BERGRHEINFELD

Ein Specht tyrannisiert Bergrheinfeld

Revierverteidigung: Ein Buntspecht trommelt auf der Feuerwehrsirene herum. Sie dient ihm zur Balzzeit als Verstärker.

Eigentlich ist es eine ruhige Gegend am Ortsrand von Bergrheinfeld. Idyllisch ist der Garten der Familie Göb. Es grünt und blüht, Vögel zwitschern und sitzen ringsum in den Bäumen. Doch einer von ihnen übt sich als Querulant, widersetzt sich den üblichen Vogel-Gepflogenheiten. Wie ein Maschinengewehr durchbricht dieser Buntspecht mit seinem Getöse die heile Welt.

Sein Markenzeichen: Er trommelt auf das halbrunde Metalldach der Feuerwehrsirene. Und das teils stundenlang, berichtet Anwohnerin Manuela Göb. Ruhetage kennt der Specht nicht – ein Revier muss schließlich auch am Wochenende verteidigt werden. „Dem ist es wurscht, ob Samstag oder Sonntag ist“, sagt Göb. Die wiederkehrenden Trommelwirbel bestehen aus zehn bis 16 Schlägen und dauern etwa zwei Sekunden.

 

Was schallt denn da zur Frühlingszeit durch Bergrheinfeld? Sind es gar Maschinengewehrsalven? Weit gefehlt! Das Trommeln ist tierischen Ursprungs, ein Specht treibt hier sein Unwesen.

Posted by Schweinfurter Tagblatt on Dienstag, 26. Mai 2015

Das durchdringende Geräusch höre man bis weit in die Umgebung, so die Anwohnerin. „Wir haben schon an die Sirene geklopft, mit den Händen geklatscht.“ Genutzt hat dies nichts. Auf das Blechdach des haushohen Pfostens direkt neben Göbs Garten kommt keiner an ihn ran. Das weiß der gefiederte Störenfried genau und macht munter weiter. Schon seit Jahren hält er die Sirene besetzt.

Weiter dagegen vorgehen will Göb jedoch nicht, schließlich sei es eben nur ein Tier, das seinen Trieben folge. Bei einem ähnlichen Fall in Regensburg sah das vor zwei Jahren ein entnervter Bürger anders – und zeigte solch einen Specht gar bei der Polizei an, heißt es in einem Bericht der „Mittelbayerischen Zeitung“. Geholfen habe das allerdings nichts, der Specht falle unter die Vogelschutzrichtlinie, was ein Vorgehen gegen diesen erschwere.

Der Feuerwehr in Bergrheinfeld ist zwar bekannt, dass da ein Specht sich in ihre Sirene verguckt hat. Aber viel mehr wisse man nicht, sagt Stellvertretender Kommandant Daniel Hornung. „Wenn er nur auf dem Gehäuse rumhackt, macht er nichts kaputt.“

Konkurrenten sollen abgeschreckt werden

Etwas mehr Hintergrundwissen kann Ornithologe Konrad Roth vom Vogelschutz-Verein Schweinfurt beisteuern. Er kennt zwar diesen speziellen Specht nicht persönlich, hat aber schon von ähnlichen Geschichten gehört. „Das ist eine Ausnahmeerscheinung, aber es kann vorkommen. So ein Blech gefällt den Spechten.“ Damit könne der Vogel die Lautstärke seines Klopfens verstärken – und Konkurrenten abschrecken. Denn das Rumgetrommel sei eindeutig zur Revierverteidigung, sagt Roth. Diese betreibe der Specht ab Ende Februar bis etwa Juni, wenn die Jungen flügge sind. Der Vogelkundler schätzt anhand der Beschreibung, dass es immer der gleiche Vogel ist und wahrscheinlich ein Männchen. Schaden würde dem Specht das Klopfen auf den harten Untergrund nicht. Das stundenlange Trommeln sei insbesondere zur Hochbalz normal.

Das deckt sich mit Göbs Beobachtungen. Inzwischen komme der Specht immer seltener und bleibe dann auch nicht mehr ganz so lange. Die Göbs können also bald aufatmen und die Ruhe im Garten das ganze Jahr genießen – bis wieder der Frühling naht.

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