GEROLZHOFEN

Ein Wohngebiet auf dem Korbballfeld

Stadthalle und TV-Platz: Erstere bleibt bei den Verhandlungen zwischen Stadt und TV vorerst außen vor, der Platz könnte ... Foto: Stadtarchiv (Sammlung Theo Kaeuffer)

Wo einst die Feldhandballer des TV zu ihren Spielen aufliefen, große Leichtathletik-Wettbewerbe stattfanden und sich viele Schüler ihre Sieger- oder Ehrenurkunden beim Sportfest erkämpften, könnte schon bald eine Wohnsiedlung stehen.

Rund 14 000 Quadratmeter Fläche hat der TV-Platz hinter der Stadthalle. Das ist etwa ein Viertel der Fläche, die die Stadt als Wohngebiet am Nützelbach in den Flächennutzungsplan aufnehmen will.

Nach jahrelangem Hin und Her ist der TV bereit, diese Sportstätte aufzugeben und damit den Weg frei zu machen für ein zentrumsnahes Wohngebiet mit rund 10 000 Quadratmeter reiner Baufläche. Allerdings unter einer Bedingung: Es geht bei dem Handel zwischen Stadt und Turnverein ausschließlich um die Sportfläche, nicht aber um die Stadthalle. Bisher war der Stadtrat nur bereit, das gesamte TV-Areal im Paket zu verhandeln.

Das hat sich am Montag geändert. Einstimmig gab die Runde Bürgermeister Thorsten Wozniak die Ermächtigung, ausschließlich über den Platz weiterzuverhandeln. Für die Halle besteht noch ein Erbbaupachtvertrag zwischen Stadt und Verein über 99 Jahre, der vor fast 40 Jahren abgeschlossen wurde.

Wozniak kritisierte den von der SPD in einer Wahlkampf-Broschüre für den TV-Platz verwendeten Begriff „Brachland“. Immerhin vier Monate im Jahr werde er immer noch von den TV-Feldkorbballerinen genutzt. Mit dem Landkreis hat Wozniak bereits eine Einigung erzielt, dass die Sportlerinnen bereits ab April auf das Sportgelände im Schulzentrum Nord umziehen können, sowohl fürs Training als auch für den Spielbetrieb.

Unwürdige Umkleiden

Das kostet zwar Miete, dafür erspart sich die Stadt aber die Sanierung der Umkleiden in der Stadthalle, die so unwürdig seien, dass der TV mit Rücksicht auf die Gastmannschaften keinen Heimspieltag mehr durchführte.

Auf dem TV-Platz, so Wozniak, könnten rund 20 Baugrundstücke entstehen. Drei bis fünf davon gingen an die Stadt, die dafür die Erschließung übernimmt. Der Rest würde der TV im Erbbaurecht vergeben und mit dem Zins eine dauerhafte Einnahme haben. Das sei für den Verein besser als eine einmalige Einnahme in sechs oder gar siebenstelliger Höhe, die womöglich auch noch die Gemeinnützigkeit gefährden könnte.

Wozniak zeigte Verständnis dafür, dass der TV sein Eigentum Stadthalle nicht so leicht aus der Hand geben möchte, das über Generationen geschaffen worden sei. Auch aus der Sicht der Stadt sei keine Änderung der bestehenden Verhältnisse nötig. „Warum soll die Stadt etwas kaufen, worüber sie ohnehin verfügen kann“, wies der Bürgermeister auf die Bestimmungen des Erbbaupachtvertrags hin.

Schon vom ersten Diskussionsbeitrag an zeigte sich, wohin der Weg gehen würde. Werner Ach war als Erster dafür, getrennt über Halle und Sportplatz zu verhandeln. Bei der Stadthalle müsse allerdings erst einmal der Brandschutz sichergestellt werden.

Ein entscheidendes Problem sprach der ebenfalls positiv zur Einzellösung stehende Burkhard Wächter an. Wird es neben der Zufahrt zum Baugebiet von der Jahnstraße auch eine von der Dingolshäuser Straße her geben? Das sei in den Verhandlungen noch nicht angesprochen worden, informierte Wozniak. Es liege aber sicher auch im Interesse des TV, dass das Baugebiet gut erreichbar ist.

Halle und Gelände trennen

Von TV-Vorsitzendem Bernhard Krapf war dazu am Dienstag zu erfahren, nach seiner ersten Einschätzung dürfte das kein allzu großes Problem darstellen. Thomas Vizl schlug vor, den komplizierten Erbbaupachtvertrag über die Stadthalle zu entkrampfen. „Wenn wir sehen, wir kommen nicht weiter, müssen wir eben getrennt verhandeln“, sagte Eva Ott. Halle und Gelände in einem zu verhandeln, würde den TV-Vorstand zu stark strapazieren, meinte auch Ludolf Kneuer.

Nun können Bürgermeister und TV-Vorstand zügig weiterverhandeln. Vor einer endgültigen Entscheidung steht allerdings noch die Zustimmung durch die TV-Mitglieder, die der Vorstand in einer Generalversammlung einholen muss.

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