer Schadenssumme von rund 104 000 Euro.

Mehrere Gerichtstermine platzten

Mehrfach sollten die Betrügereien schon verhandelt werden. Etliche Termine platzten wegen Krankheit oder Abwesenheit des Angeklagten. Deshalb liegen die Taten schon viele Jahre zurück. Nun endlich klappt es mit seiner Verhandlungsfähigkeit. Der 60-Jährige ist geständig, auch wenn er sich an manche Einzelheiten nicht mehr genau erinnert. Sieben der 38 angeklagten Betrugsfälle stellt das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft ein, etwa weil Geschädigte trotz offener Rechnungen und des Wissens darum, dass der Angeklagte offenbar nichts zahlen kann, ihn weiter belieferten.  

Dennoch ist die Schadenssumme noch enorm. "Es war eine Katastrophe, dass ich damals so blöd war und mich so überschätzt habe", sagt der Angeklagte. Sich "verschätzt" und betrogen hatte er aber schon öfters, wie sein Vorstrafenregister eindrucksvoll zeigt. Betrug und Unterschlagung kommen in den 27 Eintragungen ziemlich oft vor. "Eine geniale Idee, sich nach der Haftentlassung in der Rhön in einer heruntergekommenen Kascheme, die seit Jahren nicht läuft, selbstständig zu machen", sagt der Vorsitzende Richter sarkastisch. Der 60-Jährige nickt.

Bewährung – mit sehr viel gutem Willen

Gleichwohl kommt der Angeklagte für die eingestandenen 31 Taten gerade noch mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. Die wichtigsten Gründe dafür sind sein Geständnis und der Umstand, dass er seit Jahresbeginn offiziell Rentner ist, daraus ein kleines Einkommen hat, ferner ein Dach über dem Kopf und krankenversichert ist. Seine Verteidigerin sieht darin eine gute Sozialprognose, Gericht und Staatsanwaltschaft mit sehr viel gutem Willen ebenfalls.   

Aber: Fünf Jahre beträgt die Bewährungszeit, ein Bewährungshelfer soll dem Neurentner dabei helfen, nicht wieder auf die schiefe Bahn zu geraten. Falls doch, droht der Widerruf der Bewährung und der grandios gescheiterte Gastronom muss erneut ins Gefängnis. Das Urteil ist rechtskräftig.

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